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Was tun, wenn's brennt? Filmkritik

Was tun, wenn's brennt? Filmkritik

Film
Was tun, wenn's brennt?
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-05-08 20:29:27
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Ein stark besetztes Ensemblestück, das wie schon "Anatomie" von der Deutschen Columbia Pictures Filmproduktion im Team mit Claussen & Wöbke mit Qualitätsanspruch vor und hinter der Kamera auf den Weg gebracht wurde, stellt die ewige Frage nach der Kluft zwischen Gestern und Heute, nach verwirklichten Idealen oder Selbstverrat, nach dem Gefühl angekommen zu sein oder auf den Platz im Leben warten zu müssen. Mit Humor, Action, aber auch Melancholie stellt sich "Was tun, wenn's brennt" der vom nationalen Kino häufig vernachlässigten Aufgabe, Unterhaltung in zeitgeschichtliche Themen einzubinden. Der Publikumspreis beim Filmfest in Lünen, der letztes Jahr an "Jetzt oder Nie" ging und damit einem späteren Kinoerfolg prophetisch den Weg wies, deutet an, dass es nicht nur beim Anspruch der Filmemacher geblieben ist.

Wie man durch Erinnerungen, aber nicht nur dadurch von der Vergangenheit eingeholt werden kann, zeigt das handwerklich überzeugende Kinodebüt des erfahrenen Clipregisseurs Gregor Schnitzler schon in seinen ersten Einstellungen. Mit Bildern von einer Straßenschlacht im Berlin des Jahres 1987 werden die Hauptfiguren des Films vorgestellt, die wenig später mit einer Bombe Marke Eigenbau, deponiert in einer Grunewalder Villa, ein Zeichen setzen will, das aber erst 13 Jahre später wahrgenommen werden wird. Als die Bombe durch eine beschädigte Gasleitung schließlich hochgeht, sind im Jahr 2000 aus den Punks und Hausbesetzern von damals Säulen des bürgerlichen Lebens geworden, die als Mutter, Geschäftsfrau, Staatsanwalt oder Werbeprofi so weit wie möglich Vergangenheit und Ideale hinter sich gelassen haben. Til Schweiger und Martin Feifel (als Hölderlin die Entdeckung aus Nina Grosses "Feuerreiter") spielen die Rebellen von damals, die als Einzige auch heute noch heute in einem besetzten Haus Widerstand leben. Die zwischenmenschliche Dynamik des Films resultiert aus der Begegnung von Anpassung und Verweigerung und wird aktiviert, als die Cops unter ihrem von Klaus Löwitsch gespielten Kampfhund einen Film sicherstellen, der die Gruppe beim Bau der Grunewalder Bombe zeigt. So kommt es, um die Enttarnung zu verhindern, zur Reunion - zur komischen, melancholischen und auch eine Spur romantischen Gegenüberstellung der Realitäten, Einstellungen und Persönlichkeiten. Den sehnsüchtigen Ton unterstreichen Bildermontagen zu starken Songs von Radiohead und den Manic Street Preachers, bei denen Regisseur Gregor Schnitzler seine beruflichen Wurzeln verrät. Für Action sorgt der deponierte Film, der vor seiner Sichtung vernichtet werden muss, und für einen Hauch Romantik die Hoffnung Til Schweigers, mit seiner großen Liebe vielleicht doch einen gemeinsamen Weg zu finden. Dabei zeigt "Was tun, wenn's brennt" die größte Lebendigkeit, wenn Selbstironie und Zynismus, meist vereint in der Person des unsentimentalen Werbestrategen Maik ("Arschlöcher gehören doch auch dazu"), ihren Platz finden, oder Klaus Löwitsch als gewohntes Naturereignis sein Revier markiert. Dank guter Arbeit vor und hinter der Kamera erweckt der Films insgesamt also nicht die Frage, die er sich in seinem Titel stellt. Denn wirklich angebrannt wirkt hier eigentlich nichts. kob.

Copyright © www.kino.de 2006.



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