Im wirklichen Leben gibt sich der Mann mit den spektakulären Rollen eher scheu: "Ich will kein blödes Mysterium um meine Person aufbauen, wenn ich zu meinem Privatleben schweige. Je weniger man über mich weiß, desto leichter akzeptiert man mich in meinen Rollen."
In einer Zeit medialer Totaldurchleuchtung ist es dem Phantom Spacey gelungen, das Radar öffentlicher Neugier zu unterfliegen. Im Unterschied zu Jodie Foster zeigt aber seine Mauer des Schweigens poröse Stellen.
Durchgesickert ist, dass er als Kind ein Nomadenleben führte, Produzent Dean Devlin ("Godzilla") ein Jugendfreund war, seine Vorfahren aus Wales stammten und sein Urgroßonkel 1936 Henry Fondas Chauffeur im Film "Flucht in die Liebe" spielte.
Katharine Hepburn schreibt, dass er Spencer Tracy, das Kino und Sänger Bobby Darin liebt. Zu seinen besten Freunden zählen zwei Hunde, Edward Norton, Mom und seine beiden Geschwister.
Ein Mysterium wie sein Über-Gangster Keyser Soze in "Die üblichen Verdächtigen" ist er also nicht. Weil er aber für sich behält, mit wem er morgens Zähne putzt, spekulieren Enthüllungspropheten zwanghaft.
Offen für alles
"Für die Frauen ist es eine Herausforderung. Sie wollen mich bekehren und ich halte sie nicht davon ab", witzelte Spacey später über die homosexuellen Andeutungen einer haltlosen Esquire-Story, die ihn beruflich hätte ruinieren können.
In Hollywood muss man romantisch das sein, was man spielt. Ein Schwuler kann im Film also keine Frauen lieben, ein Vegetarier aber durchaus einen Kannibalen geben.
Launischer Rebell
Die Kluft zwischen Sein und Wirken kennt der heute 43-Jährige seit seiner Kindheit. Bei den Mitschülern galt er als launisch, bei den Eltern als rebellisch, in der Eigenanalyse aber als schüchtern.
Auch wenn er einen Schuppen im Garten abfackelte und von der Militärakademie flog, weil er den Kopf eines Kameraden mit einem Autoreifen kollidieren ließ. Selbstverteidigung nennt es Spacey heute, doch ein kleiner Teufel wohnt noch immer in ihm, zeigt sich im Augenzwinkern oder der Auswahl seiner Rollen.
Teuflisch talentiert
Manipulierende, diabolische Charaktere hat er oft gespielt. In der TV-Serie "Wiseguy" faszinierte er als charismatischer, auf die eigene Schwester inzestuös fixierter Gangster.
Im Kino propagierte er nach seinem Debüt "Sodbrennen" eisige Ekel - als Büroleiter in "Glengarry Glen Ross" (mit Mentor Jack Lemmon), als Studiosadist in "Unter Haien in Hollywood", als Killer in "Sieben" oder "Die üblichen Verdächtigen" (Oscar als Bester Nebendarsteller).
Vom anderen Stern
Seit seiner Erniedrigung durch Staubsaugertyrannin Annette Bening in "American Beauty" (Oscar als Bester Hauptdarsteller) sucht er im Film das Trauma, wie in "Das Glücksprinzip", "K-Pax" und "Schiffsmeldungen". "Das Leben des David Gale" zeigt ihn jetzt mit beiden Facetten als starke und gequälte Persönlichkeit.
Mit Schulfreund Val Kilmer, der ihn zum Schauspielstudium überredete, verband Spacey eine erkennbare Arroganz, als er in den Achtzigern die Bühnen New Yorks eroberte, sich im Kino aber unter Wert verkaufen musste. Grant, Partner in "Henry & June", erinnert sich im Buch "With Nails", dass Spacey sich mit seinem Agenten und Manager wegen fehlender Close-ups stritt.
Ein Sponsor und Theatermann
Heute regieren Bescheidenheit und Sponsorengeist den Star. Seine Firma "Trigger Street" fördert Talente, die angeschlossene Website ist Deponie für fast 16.000 Drehbücher unbekannter Autoren.
Und weil er das Theater mehr als alles andere liebt, hat er mit Londons "Old Vic" selbst eines übernommen. Trotzdem sieht er Film nicht als Affäre, die er nun aufgibt: "Für mich ist das kein Abschied, aber ich will eine Veränderung in meinem Leben. Es gibt einfach nicht genügend großartige Filme."
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