Everybody's Darling, America's Sweetheart, Miss Perfect: Wenn von Julia Roberts die Rede ist, werden die Superlative knapp - genau wie die Leinwand, wenn Hollywoods First Lady ihr berühmtes Lachen aufsetzt.
Es sind bare Geldwerte, die Julia Roberts durch ihr Schauspielerdasein trägt - auch wenn die atemberaubend langen Beine aus "Pretty Woman" nicht ihre eigenen waren.
Denn sie ist die erste Frau, die es über die 20 Mio. Dollar Gagengrenze geschafft hat, die bestbezahlte Schauspielerin der Filmgeschichte und erste Wahl in Hollywood: Wer Julia Roberts castet, hat den Erfolg eingekauft. Denn sie hat eine natürliche Ausstrahlung, die das Publikum regelrecht ins Kino zieht.
Kollege George Clooney nahm ihr Image zum Anlass für einen seiner gefürchteten "Practical Jokes". Als er erfuhr, dass Julia in "Ocean's Eleven" von Steven Soderbergh (der Lieblingsregisseur von Roberts und Clooney) mitspielen würde, schickte er ihr folgende Nachricht: "Ich hab' gehört, Du kriegst 20 pro Film..." Mit im Umschlag war ein 20-Dollar-Schein.
Die Tricks der Frohnatur
Für Julias Markenzeichen, das bezaubernde Lachen, gibt es übrigens eine ganz einfache Erklärung: Sie lässt sich immer im Liegen schminken. "Da sieht man völlig entspannt aus", sagt sie. Vielleicht kommt ihre Zauberschnute aber auch vom jahrelangen Klarinettespielen, denn Julia gab schon in der Schulband gerne den Ton an.
Damals wollte Julia noch Tierärztin werden. Doch mit 17 entschloss sie sich, es ihren beiden Geschwistern Eric und Lisa gleichzutun: Sie zog nach New York, um dort Schauspielunterricht zu nehmen. "Ich bin nur ein paar Mal hingegangen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es mir was gebracht hat. Eigentlich wusste ich noch gar nicht so recht, was ich überhaupt wollte."
Karriere als Kurtisane
Also hielt sich die junge Schöne mit Model-Jobs über Wasser. Nach einigen Jahren als Laufsteg-Beauty und Gelegenheitsschauspielerin in TV-Serien wie "Miami Vice", schaffte Julia mit "Pizza Pizza - Ein Stück vom Himmel" in den USA den Durchbruch. Für eine ihrer nächsten Rollen in "Magnolien aus Stahl" als Tochter von Sally Field wurde Julia dann schon mit dem Golden Globe ausgezeichnet und für den Oscar nominiert.
Und dann kam "Pretty Woman" - einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, in dem Julia als Bordsteinschwalbe Vivian das Herz des Multimillionärs Edward Lewis (Richard Gere) eroberte. Für das moderne Aschenputtel-Märchen gab's gleich die nächste Oscar-Nominierung und Julias Karriere ging ab wie eine Rakete.
Nackt nie
Noch im selben Jahr feierte die junge Schauspielerin mit "Flatliners" in Amerika einen großen Erfolg, den sie im Jahr darauf mit "Der Feind in meinem Bett" fortsetzen konnte. Die Rolle in "Basic Instinct" lehnte sie allerdings ab - mit allzu freizügigen Auftritten hat es die Südstaaten-Lady nicht.
Nach dem Thriller "Die Akte", dem Beauty-Spektakel "Prêt-à-Porter" und ihrem wunderbar selbstironischen Auftritt in Robert Altmans "The Player" engagierte sie Woody Allen 1997 für "Alle sagen: I Love You". Im gleichen Jahr war sie neben Mel Gibson in "Fletcher's Visionen" zu sehen.
Die Braut, die sich nicht traut...
1999 markierte das anrührende Familiendrama "Seite an Seite" die erste Zusammenarbeit mit Susan Sarandon und im selben Jahr folgte die Produktion der märchenhaften Lovestory zwischen Filmstar und Buchhändler - "Notting Hill" mit dem britischen Obercharmeur Hugh Grant.
Aber kein Filmtitel passte zu Julia Roberts so gut, wie "Die Braut, die sich nicht traut". Selten wurde eine Darstellerin so oft und gerne in Brautkleider gesteckt, wie sie. Und keine ist so oft vor ihren realen Hochzeiten davongelaufen - wie Kollege Kiefer Sutherland schmerzhaft erfahren musste.
Tacheles!
Doch nach der missglückten Ehe mit dem Sänger Lyle Lovett und Affären mit Liam Neeson, Daniel Day-Lewis, Matthew Perry und zuletzt Benjamin Bratt hat sie es letzten Juli doch getan. Die Ehe mit Kameramann Daniel Moder scheint allerdings unter keinem allzu guten Stern zu stehen - was Julias Freunden zufolge vor allem an den schwierigen Schwiegereltern liegt.
Das Jahr 2000 markierte einen Einschnitt in Julias Laufbahn. Mit "Erin Brockovich" von Regisseur Steven Soderbergh übernahm sie eine ernste und sehr kraftvolle Rolle. Hier ging es zur Sache, das Thema war politisch, die Geschichte um den größten Umwelt-Prozess der USA gegen einen Industriekonzern authentisch. Zwar basierte ein Teil ihres Charakters noch immer auf ihrer augenscheinlichen Erotik, doch das war längst nicht alles, wie Soderbergh betont:
Komm in meine Arme
"Die Rolle brachte alle ihre Stärken hervor. Sie besitzt so eine gewisse rebellische Art, die sich kaum unterdrücken lässt. Und in dieser Rolle war Raum für all das."
Der Part der mutigen Umwelt-Amazone Erin Brokovich brachte Julia Roberts auch endlich den Oscar ein.
Mit "Mexican - Eine heiße Liebe" begab sie sich dann an der Seite von Brad Pitt auf Thriller-Pfade, zeigte sich aber auch wieder von ihrer komödiantischen Seite, die sie im hochkarätig besetzten "America's Sweethearts" gewohnt herzzerreißend auf die Leinwand zauberte.
Geständnisse eines Vamps
Auch im Megaerfolg "Ocean's Eleven", dem Remake von Sinatras "Frankie und seine Spießgesellen", tummelten sich die Superstars - die übrigens wie Julia alle auch in der Fortsetzung "Ocean's Twelve" zu sehen sein werden. Und das vermutlich ohne Gage, denn das Ganze soll im Gegensatz zum ersten Teil eine Low-Budget-Produktion werden.
George Clooney jedenfalls war am Set von der allürenfreien Anti-Diva so begeistert, dass er sie vom Fleck weg für seine bissige Mediensatire "Geständnisse" engagierte. Julia gibt eine mysteriöse Femme Fatale, die das Leben des (authentischen) "Herzblatt"-Erfinders Chuck Barris mindestens ebenso verkompliziert, wie das Angebot, als Auftragskiller für die CIA zu arbeiten.
Oder doch Kumpel...
In der Komödie "Voll Frontal" ist sie demnächst wie in "The Player" wieder als Filmdiva zu sehen. Der kleine feine "Film über Filme, für Leute, die Filme lieben" ist Soderberghs und Julias Eingeständnis der Hassliebe zum Hollywood-Geschäft.
Denn mit ihrem Stardasein will sich die bekennende Vegetarierin nicht abfinden, wie sie sagt. Ihr Image vom Kumpel-Typ, der trotzdem im Abendkleid fantastisch aussieht, will schließlich sorgsam gepflegt sein:
Voll normal
"Ich kann einfach nicht verstehen, warum mein Privatleben so faszinierend sein soll. Ich koche gerne, liebe Tiere und engagiere mich für krebskranke Kinder. Ich bin eine ganz gewöhnliche Frau - mit einem außergewöhnlichen Job.
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