Alle Filme von A-Z

Martin Scorsese Biografie

Martin Scorsese Navigation

Biografie

Jahrzehntelang ging es um New York in den Filmen von Martin Scorsese, der dort selbst 1942 im Stadtteil Little Italy zur Welt kam. Ursprünglich wollte er Priester werden, bis er sich für ein Filmstudium entschied.

Dazu passt eine Erkenntnis, die Scorseses Alter Ego Charlie im ersten großen Erfolg, "Hexenkessel" von 1973, ausspricht: "Du zahlst nicht in der Kirche für deine Sünden, sondern auf der Straße."

Obwohl er selbst in einem bürgerlichen Elternhaus aufwuchs, faszinieren den Ausnahmeregisseur die Ausgestoßenen - Menschen, die an ihrer Umwelt scheitern und ihre Gefühle nur durch Gewalt ausdrücken können. Oder deren Gewalt sie daran hindert, Gefühle zuzulassen.

Mit seinem Kurzfilm "The Big Shave" von 1967 gab er einen ebenso simplen wie prägnanten Kommentar zum Vietnamkrieg ab: Ein Mann zieht mit stoischer Miene das Rasiermesser über seinen Hals, wieder und wieder, ohne zu merken, dass er sich mit jedem Schnitt eine neue Wunde zufügt.

Erste Erfolge mit B-Movies

Seine spätere Arbeit für Produzent Roger Corman, bei dem er wie Coppola oder Spielberg frühe Gehversuche machte, hatte eigene Gesetze: Alle 15 Minuten Sex oder Gewalt, so die Forderung des legendären Corman, ansonsten ließ er seinen Regisseuren freie Hand - ein unschätzbares Experimentierfeld für Nachwuchsfilmer.

Für den "Master of Trash" drehte Scorsese 1972 "Die Faust der Rebellen", eine rohe "Bonnie und Clyde"-Variante, nachdem er vier Jahre zuvor mit dem Vergewaltigungsdrama "Wer klopft denn da an meine Tür ?" sein Spielfilmdebüt gegeben hatte.

Robert ist der Richtige

Mit "Hexenkessel" fand er schließlich seinen Stil und seinen langjährigen Hauptdarsteller: Robert De Niro war der Richtige, um die Spannungen zu verkörpern, denen Scorseses Figuren zwischen täglichem Überlebenskampf im Moloch New York City und der Sehnsucht nach Erlösung ausgesetzt sind. Chronist und Katholik - diese zwei Seelen schlagen in Scorseses Brust.

Beim Filmfestival in Cannes reagierte man 1976 geschockt auf "Taxi Driver", die blutige Erzählung eines Ausgestoßenen, der sich in seiner Einsamkeit zum Racheengel stilisiert. Wieder war es De Niro als Travis Bickle, der seiner Figur jene Mischung aus Verletzlichkeit und Verhärtung mitgab, die auch Jake LaMotta in dem furiosen Boxerdrama "Wie ein wilder Stier" auszeichnet. Für diese Rolle erhielt De Niro einen Oscar, genauso wie Thelma Schoonmaker, die Cutterin, mit der Scorsese bei fast allen seiner Produktionen zusammenarbeitet.

New York, New York

Der unterschätzte "Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung", in dem Nicolas Cage als Rettungssanitäter durch den nächtlichen Big Apple fährt, bringt das Dilemma von Getriebenheit und Sehnsucht, von kaltem Pflasterstein und sanfter Erlösung nochmals auf den Punkt.

"Gangs of New York" dagegen besteht darauf, dass die USA, eine Gesellschaft, die aus der Gewalt geboren wurde, nun dazu verdammt ist, diese ständig zu reproduzieren.

Als wichtiges Element in seiner eigenen Wahrnehmung der Kunstform Film gab Scorsese in der Dokumentation "Il mio viaggio in Italia" den Neorealismus an, verwies auf Filme von Roberto Rossellini, Luchino Visconti und Vittorio de Sica, die allesamt um die Themen Ausbeutung, Außenseitertum und Unterdrückung kreisen.

In allen Genres zu Hause

Über all dem wird gern übersehen, dass "Marty" auch als klassischer Genreregisseur vorzüglich besteht, der Musicals ("New York, New York"), Komödien ("Die Zeit nach Mitternacht"), Historienfilme ("Zeit der Unschuld") und gradlinige Thriller ("Kap der Angst") gedreht hat.

Und mittendrin immer wieder Robert De Niro: etwa als Mobster in "GoodFellas", als Entertainer in "The King of Comedy" oder Oberzocker in "Casino".

Im scheinbaren Gegensatz dazu steht "Die letzte Versuchung Christi", die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nikos Kazantzakis. Damit löste der Filmemacher einen weltweiten Skandal aus. Die Darstellung eines zweifelnden Jesus, der in die Hure Maria Magdalena verliebt ist, war Fundamentalisten zu viel. Dabei konkurrierte auch hier nur wieder die materielle mit der spirituellen Welt.

Endlich ein Oscar!

Bei "Aviator", einer erklärten Herzensangelegenheit, unternahm der Regisseur einen visuell überwältigenden Ausflug in die Welt der Reichen und Schönen. Leonardo DiCaprio, der für Scorsese schon in "Gangs of New York" vor der Kamera stand, porträtiert den Unternehmer und Filmpionier Howard Hughes, einen exzentrischen Visionär mit tiefen seelischen Abgründen.

Der Film gewann fünf Academy Awards, während der zum sechsten Mal nominierte Scorsese wieder mal leer ausging. Für "Departed: Unter Feinden" hat er jetzt jedoch endlich den Goldjungen in der Königskategorie Regie erhalten. In dem Remake des Hongkong-Thrillers "Infernal Affairs" kehrt Scorsese zum düsteren Ton zurück und glänzt mit einer Starbesetzung bis in die Nebenrollen: Matt Damon spielt einen "Maulwurf", der vom irischen Mafiaboss (Jack Nicholson) in die Polizei eingeschleust wird. Sein Gegenüber, der Undercover-Cop Billy, wird wiederum von DiCaprio verkörpert, der sich bei Scorsese endgültig von seinem Mädchenschwarm-Image freigekämpft hat.

Verdient hat er ihn, den Oscar für "Departed: Unter Feinden".

Copyright © www.kino.de 2008.



Alle Filme von A-Z