Ein Teenie-Schwarm, klar. Matthias Schweighöfer hat sich diesen Ruf verdient mit seinem Wuschelkopf und den graugrünen Augen, die so verträumt in die Welt blicken können.
Der am 11. März 1981 im mecklenburgischen Anklam geborene Jungstar hat die Sehnsüchte des Nachwuchspublikums schon oft geweckt, mal mit Auftritten auf dem Laufsteg, mal mit seiner zurückhaltenden Art.
Noch bevor der Sohn des Schauspielerehepaares Gitta und Michael Schweighöfer seine Ausbildung an der renommierten Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Bosch antrat, übernahm er 1991 eine Kinderrolle in der "Polizeiruf 110"-Folge "Ein verhängnisvoller Verdacht". Sechs Jahre später spielte Schweighöfer einen kleinen Part in Andreas Dresends TV-Komödie "Raus aus der Haut", in der zwei Schüler in der DDR Ende der 70er ihren Direktor kidnappen. Hier traf Matthias auch zum ersten Mal auf Susanne Bormann, mit der er später noch den Großstadtthriller "Freunde" und den schrägen Gangsterfilm "Polly Blue Eyes" drehte. Die Rolle des scheinbar knallharten Ronny war ein Part ganz nach Schweighöfers Geschmack: "Ich mag Figuren, die sich eine äußere Hülle bauen, um ihre Unsicherheit zu verbergen".
Sein Faible für herausfordernde Rollen bewies er zudem 1999 in dem TV-Drama "Verbotenes Verlangen - Ich liebe meinen Schüler". Für die Darstellung des jungen Ben, der eine Affäre mit seiner Lehrerin beginnt, erhielt Schweighöfer den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises. Ein Grimme-Preis folgte 2003 für Dominik Grafs Dreiecksgeschichte "Die Freunde der Freunde", den er sich mit Sabine Timoteo und Jessica Schwarz teilte.
Im Mittelpunkt des Dramas steht die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit, der schwere, oft vergebliche Weg zur Erfüllung durch Liebe. Nöte, die viele Figuren Schweighöfers plagen. Auch in "Herz im Kopf", mit dem der damals 20-Jährige seinen Durchbruch im Kino hatte, ist die Annäherung jugendlicher Helden realistisch und sensibel erzählt. Michael Gutmanns Inszenierung bewegt sich weitab vom deftigen Humor vieler sonstiger Filme zum Thema.
Nach dem eher lockeren "Soloalbum" nach Stuckrad-Barres Poproman folgte mit "Kammerflimmern" im gleichen Jahr ein Film, dessen Thematik Produzentin Uschi Reich "fast ein bisschen zu düster" fand. Schweighöfer spielt "Crash", einen Rettungssanitäter, der sich in die schwangere Freundin eines Unfallopfers verliebt.
Es war erneut Jessica Schwarz, die Schweighöfer zu einer schauspielerischen Glanzleistung anstachelte, für die er beim Bayerischen Filmpreis die Auszeichnung als bester Nachwuchsdarsteller erhielt. Tatsächlich hat sich Schweighöfer längst als einer der herausragenden jungen Schauspieler des Landes etabliert, dem vorwiegend schwierige, hochkomplexe Rollen angeboten werden.
Unter der Regie von Uwe Janson überzeugte er als Bertholt Brechts Alter Ego "Baal" wie auch in "Lulu", wo er, wiederum neben Schwarz, einen von unerfüllbaren Sehnsüchten geplagten Jack the Ripper gab.
2004 stellte er den jungen Friedrich Schiller zu dessen "Sturm und Drang"-Zeit dar und machte sich als Charakterdarsteller einem breiten Publikum bekannt - wobei der leidenschaftliche Hobbymusiker penibel darauf achtet, im Privatleben auf dem Teppich zu bleiben: "Wenn ich nach Hause zu meiner Freundin komme, geht's nicht mehr um Film und Fernsehen, sondern darum, wann ich endlich ein Loch fürs neue Regal bohre", sagt Schweighöfer mit spürbarer Erleichterung.
Fürs Lichtspielhaus darf das Private aber ruhig politisch werden: In dem Uschi-Obermaier-Biopic "Das wilde Leben" spielte er den legendären "Kommune 1"-Mitbegründer Rainer Langhans. Derzeit ist der 26-Jährige in "Fata Morgana" zu sehen, einem ambitionierten Abenteuerfilm, der viele Deutungsmöglichkeiten zulässt. Als versnobter Uni-Absolvent unternimmt er darin mit Marie Zielcke einen Sahara-Trip, der für beide zur Belastungsprobe wird
In näherer Zukunft wird man Schweighöfers Vielseitigkeit dann in einer Realverfilmung des Märchens "Kalif Storch" neben dem Comedian Piet Klocke und als Kampfflieger Manfred von Richthofen in Nikolai Müllerschöns "The Red Baron" auf der Leinwand bestaunen können. Bereits abgedreht ist die Komödie "Keinohrhasen", bei der Til Schweiger Regie führte.
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