Selten sieht man einen Schauspieler, der so in seinem Körper ruht und sich mit solcher Geschmeidigkeit bewegen kann, wie Forest Whitaker.
Wenn er wie ein satter Tiger nach der Mahlzeit durch Jim Jarmuschs "Ghost Dog: Der Weg des Samurai" streicht, schaut man gebannt zu. Dabei wuchtet der Zimt-Rosinen-Bagel-Fan locker 250 Pfund auf die Waage.
Seine Mutter, eine Sonderschullehrerin, sah ihn eigentlich schon in ihre Fußstapfen treten. Aber noch lieber wollten seine Eltern, dass er Arzt wird. Die Initialzündung für die Schauspielambitionen löste Robert De Niros Performance in "Taxi Driver" aus.
Whitakers Berufung entwickelte sich zunächst über Umwege. Der Big Boy erhielt am College ein Stipendium als Footballspieler. Dann ein weiteres fürs Musizieren. Als Operntenor erhielt er auch Sprechunterricht und kam zu einer weiteren, eigens für ihn eingerichteten Förderung in London - endlich als Schauspieler.
Stets setzten ihm Bedenken zu, ob er denn dafür gut genug sei. Dabei nahm ihn ein Agent noch in der Ausbildung als Klient an. Seitdem ist die "Arbeitsameise", wie Whitaker sich selbst bezeichnet, kontinuierlich beschäftigt.
Der erste seiner zahlreichen Filme seit 1982 war der frühe, aber nicht unreife Teeniefilm "Ich glaub' ich steh' im Wald". Für die kleine Rolle zog sich der sportliche Hüne noch einmal die längst abgelegten Footballklamotten über. In seinem übernächsten Film arbeitete er bereits mit einem renommierten Hollywoodregisseur zusammen: In Martin Scorseses "Die Farbe des Geldes" duellierte er sich gekonnt mit Billardprofi Paul Newman, nur um kurz darauf in Oliver Stones "Platoon" als Big Herold die Schrecken des Vietnamkriegs zu erleben.
Großes Aufsehen erregte der nachdenkliche Charakterdarsteller damit noch nicht, ebenso wenig wie mit Barry Levinsons "Good Morning, Vietnam" (1987). Das gelang ihm erst ein Jahr später mit einer Glanzleistung in der Rolle von Jazzlegende Charlie Parker in Clint Eastwoods "Bird", die ihm prompt den Darstellerpreis beim Filmfestival in Cannes einbrachte.
Immer wieder gleitet er bei seiner Rollenwahl in die Gefilde übel bewerteter und schlimm gewalttätiger Werke ab, wie in "Downtown" und "Body Snatchers". Dabei sind seine Themen eigentlich Spiritualität und Beziehungen.
In dem SciFi-B-Movie "Species" konnte er seine Gesinnung richtig ausleben. Im Scientology-Fantasy-Märchen "Phenomenon" unterstützte er als Bauer den übersinnlich wundertätigen John Travolta. Obwohl auch "Battlefield Earth" auf dem Roman des Scientology-Gründers Ron Hubbard fußt, lässt sich der Mime mit dem Baby-Face nicht von der Sekte vereinnahmen. Der sanfte, schweigsame Riese liebt es aber einfach, mit Spaßvogel Travolta zu drehen.
Als Regisseur debütierte er erfolgreich mit der Romanverfilmung " Right". Bald folgte der Sandra-Bullock-Schmachtfetzen "Eine zweite Chance". Doch nach jeder Regiearbeit fühlt Forest sich so ausgelaugt, dass er wohl lieber weiterhin vor der Kamera steht.
Mit Extremkünstler David Fincher drehte er "The Panic Room". Nach einigen Ausflügen in die Serienwelt von "ER", "The Shield" und "The Twilight Zone" bereitete er sich auf seine bisher größte Rolle vor. In "Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht" verkörpert er den ehemaligen Diktator von Uganda Idi Amin - eine Rolle, die Whitaker unter anderem einen Golden Globe einbrachte und endlich auch einen wohlverdienten Oscar als bester Hauptdarsteller.
Der Softie, über den Whitney Houston sagt, "Er ist genau so, wie alle Männer sein sollten", hält sich sehr zurück, wenn es um sein Privatleben geht. Seit 1996 ist er mit einem Model verheiratet und hat vier Kinder. Seine rauen Seiten zeigt er nur vor der Kamera. Auf dem Regiestuhl, so wird behauptet, flüstert der bescheidene Star nur.
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