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Toulouse-Lautrec Filmkritik

Toulouse-Lautrec Filmkritik

Film
Toulouse-Lautrec
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-01-26 22:59:12
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Schon seit seiner Jugend war der französische Theaterregisseur Roger Planchon von der Biographie das Malers Henri Toulouse-Lautrec angezogen. Seine opulent ausgestattete Leinwandadaption ist nicht nur eine Hommage an den zu Lebzeiten verkannten Künstler, sondern auch eine Liebeserklärung an das alte Paris mit Montmatre, Moulin Rouge und "Bal Musette".

Schon den legendären John Huston faszinierte die Figur des Toulouse-Lautrec, der sein kurzes Leben wie ein Feuerwerk abbrannte, obwohl er als "Krüppel" auf die Welt kam. Der 1864 geborenen Stammhalter des alten Grafengeschlechts litt seit seiner Geburt an einer Knochenkrankheit - ein Schicksalsschlag, der seine Mutter in die Kirche, den Vater ins Bordell trieb. Henri selbst stürzte sich mit Verve in die Malerei und ins Pariser Nachtleben, das ihm die wunderbarsten Motive lieferte. Der Impressionist, damals ein Schimpfwort, verliebte sich in die eigenwillige Malerin Suzan Valadon, mit Vincent van Gogh verband ihn eine Seelenfreundschaft. Als Suzan den jungen Adeligen verläßt und van Gogh Selbstmord begeht, verläßt ihn auch der Lebenswille. Von zuviel Absinth und Syphilis gezeichnet, zieht sich der 37-jährige auf den hochherrschaftlichen Familiensitz zurück, und stirbt 1901. Berühmt machten ihn seine kraftvollen und farbenprächtigen Tänzerinnen-Porträts und Plakate des Moulin Rouge, mit denen er die etablierte Kunstszene schockierte. Während John Huston 1952 in "Moulin Rouge" von der Einsamkeit und Selbstzerstörung des sensiblen Künstlers erzählte, von schäbigen Kneipen und Bordellen, schmutzigen Straßen, taucht Planchon in seinem Werk die Stätten der Bohèmiens in ein mildes Licht, im Vordergrund seines bunten Bilderreigens steht die Lebensfreude: Nutten haben ein großes Herz und schwingen beim Can-Can die Beine, es menschelt im Montmatre-Mikrokosmos. Es fehlen Brüche und Reibungen, der Film wirkt so glatt wie eine Hochglanzbroschüre, auch wenn das traurige Ende Emotionen hervorlockt. Die detailgetreue Ausstattung und die authentischen Kostüme überzeugen durch Opulenz, Gérard Simons Kamera verzaubert. Aber leider sind Verzweiflung und Selbstzweifel des Künstlers nur selten zu spüren. Planchon wollte "Brutalität das Alltäglichen" zeigen, die jedoch in der teilweise operettenhaften Atmosphäre einer plakativ dargestellten Welt untergeht. Die konventionelle Verfilmung mit einem ausdrucksstarken Régis Royer mag vielleicht ein an Malerei interessiertes bildungsbürgerliches Publikum ansprechen, das kommerzielle Potential bleibt überschaubar. mk.

Copyright © www.kino.de 2006.



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