Mit seinen genauen, bedächtigen, entspannten und humorvollen Dokumentarfilmen ("Kalte Heimat", "Die Wismut", die "Wittstock"-Filme) entwickelt sich Volker Koepp langsam aber sicher zum filmischen Theodor Fontane der ostdeutschen Gegenwart. Wie der Autor der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg", der mit seinem "Stechlin" auch in "Uckermark" zitiert wird, sucht Koepp in Landschaften, die wie die einstige "Streusandbüchse des Reiches" von der Geschichte 'vergessen' werden, nach historischen Spuren und hoffnungsvoller Zukunftserwartung und schafft analytisch-poetische Heimatfilme.
Die Uckermark, nordöstlich von Berlin, an Pommern und Polen grenzend, mit einer Fläche größer als das Sauerland, weist mit Feldern, Wiesen, Baumalleen, Seen und Hügelketten eine Flachlandidylle vor. Aber die Region leidet unter einer Arbeitslosenrate von mehr als 20 Prozent. ABM-ähnliche SAM-Stellen (SAM = Strukturanpassungsmaßnahmen) sorgen für Zeitarbeit, z.B. in Maschinenparks, bei Restaurierungsarbeiten in Kirchen und alten Gutshöfen. Eine Kuriosität dieses zweiten Arbeitsmarktes: Frauen suchen Felder und Äcker nach archäologischen Fundstücken (Keramik, etc.) ab.
Noch mehr als in "Kurische Nehrung" lässt Koepp die Menschen der Region sprechen, von ehemaligen LPG-Bauern, die 50 Jahre Landwirtschaftsgeschichte erlebt haben und sich nach den fünfziger Jahren sehnen ("wat los im Dorf"), über alte Damen und Adelige mit Familientradition bis zum Theatermann Fritz Marquardt ("wir erleben eine absolute Restaurationszeit") und dem aus dem Westen stammenden Grafen von Arnim, heimlicher "Held" des Films, der mit seinen 84 Jahren Dinge in Bewegung bringt und die Energie eines Jungen ausstrahlt. Mitsamt den Aufnahmen, die den Reiz des Flachlandes spürbar machen, erneut ein Beleg für Koepps wichtige Mission, Landschaft als Teil des Lebens zu sehen. ger.
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