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Biografie

Die New Yorkerin ist Vorbild einer ganzen Generation: ein ernsthafter, gelassener Gegenentwurf zum hormonell verwirrten, perspektivisch verirrten Hollywood-Teen, der den Verlust von Unschuld über den Gewinn von Reife setzt.

Julia Stiles ist hübsch, aber keine der Model-Miezen, die sonst in Hollywood ihre Duftmarken setzen. Ihr Teint ist blass, ihr Gesicht ein Hauch von Tweety und ihr Outfit eher Zeltlager als Boutiquentour.

Unauffälligkeit, ihr Markenzeichen, war in ihrer Kindheit Verteidigungsstrategie: "Schon in sehr jungen Jahren musste ich lernen, mich zu schützen, wenn ich auf die Straße ging. Ich fühlte mich nicht wohl, wenn Jungs Kommentare über mich abgaben. Dem ging ich aus dem Weg, indem ich mich wie ein Junge kleidete."

Doch an Schüchternheit leidet die Schauspielerin wahrlich nicht. Die Tochter einer Keramikkünstlerin und eines Lehrers ist das Musterprodukt liberaler Selbstbewusstseinspädagogik - das Fundament für Figuren, die oft so erwachsen wirkten, aber trotzdem (oder auch deshalb) zu jugendlichen Projektionsflächen wurden.

Vom lieben Töchterlein zum Bad Girl

Um Erziehungsfragen im weitesten Sinne geht es auch in Julias neuestem Film, dem Remake des Horrorklassikers "Das Omen". Darin adoptiert Julias Ehemann heimlich ein Kind und gibt es als den gemeinsamen Sohn aus. Fünf Jahre lang lebt die Kleinfamilie glücklich und zufrieden - doch dann häufen sich die Todesfälle in der Nähe des kleinen "Teufelsbraten".

Herangeführt ans Kino wurde die kleine Julia im Schatten einer schützenden Eiche: Harrison Ford war ihr Vater in "Vertrauter Feind", doch schon in der nächsten Tochterrolle machte sie Daddy zum Lover ("Bad Girl - Mord ist eine Lösung") und Mom überflüssig.

Shakespeare ruft

Von ihrer undurchschaubaren Agentin in "Die Bourne Identität" abgesehen, blieb es der bislang einzige Teufelsauftritt des braunäugigen Engels. Denn ihre notorisch kratzbürstige Giftspinne aus "10 Dinge, die ich an dir hasse", war zwar verhaltensbehindert, im Grunde aber gut (Zitat: "Hallo Katarina, heute schon jemand zum Heulen gebracht?").

Durch diese Adaption von "Der Widerspenstigen Zähmung" wurde Julia zum Star und nach zwei weiteren Klassiker-Updates ("Hamlet", "O") zur ungekrönten Shakespeare-Queen.

Mit Briefen zum Erfolg

Passend für eine Karriere, die an der Bühne begonnen hatte: "Ich war zwölf und schrieb einen Brief an eine Theatertruppe (in New York). Ich war ein bisschen albern und altklug, aber dann fand ich dadurch einen Agenten und sprach immer häufiger bei Castings vor."

Ihre Schreibwut bekam auch Bürgermeister Ed Koch zu spüren, dem sie Vorschläge über alternative Müllabholungskonzepte unterbreite - und das mit sechs Jahren.

Eine engagierte Studentin

Mit 16 war sie Ko-Autorin eines Drehbuchs, das in Robert Redfords Sundance-Workshop aufgenommen wurde. Heute hat sie ihr Englischstudium an der Columbia University abgeschlossen und arbeitet für "Amnesty International" und "Habitat for Humanity".

Ihr soziales Engagement ist groß, trägt aber noch nicht Früchte wie im Film, wo sich Rassismus schon tanzend exorzieren lässt ("Save the Last Dance"). In "Carolina" beerbte sie Film-Oma Shirley MacLaine als Kontaktbörse für Trinker, Loser und andere Alternativexistenzen, bevor sie in "Der Prinz und ich" einen dänischen Party-Prinzen regierungstauglich machte.

Der erste Hamburger

Unheimlich perfekt wie ihre Superstudentin in "Mona Lisas Lächeln" wirkt Stiles, wenn sie jedes Thema unerschrocken auch öffentlich diskutiert. Auf die Frage, wie sie denn ihre Rollen ausfülle, antwortet die schlagfertige Julia: "Einmal kam ich in meine Gaderobe und fand dort etliche falsche Brüste vor, die mir die Produzenten hingelegt hatten. Das ist so krass."

Neue Erfahrungen sucht Julia auf der Bühne (David Mamets Sex & Macht-Drama "Oleanna") wie auch in der Küche. Auf die Frage von Talkguru Conan O'Brien, wie denn der erste Hamburger schmeckte, antwortete die langjährige Veganerin gewohnt plastisch: "Das Wort Orgasmus kommt mir in den Sinn."

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