Das doppelte Leben der Demi Moore: In ihrem ersten Leinwandauftritt seit "Die Akte Jane" übt sich die einstmals bestbezahlte Leinwanddiva Hollywoods in einer betont weiblichen Rolle, die so gar nichts mit dem gewohnten kühl-dominanten Typ hat, den der Star von "Enthüllung" oder "Striptease" zumeist verkörpert. Das nach einem Drehbuch von Ron Bass entstandene US-Debüt von Alain Berliner ("Mein Leben in Rosarot") gibt Moore die Gelegenheit, in der Rolle einer alleinerziehenden Mutter, die ein doppeltes Leben zu führen scheint, mit darstellerischer Vielfalt zu glänzen.
Realität oder Fantasie - das ist hier die Frage. Marie ist eine zweifache Mutter, die in Frankreich ein scheinbar sorgenfreies Leben führt. Marty ist eine taffe Literaturagentin, die ganz in ihrem hektischen Leben in New York aufgeht. Der Haken: Wenn die eine der beiden abends schlafen geht, wacht sie am nächsten morgen als die andere auf. Marie/Marty ist sich ihrer dualen Existenz durchaus bewusst, schätzt tatsächlich beide Leben, fängt aber auch an, an der ungeklärten Frage zu verzweifeln, welche der beiden Frauen nun real, welche eine Fiktion ihres Verstands ist. Die Lage spitzt sich zu, als sowohl Marie und Marty in ihren jeweiligen Universen Männer kennenlernen: Der Schriftsteller William Leeds (Stellan Skarsgard als Leinenanzug-Softie) verzaubert Marie, während der Business Manager Aaron (William Fichtner aus "Armageddon") das Herz von Marty gewinnt.
Als würde Marie/Marty im luftleeren Raum existieren, stellt Alain Berliner mit überraschender und nicht immer effizienter Zurückhaltung beide Leben detailliert vor - wie ein fragiler Traum, der bei der leichtesten Erschütterung wie eine Seifenblase zu zerplatzen droht. Das ist wirkungsvoll und verführerisch bei der behutsamen Exposition. Doch weil das Drehbuch Regisseur und Darsteller nicht mit ausreichend Konfliktstoff und Spannung versorgt, plätschert diese High-Society-Fabel irgendwann nur noch dahin, anstatt bis zur überraschenden, tiefenpsychologischen Aufklärung des Geheimnisses von Marty und Marie an Tempo und Dramatik zu gewinnen. Es ist der Anblick einer überzeugend zwischen Erdmutter und Erfolgsfrau hin- und herspringenden Demi Moore und ihr Zusammenspiel mit Skarsgard und Fichtner, mit dem "Tiefe der Sehnsucht" Akzente setzt: Man darf gespannt sein, wie sich Moores Karriere nach diesem künstlerischen Befreiungsschlag weiterentwickelt. ts.
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