Alle Filme von A-Z

Robert Stadlober Biografie

Robert Stadlober Navigation

Biografie

"Ich weiß, dass man die totale Freiheit nie kriegen kann, weil man immer durch irgendwas eingeschränkt ist. Aber es ist schon mein Ideal, irgendwann glücklich und frei leben zu können. Es gibt Kraft, wenn man wenigstes so nah wie möglich an das Ideal heran kommt."

Verrückt ist er nicht, aber kompromisslos, intuitiv und bereit, das Leben ständig neu zu entdecken. Er gehört nicht zu diesen Sprücheklopfern, die mit ihren Zukunftsplänen prahlen, aber nie den Mut aufbringen, das Gesagte umzusetzen. Robert Stadlober begann mit sechzehn, seinen persönlichen Traum zu leben. Keiner konnte ihn aufhalten. Der blonde Rebell, der in der Steiermark geboren wurde, schmiss die Schule, zog von zuhause aus und konzentrierte sich auf die Schauspielerei.

Sein Weg ergab sich wie von selbst. Als er sieben war trennten sich seine Eltern und seine Mutter ging daraufhin mit ihm und seiner jüngeren Schwester Anja von Österreich nach Berlin. Dort war der Blondschopf ein Außenseiter. Die Kids verstanden seinen Ösi-Dialekt nicht und er hatte als Landei Probleme, sich in der Großstadt zurecht zu finden.

Doch das wandelte sich schnell. "Ich sah aus wie Michel aus Lönneberga und habe auch so viel Mist angestellt." Robert wurde zum Bandenchef und ließ andere Kinder für sich klauen. Ihr Diebesgut lagerten sie in einer Hütte auf einem Friedhof, bis eines der Kinder erwischt wurde. Da war es vorbei mit den Raubzügen zu Woolworth.

Die Schule empfand Robert immer als lästig. Mit Mathematik, Physik und Chemie konnte er sich gar nicht anfreunden. Als Waldorfschüler wurden glücklicher Weise besonders seine künstlerischen Fähigkeiten gefördert. Er lernte Geige, hatte Spaß an Rollenspielen und Literatur. Seine Mutter schickte ihn zu den Pfadfindern, doch die gemeinsame Kluft war ihm zuwider. In der Schule gab der Wuschelkopf den Trend vor: Er hörte die Lemonheads und wurde zum Slacker. Er liebte Nirvana ("Never Mind") und outete sich als "erster Indierock-Fan" seiner Klasse. Robert war Vorbild und Klassenclown zugleich.

Trotz Proteste von Seiten seiner Mutter, mietete er mit sechzehn in Berlin-Kreuzberg eine eigene Wohnung. Gleich nach der Schlüsselübergabe zog er mit nur einer Matratze unterm Arm ein. Er war überglücklich in seinem neuen Reich. Plötzlich hatte er völlige Narrenfreiheit, konnte bis abends im Bett liegen, Discovery Chanel gucken und die Nächte durchfeiern. Seine Mutter unterstützte ihn weiterhin. Ihr hatte Robert bereits als zehnjähriger die Arbeit im Synchronstudio zu verdanken. Dort verbrachte Robert seine Freizeit und bald war ihm diese Tätigkeit wichtiger als alles andere.

Man kann seine Stimme in ''Butcher Boy - Der Schlächterbursche'' als Eamonn Owens oder in der deutschen Fassung von "Shakespeare in Love'' hören. Das selbstverdiente Geld ermöglichte Robert früh seine Unabhängigkeit.

Das erste Mal stand Robert Stadlober als Teenager vor der Kamera. Man engagierte ihn für Serien, später wurden seine Rollen umfangreicher: ''Tatort: Die dunkle Seite'', '' Schimanski - Rattennest'', ''Polizeiruf 110: Mörderkind'' oder ''Bella Block: Grande Finale''. Auch wirkte er in der ZDF-Produktion ''Liebst Du mich'' mit.

In Leander Haußmanns Mauer-Komödie ''Sonnenallee'' hatte Robert seinen ersten großen Auftritt. Die DDR-Satire spielt in den 70er Jahren in Berlin-Ost. Die Erwachsenen träumen von Westprodukten, vom eigenen Telefon, Auto oder von Nylonstrümpfen. Die jungen Leute wollen die Welt verändern. Einer von ihnen ist Micha (Alexander Scheer). Micha will Popstar werden und die junge Miriam (Teresa Weißbach) als Freundin erobern. Wuschel (Robert Stadlober) ist Michas Freund. Er spielt in der Rockband Dynamo und ist ein absoluter Rolling Stones-Fan, doch Westplatten sind nur für horrende Preise auf dem Schwarzmarkt zu erwerben.

Der Überraschungshit, der nach einem Roman von Thomas Brussig verfilmt wurde, lockte ein zahlreiches Publikum in die Kinos. Neben Alexander Scheer ernannten die Kritiker Robert Stadlober zum neuen Top-Jungstar. Für Schule war nach ''Sonnenallee'' endgültig kein Platz mehr. Ohne Abschluss träumte er von einem Leben als Berufsdarsteller oder Rockstar. River Phoenix war sein Idol, ''My Private Idaho'' und ''Buffalo 66'' seine Lieblingsfilme.

Doch Robert Stadlober sollte nicht als hartgesottener Rockstar in einem wilden Roadmovie zum Star werden, sondern ausgerechnet als behinderter Internatsschüler. Denn zu jener Zeit suchte Hans-Christian Schmid, der Regisseur von ''23'' und ''Nach Fünf im Urwald'', einen geeigneten Hauptdarsteller, der den halbseitig gelähmten 16jährigen Benjamin Lebert darstellen konnte. Schmid wollte dessen gefeierte Autobiographie ''Crazy'' verfilmen. Stadlober schien ihm, mit seinem Talent und mit seinen weichen, fast femininen Zügen, für sehr passend.

Obwohl sich der junge Berliner mehr mit dem draufgängerischem Janosch, dessen Part Tom Schilling übernahm, identifizierte, sah er in Benjamin eine größere Herausforderung. Beide Jungstars, Schilling und Stadlober, machten ihre Sache hervorragend und wurden mit dem Bayerischen Filmpreis 2001 belohnt.

Anfangs fiel es Robert nicht leicht, eine real existierende Person zu mimen. Zur Vorbereitung fuhr Stadlober nach München, um sich dort mit Lebert zu treffen: "Benjamin ist der Autor des Buches und auch gleichzeitig Hauptcharakter des Films. Ich habe ihn erst nur beobachtet und dann versucht, ihn nachzumachen. Das war natürlich nicht einfach, weil ein gewisses Vertrauen aufgebaut werden musste. Für ihn war es sowieso hart, weil er das erste Mal gesehen hat, wie seine Behinderung aussieht." Robert bemühte sich, Benjamin nicht zu enttäuschen und ihn am Ende des Films gut dastehen zu lassen.

Seit ''Crazy'' wird Robert als Shooting Star gefeiert. Als Musiker ist er dagegen noch weitgehend unbekannt, obwohl er mit seiner Rockband ''Gary'' schon durch Deutschland getourt ist oder zu diversen MTV-Shows eingeladen wurde. Robert ist von ganzem Herzen Schauspieler, doch Musik ist sein Leben. Nach den Dreharbeiten kehrt er abends ins Hotel zurück und spielt Gitarre.

Musik ist etwas ganz Privates: "Filme berühren mich nie so sehr wie gewisse Platten, da läuft mir das Herz aus. Es gibt Platten, da liege ich heulend vor meinem Plattenspieler. Das ist eine viel direktere Sache, wahrscheinlich, weil ich mir meine eigenen Bilder dazu machen kann." Mit 13 hatte der schauspielernde Musik-Freak die Geige gegen die Gitarre getauscht. Als Leadsänger und Gitarrist von ''Gary'' schreibt er die Songtexte. Ihre erste Single-CD ist am 11. Juni erschienen. Ein Album soll folgen.

Stadlober provoziert gerne. Mit schrägen Klamotten, wilden Haaren und mit starken Sprüchen versucht er aufzufallen. Gleichzeitig kann die zur Schau gestellte Coolness seine Sensibilität nicht vertuschen. "Robert war immer ein Träumer," erzählt seine Mutter, "er hat sich vor Punkern gefürchtet und nachts seine kleine Schwester geweckt und gesagt, sie solle wachbleiben und aufpassen, ob er noch atme". In "engel + joe" ist Robert das, wovor er sich als Kind gefürchtet hat und wovon er sich später magisch angezogen fühlte: ein Punk.

Engel hängt mit Freunden auf der Kölner Domplatte rum, nimmt Drogen und verliebt sich zum ersten Mal unsterblich in die Ausreißerin Joe (Jana Pallaske aus ''alaska.de''). Manchmal scheint es, als ob Robert mehr und mehr sich selbst spielt. Anders als in ''Crazy'' musste er nicht in die Rolle hineinwachsen. Glaubhaft mimt er den 17jährigen Freak, der auf der Straße lebt, gegen seine Drogensucht und die Gesellschaft kämpft und von einem fast spießigen Leben in den Bergen träumt. Als seine große Liebe dann auch noch schwanger wird, und die Situation fast hoffnungslos erscheint, hält ihn nur seine Vision am Leben.

''engel + joe'', Vanessa Jopps (''Vergiss Amerika'') zweiter Spielfilm, basiert auf der wahren STERN-Reportage "Hexe und Zottel" von ''Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo''-Autor Kai Hermann, der auch das Drehbuch schrieb. Die Regisseurin versucht die Verbindung zwischen knallharter Alltagsrealität und jugendlicher Träumerei. Nicht immer funktioniert dieser Spagat. ''engel + joe'' scheint an manchen Stellen wie eine sanftere ''Christiane F.''-Version. Doch der talentierten Jungschauspielerin Jana Pallaske hat Jopp sicherlich zu einer aussichtsreichen Zukunft verholfen.

Robert Stadloberüber, der soeben auf dem Filmfestival in Montreal als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet worden ist, schwärmt von seinem aktuellen Film: "Es geht um die erste große Liebe. Wie man sich aufgibt. Sich so bedingungslos liebt, dass man alles aufgibt. Ich hoffe, dass das Publikum danach gerädert ist. Dass man zwei Stunden alles vergisst und danach die Welt mit anderen Augen sieht."

Die wahre Liebe hat Robert bei sich erst nach ''engel + joe'' entdeckt. Vorher hatte er nicht daran geglaubt "und ne Menge Mädchen enttäuscht".

Das Gerücht, dass Robert nach Barcelona zieht, stimmt. Dort hat er angeblich seine Traumfrau gefunden. Außerdem wird die Sonne des Südens sein Gemüt aufhellen: "In Berlin habe ich mit Depressionen herumgehangen und in Barcelona fühle ich mich wie ein Vogel. Das ist jetzt ein Klischee, aber es stimmt."

Copyright © www.kino.de 2007.



Alle Filme von A-Z