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Biografie

Der friesische Götterbote ist ins Herrenalter gekommen. Höchste Zeit also für Deutschlands Comedy-Übermensch Otto Waalkes, die hauseigene Figurenpalette um einen wichtigen Charakter zu erweitern. Nach Rocker, Blödel-Barde, Showmaster, Illustrator und Autor nun also Märchenonkel. Schließlich hatte er schon immer eine Schwäche für deutsche Romantik.

Otto wird am 22. Juli 1948 in Emden, einer brodelnden Metropole der Witzelieferantenregion Ostfriesland geboren. Umgeben von Deichen, Dünen und Leuchttürmen wächst er zum agilen Jüngling heran und lernt in der erzkonservativen Umgebung schnell, sich mit Wort und Witz gegen spießbürgerliche Ordnung zur Wehr zu setzen.

Der aufkeimende Rock 'n' Roll trägt seinen Teil dazu bei, und so wird der Gewinn einer Gitarre zum 13. Geburtstag auch zu einem einschneidenden Erlebnis in Ottis Jugend. Fortan rockt er Haus und Nachbarschaft. 1970 wird Emden zu eng für Ottos Ambitionen, das benachbarte Hamburg lockt mit Londoner Pop-Einflüssen und blühender Szene.

Vom Pausenclown zum Solo-Act

Während Waalkes tagsüber brav einem Kunststudium nachgeht, wird nachts auf der Reeperbahn bei einer Band namens "The Rustlers" geklampft. Das Publikum, sensibilisiert von Comedy-Musikacts wie der Rentnerband oder dem jungen Udo Lindenberg, findet die Ansagen des blonden Frontclowns jedoch unterhaltsamer als die Musik seiner Truppe. So ist der Entschluss schnell gefasst, es mal solo zu versuchen.

Die Zeit ist günstig, sogenannte Blödelbarden stehen im Kielwasser der zumindest auf kultureller Ebene siegreichen 68er-Revolte hoch im Kurs. Egal ob Dall, Insterburg oder Frank Zander - Otto lässt sie alle hinter sich. Nicht, weil er der virtuoseste oder gar aggressivste Künstler ist, sondern weil vom Grundschüler über den Mercedesfahrer mit Hut bis zur Hausfrau aus Buxtehude alle über ihn lachen können.

Ottifantastisch

Otto kombiniert respektlose Wortspiele in der Tradition seines offiziellen Vorbildes Heinz Erhardt mit erstklassigen Musik-Clownnummern. Seine erste LP "Otto" aus dem Jahre 1972 gerät zum Megaseller, Tourneen durch die größten Hallen der Republik folgen. Dies ruft schließlich sogar das damals noch rechtschaffen träge Fernsehen auf den Plan.

Ottos Shows für den WDR werden Quotenkracher und TV-Klassiker erster Kajüte, auch weitere Platten sind praktisch durchweg mit Platin lackiert. Weil Otto die Gestaltung der Cover immer selbst übernimmt, erblicken bald die Ottifanten das Licht der Welt. Folgerichtig erscheinen seine Scheiben daraufhin unter dem Label Rüssl Räckords. Als Anfang der 80er auch noch "Das erste Buch Otto" die Bestsellerlisten stürmt, fehlt eigentlich nur noch ein Kinofilm.

Otto - Die Franchise

Autoren des Satiremagazins Titanic und die lebende Produzentenlegende Horst Wendlandt sind hilfreich zur Stelle, als Herr Waalkes 1985 in Personalunion als Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller auch diese Pflichthürde nimmt. Programmatisch betitelt, zieht "Otto - Der Film" über 8,7 Millionen Besucher in die Kinos. Rechnet man die Zuschauer der späteren DDR-Veröffentlichung hinzu, weist er selbst Bullys "Der Schuh des Manitu" in die Schranken.

Angesichts dieses Erfolges sind Nachfolger schlicht unvermeidlich. "Otto - Der neue Film" ('87), "Otto - Der Außerfriesische" ('89), "Otto - Der Liebesfilm" ('92) und "Otto - Der Katastrofenfilm" ('00) reichen in puncto Besucherzahlen und Qualität jedoch nicht an das Original heran. Trotzdem lassen sie fürs Erste jeden nationalen Konkurrenten hinter sich.

Konkurrenten als Verbündete

Mithilfe einer weiteren Fernsehshow ("Otto - Die Serie") und Tourneen mit den "Friesenjungs" bleibt Otto auch in den 90ern populär. Allerdings macht ihm eine junge, freche Generation von Standup-Comedians Konkurrenz. Genau die hat Otto in "7 Zwerge - Männer allein im Wald" um sich geschart. Und weil es so schön war, folgt nun der zweite Teil: "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug". Mit Sicherheit ist dies kein schlechter Schachzug, nicht nur was die Popularität bei der jungen Generation betrifft.

Geteilte Verantwortung und Witzauffrischung von außerhalb sind nach dem doch eher enttäuschenden Abschneiden des "Katastrofenfilms" das richtige Rezept. Waalkes steht dreißig Jahre nach seinem Abschied aus Emden noch immer in der ersten Comedy-Reihe und wird aus dieser auch nicht so bald verschwinden.

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