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Quentin Tarantino Biografie

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Biografie

Schon nach seinem zweiten Film galt er selbst Gegnern als einflussreichster Regisseur der Gegenwart - und obwohl er erst vier Filme gedreht hat, stehen bereits Oscar, Golden Globe und Goldene Palme in seiner Schrankwand...

Vermutlich nicht allzu weit entfernt von der Melville-Büste und der ungekürzten Japan-Fassung von "Schwarze Nymphomanin im Sklavencamp". Denn aus seiner Neigung zu Kunst, Trash und Pulp aus Übersee hat der vormalige Videothekar und Gelegenheitsschauspieler Quentin Tarantino nie einen Hehl gemacht. Im Gegenteil: Ihr verdankt er seine gesamte, kerzengerade Karriere.

Was andere auf der Filmhochschule besorgen, erledigte der Q-Man im heimischen Pantoffelkino. 1965 im Alter von zwei Jahren mit der alleinerziehenden Mutter von Knoxville, Tennessee, nach Los Angeles übergesiedelt, findet der schlaksige Knabe in Filmen eine ideale Zuflucht. Gleich nach der Schule möchte er mitmischen, doch einstweilen reicht es nur zum Job in der örtlichen Videothek. Dort avanciert der junge Mann dank seiner aufrichtigen Begeisterung für alles und jede Art von Schund schnell zum gefragten Beratungsexperten auch für Studiopersonal aus dem benachbarten Hollywood.

Workout mit Dolph Lundgren

Italienische Polizeithriller, chinesische Schwertkampfepen, German Krimis und spanische Werwolffilme passieren die langen Videonächte, in denen Quentin davon träumt, die spektakulärsten Elemente dieser von den US-Massen ignorierten Juwelen in neuer Form praktisch anzuwenden. Komplette Szenen seiner späteren Erfolge reifen hier in der Imagination, schon 1987 kulminiert der kreative Stau im Drehbuch zu "True Romance".

Statt eines smashy Road Movies aber kann Quentin erstmal froh sein, ein Workout Video von Dolph Lundgren mit dem unverwechselbaren Titel "Maximum Potential" als Produktionsassi betreuen zu dürfen. Den Job hat ihm einer seiner Kunden verschafft, ein junger Cinephiler wie er, namens Roger Avery. "Maximum Potential"-Produzent John Langley wiederum macht das vielversprechende Duo mit dem Produzenten Lawrence Bender bekannt. Das spätere "Pulp Fiction"-Trio hatte sich gefunden.

Wilde Hunde in aller Munde

Weil niemand "True Romance" oder "Natural Born Killers" finanzieren will, bietet Tarantino schließlich frustriert die Rechte zum Verkauf. Das dialoglastige Bankräuberkammerspiel "Reservoir Dogs" dagegen ließe sich auch zu untersten Low-Budget-Bedingungen realisieren. Der Verkaufserlös von "True Romance" dient als Startkapital, als Harvey Keitel zusagt, ist plötzlich mehr Geld da.

1992 läuft der Film auf dem ebenfalls jungen und coolen Sundance Film Festival und ist mit einem Schlag in aller Munde. Weltweit wird "Reservoir Dogs" für eleganten Stil und Wortgewandtheit gefeiert, und obwohl der Film kaum direkte Gewalt zeigt (selbst die legendäre Ohrabschneiderei spielt im Off), gilt Tarantino ab sofort als erster Gewaltästhet im Staate.

DJ Tarantino

Jetzt werden auch seine Drehbücher interessant. Tony Scott reißt sich "True Romance" unter den Nagel und erfüllt den Job zu Tarantinos Zufriedenheit. Schon weniger Beifall des Autors findet "Natural Born Killers", von Oliver Stone in eine kunterbunte Stilcollage mit Schwerpunkt TV-Kritik verwandelt.

Noch im gleichen Jahr zeigt Tarantino der Welt, wie er sich Kino unter Idealbedingungen vorstellt: Er beschert der erwartungsvoll bebenden Cineastenschaft "Pulp Fiction". Stars wie Bruce Willis und Christopher Walken verzichten auf die übliche Gage, vergessene Heroen wie John Travolta werden neu entdeckt, jedes Bild ist ein Gemälde, die Songs erklimmen die Charts. Die Kritiker jubeln, das Jungvolk stürmt die Multiplexe. Des Meisters Kunst liegt auch weiterhin nicht im Erfinden, sondern im Mixen - doch auch zum guten Mixen gehört Können, wie im DJ-Zeitalter so mancher bestätigen kann.

Doktor Clooney als Erfolgsgarant

Fortan lebt Quentin Tarantino mit Oscar und Palme, aber auch mit dem Druck, auf ewig an "Pulp Fiction" gemessen zu werden. Keine einfache Last, wie sich in den kommenden Jahren zeigt. Keiner seiner kreativen Schritte bleibt unkommentiert, jedes beiläufige Zitat wird gedeutet. Weil Tarantino Filme liebt, verschlingt er Presse und Internetnews, kriegt also alles davon mit.

"Four Rooms", für den er eines von vier Segmenten liefert, floppt brutal. "From Dusk till Dawn", zu dem der Kumpel von Regisseur Rodriguez Script und einen ziemlich großen Schauspielauftritt beisteuert, wird ein Erfolg, den man indes voll und ganz dem aufstrebenden "Emergency Room"-Doktor George Clooney anrechnet. Als Tarantino eine "E.R."-Episode inszeniert, wird dies als Trash-Marotte belächelt.

Wo ist die Gewalt?

Von Avery, dessen "Killing Zoe" er produziert, trennt er sich im Streite. Unter dem Label Rolling Thunder akquirieren und veröffentlichen Tarantino und Bender ausländische Genrefilme. Ein "Chungking Express" findet so den Weg in US-Kinos, genauso wie der zwanzig Jahre alte Trashheuler "Der Koloss von Konga".

Als Tarantino '97 mit "Jackie Brown" wieder einen eigenen Film in die Kinos bringt, reichen die Reaktionen von begeistert ("endlich ein Film für erwachsene Menschen") bis zu entgeistert ("Farbtrocknen in Zeitlupe"). Das Feuilleton fragt sich öffentlich, wo denn die ganze Gewalt geblieben ist, für die der Herr T. so bekannt sei.

Ohne Quentin geht nichts

Nun, die steckt in "Kill Bill". In diese ganz persönliche Martial-Arts-Hommage steckt Tarantino wieder einmal nicht nur sein Herzblut, sondern auch sein ganzes Filmwissen. Und weil Herr Weinstein von Miramax weiß, dass es seinen Laden ohne den Videothekar gar nicht gäbe, lässt er ihn im Gegensatz zu Martin Scorsese bei "Gangs of New York" fröhlich gewähren.

Ob "Kill Bill" ein Blockbuster oder Flop, Preisträger oder Prügelknabe wird, dürfte Weinstein mehr beschäftigen als Tarantino selbst. Der hat sich längst seine Nische als Woody Allen des Actionkunstkinos geschaffen und wird auf ewig Schauspieler finden, die ihm zum Zehntel ihres Normaltarifs Dialoge aufsagen, die dann günstigenfalls die Popkultur befruchten.

Formatiertes Kino, Sommerkinosequels oder den neuen "King Kong" brauchen wir von ihm nicht zu befürchten. Eher geht er ins Exil, nach Frankreich, Hongkong, oder New York.

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