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Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian

Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian

Interview mit Richard Taylor

Besuch am Set in Prag, 4.-5. Juni, 2007 Rebecca Strauch

Während unseres Besuchs am Set von Prinz Kaspian in Prag trafen wir Richard Taylor, den Gründer und Leiter der Neuseeländer Filmrequisiten- und Spezialeffekte-Firma Weta Workshops. Weta Workshop hat bereits an der Verfilmung von Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia gearbeitet, für den Richard Taylor und seine Crew alle Rüstungen, Waffen und Spezialrequisiten entworfen und konstruiert haben. Die Firma war auch stark an der Produktion von Peter Jackson’s Interpretation des Films King Kong beteiligt, für die er seinen fünften Academy Award für beste visuelle Effekte gewonnen hat. Für Prinz Kaspian, den zweiten Teil der Chroniken von Narnia, musste Taylor noch größere Miniaturen und Modelle erstellen und auch eine größere Anzahl an Rüstungen und Waffen musste entworfen werden, um die buchstäblich Tausende von Komparsen, die die Telmarischen Truppen darstellen, einzukleiden. Interview mit Richard Taylor von WETA workshop

Frage: Richard, Sie fertigen die Miniaturen für diesen Film an, können Sie uns einen Einblick in Ihre Arbeit geben?

Richard Taylor: Wir machen einige Kostüme, Waffen, Rüstungen und Miniaturen. Es wird eine Riesenmenge an Miniaturen geben. Wir haben den Ausdruck „bigatures“ bei Der Herr der Ringe geprägt und dieser Film wird alle übertreffen. Die Miniatur, die wir zum Beispiel für die Burg des Königs Miraz herstellen ist im Maßstab 1:24, das Dorf und die Umgebung im Maßstab 1:100. Das sind Riesen-Modelle.

Frage: Aus Ihrer Erfahrung mit „Der Herr der Ringe“ und dem ersten Narnia Film, ist dieser Film eine noch größere Herausforderung?

Richard Taylor: Obwohl es nicht ungeheuer viele sind, sind die Miniaturen in diesem Film die größten und anspruchsvollsten, die wir bis je gebaut haben. Mehr als je zuvor haben wir uns mit den Waffen Mühe gegeben. Miraz’ Waffen haben wir sogar mit 3-D-Modellbautechnologie hergestellt, haben dann einen Wachs-abdruck davon gemacht und Gussprozesse angewendet, um die Verzierung der Waffen herauszubringen. Wir hatten einfach nicht das Fachkönnen, die unglaublich schwierige Filigranarbeit auf irgendeine andere Weise machen zu können. Es war eine wirklich tolle Herausforderung für uns, Andrews Erwartungen zu erfüllen.

Frage: Warum ist es so wichtig, ein solches Ausmaß an Detail in der Anfertigung der Kostüme und Waffen zu erreichen?

Richard Taylor: Besucher kommen in unseren Workshop und fragen, warum wir so fanatisch sind, aber die reale Welt ist voll gestopft. Sie ist voll gestopft mit Geschichte, Detail und Kultur. Wenn etwas nicht diese Fülle an Details besitzt, wenn das visuelle Bild oberflächlich ist, dann geht man davon aus, dass man einen Film schaut; aber wenn etwas eine Fülle an Einzelheiten und Details hat, dann denkt man sich, dass es einen geschichtlichen Hintergrund hat, der die ganze Welt umfasst und einen Rahmen vorgibt, der über den Film hinaus existiert.

Frage: Was für ein Material haben Sie für die Burg-Miniaturen verwendet?

Richard Taylor: Die Burg ist ein sehr geometrischer Bau. Es ist wirklich interessant, wenn man eine Miniatur baut, denn wenn man die Welt der Architektur anschaut - sogar zu mittelalterlicher Zeit – ist der einzige Grund, warum ein Bau hervorsticht seine absolut reine Form. Wenn bei einem Gebäude irgendetwas schräg ist, dann wird es nicht lange überleben. Bauten sind also strukturell unglaublich solide. Wenn man etwas proportional verkleinert, und wenn man dann den Bau nur um einen Millimeter verändert bei einem Maßstab von 1:24, dann sieht das Ganze verkehrt aus. Die Burgturmbausteine bestehen aus riesigen Styroporteilen, von denen einige 5 Meter hoch und 2 Meter breit sind. Dann haben wir eine 3D-Fräsmaschine benutzt, um eine Ziegelmaserung im Maßstab 1:24 einzugravieren, die dem 1:1 Maßstab genau entspricht. Dann tapezierten wir und arbeiteten an den komplexen Details. Wir haben eine riesige Menge an 3D–Drucken verwendet; das ist die Methode mit der man digitale Daten in eine Maschine einspeichert. Die Maschine druckt dann einen 3-dimensionalen Kunststoff aus. Wir können froh sein, dass Regisseure wie Andrew noch die Tradition des Modellbaus aufrechterhalten, denn so viele moderne Filmproduzenten gehen entschlossen in die Richtung der Digitaltechnologie und sehen sie als einzige Lösung. Aber hundert Jahre Filmgeschichte haben uns den Weg zu diesem Niveau der Filmproduktion geebnet, warum sollte man all diese Methoden nicht anerkennen.

Frage: Können Sie uns etwas über die Designmotive für Miraz’ Waffen erzählen?

Richard Taylor: Genauso wie beim ersten Film ist es wirklich interessant, dass C. S. Lewis’ Welt weit über die Geschichten hinausgeht, die wir aus seinen Bücher kennen. Er hat ein breites Spektrum der Mythologie herangezogen, hauptsächlich griechische Mythologie. Das hat er fortgesetzt, als er „Prinz Kaspian“ geschrieben hat. Deshalb versuchen wir die visuellen Motive, die Rüstungen und Waffen an bestimmten mythologischen visuellen Bildern aufzuhängen. Wir haben viel mit dem Kletterefeu herumgespielt. Narnia ist in dieser Folge ein Land ohne König. Ein Verwalter hat das Land an sich gerissen und sich selbst in diese Position gehoben. Also haben wir versucht, eine visuelle Parallele zu schaffen zu seinen „Fangarmen“, die alle Ebenen der Macht, der Regierung und der Politik in der gesamten Telmarischen Gesellschaft kontrollieren und durchdringen. Wir haben seine Rüstung umschlungen, als ob es Efeu wäre, das an Pflanzen hochklettert und sie erstickt. So haben wir versucht dieses Gefühl zu vermitteln. Dieser Verwalter ist auch voller unglaublicher Arroganz und Prunk. Obwohl seine Truppen majestätisch und prächtig aussehen in ihrer Rüstung, erscheint er mit seiner Rüstung übermäßig geschmückt – damit wird versucht, ihm Erhabenheit zu vermitteln. Wenn er seine Rüstung abnimmt, ist er zwar ein schwächlicher Mann, aber wenn er sie anzieht, kann er diese gewaltige Persönlichkeit darstellen und dann trägt er zu Andrews Idee bei, dass alle Feldherren in diesem Film in eine gesichtslose Erscheinung verwandelt werden können, indem sie diese Masken aufsetzen. Dies steht im totalen Gegensatz zu den Narnianen. Die Narnianen sind jetzt die beinahe wilden Tiere, bei ihnen geht es nur um Gefühle, während die Menschen ihre Gefühle wahren und sich hinter diesen Masken verstecken. Ich hoffe, dass es eine Welt starker Gegensätze erfolgreich inszeniert. Die Welt ist 1200 oder 1300 Jahre weiter, seit wir zum letzten Mal in Narnia waren, und wir wollen das Gefühl von einer Welt in unglaublichem Aufruhr vermitteln.

Frage: Sind Sie bei diesem Film mehr involviert als bei dem letzten Film?

Richard Taylor: Ich meine etwa genauso. Beim Ersten haben wir eine viel größere Rolle bei dem Design der Geschöpfe gespielt, aber weil Howard [Berger] die Kostüme für die Geschöpfe in diesem Film selbst entworfen hat, war es eigentlich eine natürlicher Folge, dass er weitermachte und von Anfang an, die gesamte Arbeit an den Geschöpfen übernahm. Das war großartig. Howard ist mein engster Freund und wir kollaborieren und schreiben uns, wo auch immer wir gerade auf der Welt sind, schicken uns Mails, um zu sehen was der Andere macht. Es ist toll, die gemeinsame Entwicklung seiner und unserer Arbeit zu verfolgen. Die meisten Telmarer Rüstungen sind hier in Tschechien angefertigt worden und die Leute hier haben hervorragende Arbeit geleistet. Es war toll.

Frage: Gibt es ein Genre, in dem Sie gerne arbeiten würden, aber in dem Sie noch nicht gearbeitet haben?

Richard Taylor: Wir sind im Mittelalter- und im Urzeit-Genre verwurzelt. Im Moment sind wir auch an einigen hochwertigen Science Fiction Filmen beteiligt. Wir sind gerade mit einem bedeutenden Horror Film fertig und arbeiten an einem weiteren. Wir haben gerade „30 Days of Night“ beendet und sind im Moment mit „Daybreak“ beschäftigt. Wenn ich für den Rest meines Lebens Fantasyfilme machen würde, wäre ich ein sehr glücklicher Mensch. Sci-fi ist ein interessantes Medium. Mir gefällt alles, was uns eine Gelegenheit zum Bauen gibt. Ich liebe Kinderfernsehen, dort liegt ein persönlicher Reiz für mich, aber das ist ein Projekt, das wir selber verfolgen.

Frage: Denken Sie jemals daran, selber hinter die Kamara zu treten? Sie scheinen so eine gute Perspektive zu haben.

Richard Taylor: Meinen Sie Regie? Mir wurden einige Regisseur-Positionen angeboten, eine ziemlich Wesentliche, aber nein, es interessiert mich nicht. Das heißt nicht, dass ich diese Gelegenheiten nicht geschätzt hätte, die Angebote waren eine außergewöhnliche Ehre, aber mein Herz liegt in der praktischen Workshop-Arbeit. Ich liebe es einfach, diese Sachen herzustellen, ich finde es faszinierend. Wir machen es jetzt schon seit 21 Jahren und ich habe noch nie die Lust daran verloren. Sich 6 Monate aus der Produktion frei nehmen, und irgendwo Regie führen, das würde mich nicht reizen.

Frage: Wie fühlen Sie sich dabei, mit traditionellen, praktischen Methoden in einer fortschreitend digitalen Welt zu arbeiten?

Richard Taylor: Die unglaublichste Sache für einen Regisseur, wie Andrew Adamson, Peter Jackson oder James Cameron, ist, dass der Werkzeugkasten, also das Repertoire an Werkzeugen, das heutzutage existiert, so gut zur Vision passt. Ich denke gerne, dass es nichts gibt, was sich der menschliche Geist nicht erträumen kann, was man nicht wirklich auf dem Bildschirm für ein anspruchsvolles Publikum umsetzen kann. Ein 7-jähriges Kind ist heutzutage ein höchst anspruchsvoller Kinobesucher. Deshalb ist das komplizierte Wechselspiel zwischen traditionellen praktischen Methoden, die seit Hunderten von Jahren existieren, nicht abgelöst worden, sondern es wird von der digitalen Technologie ergänzt, ineinander gewebt, in dieses fast bewegende, zauberartige Filmbild – es ist ein erstaunliches Medium. Keiner macht das besser als Andrew. Wir haben uns gerade 15 Minuten zusammengeschnittenes Filmmaterial angesehen und man weiß einfach, dass er Gefühle ausdrückt mit diesem komplizierten Wechselpiel von Live Action, digitalen Effekten und Miniaturen, Praktischem, Traditionellem....Jedes denkbare Werkzeug aus dieser Kiste wird zur Anwendung gebracht, um diese Welt zu kreieren. Es ist wirklich einfach fantastisch.

Frage: Haben Sie eine Lieblingsrequisite in diesem Film?

Richard Taylor: Ja. Es ist komisch, wenn wir Requisiten herstellen, verliebt man sich tatsächlich in sie. Meine Lieblingsrequisite ist Miraz’ Schild, das runde Schild, mit dem Miraz kämpft. Ich habe mir sogar selbst eins gebaut, und es steht jetzt in meinem Büro. Ich glaube, dass es eines der schönsten Sachen ist, die unsere Crew jemals gemacht hat. Ich bin sehr stolz auf das Design; es ist von einem jungen Mann mit unglaublichem Talent entworfen worden, der bei uns gegen Ende des „Königs von Narnia“ angefangen hat. Wir hatten an den ganzen Miraz Sachen Spaß, aber dieses Schild war einfach perfekt ausgewogen. Es ist einfach ein wunderschönes Waffenstück. Wir mussten viele neue Methoden entwickeln, zum Beispiel den Harnisch für die Pferde. Das sieht zwar ganz einfach aus, aber Andrew wollte, dass vorne ein Dorn herauskommt. Dazu braucht man einen festen Kopfharnisch, der nicht herunterhängt und herumwackelt, sonst sieht es nicht wie Stahl aus, aber wenn die Pferde aufeinanderstoßen, dann geht man das Risiko ein, dass dieses unbiegsame Ding in die Flanke eines anderen Pferdes hineinsticht. Also haben wir eine Methode entwickelt, bei der wir verschiedene Härten von Urethan vermischen können, um es durch eine Niedrigdruckspritzguss-Pistole zu schießen, so dass der Dorn weich ist und der Kopfharnisch hart. Es war wirklich schön, sich diese technischen chemischen Lösungen für einen Fantasie-/ mittelalterlichen Film einfallen zu lassen.

Frage: Sind Sie beim nächsten Film dabei?

Richard Taylor: Das hoffe ich schon. Wir würden gerne in dieser Welt bis ans Ende unseres Lebens bleiben, wenn das möglich wäre.

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