Als korrupter Cop hat Denzel Washington seinen "Training Day" längst preisgekrönt abgeschlossen. Auch in Zukunft bewegt sich der "Big Bad Man" zwischen Gut und Böse, ohne sich dabei in die Karten schauen zu lassen.
"Mein Leben lang habe ich versucht, in die Fußstapfen von Sidney Poitier zu treten. Und jetzt geben sie uns beiden am selben Tag einen Oscar..."
So wurde Denzel Washingtons großer Triumph mit "Training Day" zum doppelten Erfolg. Spätestens seit dem Oscar für die beste männliche Nebenrolle in "Glory" und der Nominierung als bester Hauptdarsteller für den Part des Bürgerrechtlers "Malcolm X" war er Poitier mehr als gewachsen.
1954 in Mount Vernon (New York) als Sohn eines Predigers und einer Frisörin geboren, lernte Denzel von seinen Eltern schon früh echte Showbiz-Qualitäten.
Die starke Darstellungskraft seines Vaters, mit der dieser sonntags die Kirche füllte, und die im Friseursalon ausgeprägte Kultur des lebendigen Geschichtenerzählens sollten schließlich das Fundament von Denzels Schauspielkunst bilden.
Nach seinem Journalismus- und Dramaturgie-Studium in New York und einem Jahr Schauspielunterricht am American Conservatory Theatre in San Francisco feierte Denzel zunächst einige preisgekrönte Bühnenerfolge. Hollywood wurde allerdings erst durch seine Darstellung des hilfsbereiten und liebenswerten Dr. Phillip Chandler in der Krankenhausserie "St. Elsewhere" auf ihn aufmerksam.
So präzise und dosiert Washington spielt, so aufrichtig und direkt ist er auch privat. Der Mann ist eben ein echter Profi, der weiß worum es ihm geht. Das war nicht immer so:
"Früher war ich arrogant und egoistisch. Aber als ich Vater wurde, war dieser Größenwahn wie weggeblasen. Mit einem Baby auf dem Arm weiß man plötzlich, dass es wichtigere Dinge gibt, als gute Kritiken und Darstellerpreise."
Das hindert Denzel allerdings nicht daran, hervorragende Beurteilungen und Preise zu sammeln, wie andere Stars Skandale. Die gibt's bei ihm höchstens auf der Leinwand - aber auch das erst seit "Training Day".
Schließlich ist eine weitere Gemeinsamkeit von Denzel Washington und Sidney Poitier, dass beide lange Zeit nur als "Good Guy" besetzt wurden.
Irgendwann hatte Denzel genug: "Ich wollte gern mal ein richtiges Schwein spielen. Aber niemand bot mir solche Rollen an. Vielleicht dachten die Produzenten, ich wäre dann beleidigt."
Antoine Fuqua, Regisseur von "Training Day", tat ihm den Gefallen - und das brachte den ersehnten Oscar als bester Hauptdarsteller. Washington spielte den abebrühten und korrupten Polizisten Alonzo Harris entgegen seinem Good-Guy-Image absolut überzeugend.
Zwiespältig zeigte sich Denzel auch in der Rolle des "", der aus Liebe zu seinem herzkranken Sohn zum gefährlichen Geiselnehmer mutiert - eine Paraderolle für den ausdrucksstarken Washington.
Ob als Jazztrompeter in "Mo' Better Blues", als "Knochenjäger" oder Prinz Don Pedro in "Viel Lärm um nichts" - Washington glänzt in jedem Genre, obgleich seine größte Stärke im Drama liegt.
Immer wieder wechselt er die Themen: So gibt er sich beispielsweise sportlich im Football-Film "Gegen jede Regel" von Boaz Yakin. Dabei war er vor allem von seiner Figur Coach Boone "als Mensch, Trainer und Vater beeindruckt".
Vaterfiguren spielt Washington immer wieder, die Rolle ist ihm bestens vertraut: Er ist seit über 20 Jahren mit der Schauspielerin und Sängerin Pauletta Pearson verheiratet. Mit ihren vier Kindern leben die beiden zurückgezogen in Los Angeles. Der Filmbeau liebt privat Ruhe und Harmonie.
Wenn es um die Rechte der Afroamerikaner geht, ist es mit Washingtons Zurückhaltung allerdings ganz schnell vorbei. Auch in seinen Filmen hat er oft die Rolle des engagierten Bürgerrechtlers gespielt.
Erst beeindruckte er 1987 mit seiner hervorragenden Darstellung des militanten südafrikanischen Bürgerrechtlers Steve Biko in "Schrei nach Freiheit", 1992 dann mit der Hauptrolle in "Malcolm X" von Spike Lee, der neben Edward Zwick zu seinen Lieblingsregisseuren gehört.
Hoffähig für den Mainstream wurde Washington mit zwei außergewöhnlichen Filmen in den 90ern. So brillierte er als leidenschaftlicher Anwalt des homosexuellen Andrew Beckett (Tom Hanks) in "Philadelphia" und gleich darauf untersuchte er als investigativer Journalist in "Die Akte" mit Julia Roberts als junger Jurastudentin den Tod zweier Richter - ein brisanter Fall, der sich bald als lebensgefährlich herausstellte.
Engagiert zeigte er sich auch als "Mann unter Feuer und in "Der Manchurian Kandidat". Im Science-Fiction-Thriller "Déjà Vu" kämpft Washington nun als Agent Carlin gegen die Zeit. Ein Hightech-Geheimprojekt ermgöglich ihm, in die Vergangeheit zu schauen und so vielleicht auch Hunderte Menschen und die Frau seiner Träume zu retten.
Sein Debüt hinter der Kamera gab Washington schon 1999 als Regisseur von "Antwone Fisher". Ein Jahr später wurde er für die Darstellung des Boxchampions Rubin "Hurricane" Carter als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert - 2002 hat er ihn für "Training Day" dann endlich bekommen, der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere.
"Zwei auf einen Streich," kommentierte Washington den Triumph damals scherzhaft - denn Poitier erhielt gleichzeitig den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Er war es auch, der 1963 als erster Afroamerikaner den Oscar für die beste Hauptrolle gewonnen hatte. Danach kam lange nichts - und dann kam Denzel.
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