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Biografie

"Die Menschen denken, dass sie Filme wie 'Pretty Woman' sehen möchten. In Wirklichkeit warten sie auf einen Film, der mehr als eine bloße Beleidigung für jeden halbwegs intelligenten Menschen ist."

So spricht eine Tochter intellektueller Hippies: Winona Ryders Eltern lebten mit sechs Familien in einer Kommune in Kalifornien, bevor sie in eine Kleinstadt nahe San Francisco zogen; ihr Vater arbeitete in einer Buchhandlung, die sich auf Literatur über bewusstseinserweiternde Drogen spezialisiert hatte.

Ikonen wie Allen Ginsberg und Timothy Leary gingen ein und aus, statt fernzusehen wurde gelesen, den Sonntag verbachte man statt in der Kirche auf Demonstrationen oder Rockkonzerten und in den Urlaub fuhr man nach Südamerika. Noni, wie sie ihre Eltern nannten, besuchte eine Zen-Vorschule und wurde schon früh mit in Yoga-Kurse genommen:

"Wir lebten ohne Strom, ohne fließendes Wasser und ohne Zentralheizung, aber ich bedauere keine Minute dieser Zeit."

Auf den Spuren von Asta Nielsen

Heute ist Winona auffallend intelligent, aufmüpfig und schwierig - für sich und für andere. Kollegen sind voll des Lobes ob ihrer außergewöhnlichen Präsenz. Tim Burton fühlt sich von ihr gar an eine Stummfilm-Schauspielerin erinnert:

"Ihr Blick spricht mich an. Sie hat eine Aura um sich; sie vermittelt dir etwas, ohne dass sie etwas sagen muss."

Sie selbst hat da ihre Zweifel: "Ich glaube nicht, dass ich auf irgend jemand außer mir selbst Einfluss habe". Doch Musiker widmeten ihr Songs, Ex-Freund Johnny Depp tätowierte sich einst "Wino forever" auf den Oberarm und schon manch ein Teenager bedauerte es, dass seine Freundin nicht zumindest so aussieht wie Winona Ryder.

Mit 16 schon Bond-Girl

Dabei machte ihr das extravagante Auftreten das Leben in einer amerikanischen Kleinbürgeridylle nicht gerade leicht: "In der High School zog ich mich immer an, wie das aktuelle Bond-Girl." Damals schon ihr Lieblingsbuch, das später zu einer persönlichen Bibel für sie wurde: "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger.

Studiert hat sie an der Schauspielschule des American Conservatory Theatre in San Francisco, dort wurde sie von Talentsuchern entdeckt. 1986 gab sie ihr Leinwanddebüt in der netten Geschichte über den 14-jährigen Außenseiter "Lucas". Als die Produzenten am Telefon fragten, unter welchem Namen die geborene Horowitz in den Credits auftauchen wollte, nahm sie einfach den Nachnamen des Musikers, dessen Platte ihr Vater im Nebenzimmer anhörte: Mitch Ryder.

Aufmüpfiger Teenager

Für ihr Debüt färbte sich die natürliche Blondine auch die Haare schwarz; man riet ihr, aus Karrieregründen dabei zu bleiben. Es funktionierte.

Winona brillierte als Dennis Quaids skandalträchtige 13-jährige Geliebte ("Great Balls Of Fire-Jerry Lee Lewis"), als Chers resolute Tochter in "Meerjungfrauen küssen besser" und neben Johnny Depp im düster-ironischen Märchen "Edward mit den Scherenhänden".

Independent-Meister Jim Jarmusch schrieb für seinen Kultfilm "Night on Earth" gar extra für Winona eine 20-minütige Sequenz: Ryder renitent als kettenrauchende Taxifahrerin, die davon träumt, statt Schauspielerin Automechanikerin zu werden.

Geburtshilfe für Dracula

Winona ist auch die großartige Verfilmung eines Kultautors der irischen Romantik zu verdanken. "Bram Stoker's Dracula" wäre nie in der opulenten Bilderwelt des Kamera-Magiers Michael Ballhaus entstanden, wenn Winona nicht mit dem Drehbuch unter dem Arm bei Regie-Star Francis Ford Coppola vorstellig geworden wäre - ursprünglich war nur ein TV-Movie unter der Regie von Michael Apted geplant. Ryder spielte das Objekt von Gary Oldmans hadesüberdauernder Sehnsucht und musste sich weder neben ihm, noch neben Sir Anthony Hopkins, Keanu Reeves oder Tom Waits verstecken.

Ohne sich eine Pause zu gönnen arbeitete Winona weiter. Doch sie litt sie unter Schlafstörungen und an Depressionen. Als sie wegen Krankheit die erneute Zusammenarbeit mit Francis Ford Coppola für "Der Pate III" ablehnen musste, wurde dies in der Presse gleich als Nervenzusammenbruch ausgelegt. Man schob es auf das ausschweifende Leben mit ihrem Freund Johnny Depp.

Harte Selbstkritik

"Die Leute haben gedacht, Johnny hätte einen schlechten Einfluss auf mich, aber das war nie der Fall: Er hat sich nur um mich gekümmert. Er bestellte den Zimmerservice und steckte mir den Finger in den Hals, um mir zu helfen, mich zu übergeben."

Das harte Arbeiten hat sich gelohnt. Die junge Schauspielerin war zweimal für den Oscar nominiert. Einmal für "Betty und ihre Schwestern", das andere Mal für Martin Scorseses Historiendrama "Zeit der Unschuld".

"Das war mein erster Film, für den ich mich nicht geschämt habe, als er herauskam", resümiert sie. Winona Ryder ist in vielen ihrer Rollen, ob in einem Kostümfilm, in einer Highschool-Komödie ("Heathers") oder in einem Generation X - Portrait ("Voll das Leben - Reality Bites") hervorragend. Sie deckt mit ihrem Können ein erstaunlich breites Rollenspektrum ab.

Diebische Elster?

Seit sich das Traumpaar Ryder und Depp nach vier Jahren getrennt hat, ist es stiller um Winonas Privatleben geworden - abgesehen von einer Anklage wegen Diebstahls und Drogenbesitz.

Eine Zeit lang war sie mit David Pirner, dem Sänger der Band "Soul Asylum" liiert, dessen Musik ihr geholfen haben soll, die Dreharbeiten für "Das Geisterhaus" zu überstehen; die Thematik hatte sie psychisch sehr belastet. Die Verfilmung von Isabel Allendes Roman hatte Ryder sehr am Herzen gelegen, da sie sich als Mitglied von Amnesty International seit langem mit Südamerika beschäftigt. Auch "Akte X"-Star David Duchovny war sie eine zeitlang sehr zugetan, die Beziehung mit ihrem Schauspielerkollegen Matt Damon ist seit April beendet.

Vorliebe für junge Männer

Nun ist Noni wieder Single, lebt in New York und übt sich im Drehbuchschreiben. Außerdem war sie das erste Mal in der Verfilmung von Susanna Kaysens Roman "Durchgeknallt - Girl, Interrupted" auch als Produzentin tätig.

Mit Richard Gere spielte sie im rührseligen Melodram "Es begann im September": Winona als unheilbar herzkranke 21-Jährige im Flirt mit einem alternden Playboy. Winonas Resümee: "Ich hab's nicht so mit älteren Männern. Was mich angeht ist Richard nicht gerade der 'Sexiest Man Alive.'"

Winona gegen die CGI-Konkurrenz

Im August startet in den USA "Simone" mit Al Pacino. Der mimt einen Filmproduzenten, der die kurzfristige Absage seiner Hauptdarstellerin (Winona) mit einer perfekten computergenerierten Aktrice zu vertuschen sucht.

In der Realität muss sich Winona nicht vor einem derartigen Schicksal fürchten: Ihre derzeit unspektakuläre, aber solide Karriere dauert an. Winona über Winonas Erfolg: "Niemand kann dir genug Geld bezahlen, um dich von innerer Zerissenheit und Verwirrung zu heilen."

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