Keine US-Schauspielerin seit Marilyn Monroe war als Sexsymbol ein vergleichbarer Exportschlager. Doch wer diese Gottesanbeterin begehrt, muss damit rechnen, gefressen zu werden.
"Ich kann jetzt Männer ganz anderen Kalibers quälen", resümierte Sharon Stone einmal die Vorteile des Ruhms. So spricht eine echte Diva, die Drohnen auf Distanz halten will, aber auch eine Powerfrau, die ihr Image als erotische Manipulatorin ironisch kommentiert.
Wie wird ein Kleinstadtgeschöpf aus Meadville, Pennsylvania, zu einer solchen Festung, die jeder erobern will, aber keiner wirklich einnehmen kann?
Nützlich ist ein kluger Kopf. Stone soll einen wie Einstein haben. Mitglied von Mensa, der Gehirnelite, ist sie aber nicht. Geena Davis dagegen schon, obwohl sie mit IQ 140 einige Synapsenumdrehungen hinter Sharon Stone mit 154 IQ-Punkten liegt. Als Kind, das mit zehn Monaten sprechen und laufen konnte, später Bücher verschlang wie andere Hamburger, war sie Außenseiterin: "Ich fühlte mich, als wäre ich als 40-Jährige auf die Welt gekommen".
Als Teenager aber, der die Jungs hypnotisierte, gehörte sie dazu. Nach der Schule nahm sie an ersten Misswahlen teil, wurde auf Anhieb von Eileen Fords berühmter Modelagentur verpflichtet und tourte drei Jahre durch Europa:
"Ich lag splitternackt am Strand von St. Tropez und fand das ganz normal. In Spanien haben wir Hasch in Restaurants geraucht. Diese Erfahrungen sind der Grund, warum ich hemmungsloser bin als andere".
Dem Tiger von Manhattan blieb das nicht verborgen. Woody Allen gab der damals 22-Jährigen als "hübsches Mädchen im Zug" in "Stardust Memories" ihre erste Filmrolle.
Zwölf weitere folgten, in denen sie epische Dialoge, wie beispielsweise in "Blood and Sand", sprechen durfte. Er: "Du billige Hure!" Sie: "Das hast du doch immer gewusst!" Einige Frösche musste Sharon Stone in ihrer Karriere auch küssen, darunter Zopfkrieger Steven Seagal ("Nico").
Dann kam die Schlüsselszene in "Total Recall", in der sich Arnold Schwarzenegger mit einer Pistolenkugel von ihr und sie sich, realistisch verblüfft, von jeder Modelmimik verabschiedete. Auf diese zweite Geburt folgte genau kalkuliert ihr "Playboy"-Shooting und schließlich 1992 "Basic Instinct", in dem sie ihre Beine und Hollywood seine Türen öffnete.
Im Dilemma, nicht nur Körper ("Sliver"), sondern auch Können ("Casino") zeigen zu wollen, ließ Stone zwischen Mainstream ("Diabolisch") und Filmkunst ("The Mighty") balancieren; sie blieb aber seit 1995 ohne Hit.
Als Gegenspielerin von Halle Berrys "Catwoman" suchte sie, nach ihrer neuen Rolle als Mutter von Adoptivsohn Roan und ihrem Hirnaneurysma, wieder Anschluss ans "Big Business". Leider blieb der Erfolg der Comicverfilmung aus.
Als verflossene Liebschaft von Bill Murray war sie anschließend in dem Drama "Broken Flowers zu sehen.
Mit 48 Jahren kehrt Sharon Stone nun mit der Fortsetzung ihres Kinoerfolgs "Basic Instinct" auf die Leinwand zurück. In "Basic Instinct - Neues Spiel für Catherine Tramell" wickelt sie als Femme fatale einmal mehr die Männer um den Finger.
Stone liebt ihre Rolle als Filmstar. Aber mit der Rache von Hollywoodherren, die starke Frauen fürchten und die schon heulen, wenn ein Punto sie überholt, muss sie eben rechnen.
Ihr kluger Kopf weiß jedoch, wie Traumfabrik und Männer funktionieren. Schließlich war sie dreimal verheiratet, darunter mit dem Sohn von Cloris Leachman (Frau Blücher aus "Frankenstein Junior") und zählte auch Countrybarde Dwight Yoakam (schnell gehasst) und Produzentensohn Chris Peters (lange geliebt) zu ihren Lovern.
Sharon, die beste Freundin von Wes Cravens Exfrau Mimi, hat noch immer die Kontrolle, ist noch immer Verführerin und hat noch immer die besten Antworten auf ewige Fragen: "Natürlich stimmt es, dass es an der Spitze verdammt einsam ist. Aber unten ist es entsetzlich überlaufen."
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