Nachdem er nunmehr zum vierten Mal in die Rolle des Titelhelden der Harry-Potter-Verfilmungen schlüpft, ist Daniel Jacob Radcliffe auf dem besten Weg, Prinz Harry als Großbritanniens reichsten Teenager vom Thron zu stoßen. Was der mittlerweile 16-jährige Londoner trocken kommentiert: "Ich habe keine Ahnung, wie viel Geld ich verdiene. Ich muss das auch nicht wissen, ich bin ein Kind."
Wie aus diesem Kind der berühmteste Zauberlehrling der Welt wurde? Der Legende nach war das so: Weil Haley Joel Osment die Bücher von Rowling so sehr liebte, dass er ihre Verfilmung für einen Fehler hielt, und deshalb die Hauptrolle absagte, bekamen im März 2000 hunderte von Kindern die Chance, für die Rolle von Harry Potter vorzusprechen.
Bis der damals elfjährige Daniel Radcliffe gefunden wurde, gab es Verzögerungen, Zufälle, Besetzungsprobleme. Obwohl der Casting-Agent ein Freund von Daniels Vater war, hatten seine Eltern zunächst Vorbehalte und wollten ihrem einzigen Kind wegen der Dimension des Projekts nicht die Erlaubnis für die Dreharbeiten geben - geschweige denn, es vorübergehend von seiner privaten Jungenschule befreien. Doch schließlich stimmten sie zu.
Daniel erzählt: "Als der Anruf kam, ging mein Dad ans Telefon, und ein paar Minuten später sagte er mir, dass ich Harry Potter sein würde. Ich habe geweint. In der Nacht habe ich meine Eltern geweckt, um sie zu fragen, ob ich träume."
Für die Macher von "Harry Potter und der Stein der Weisen", Regisseur Chris Columbus und Autor Steven Kloves, hatte Daniel "den magischen Touch, die innere Reife, die dunklen Seiten", die sie in einem Elfjährigen gesucht hatten: Jemand, der einerseits neugierig ist, der aber auch schwere Zeiten durchgemacht hat und viel Einfühlungsvermögen besitzt.
Mit dieser Voraussetzung der reifen Seele im Körper eines Kindes wurde Daniel der ideale Harry Potter mit der blitzförmigen Narbe auf der Stirn, der mit seinen Freunden in der Zauberschule Hogwarts moderne, abenteuerliche Märchen erlebt.
Auf den ersten Teil folgte "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" - dafür gab's zahlreiche Auszeichnungen vom "Male Youth Discovery of the Year Award" des "Hollywood Women's Press Club" bis zum Silbernen Bravo-Otto. "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" - übrigens Daniels Lieblingsbuch - war nicht weniger erfolgreich als seine Vorgänger. Regie führte Alfonso Cuaron ("Y tu mama tambien"). Der Regisseur wechselte ein weiteres Mal und Mike Newell nahm für den vierten Teil "Harry Potter und der Feuerkelch" die Zügel in die Hand.
Daniel hatte seine Karriere schon begonnen, bevor der Harry-Potter-Trubel ausbrach: 1999 spielte er in der BBC-Serie den jungen "David Copperfield" und anschließend den Filmsohn von Jamie Lee Curtis und Geoffrey Rush in John Boormans John Le Carré-Verfilmung "Der Schneider von Panama".
Den Wunsch, Schauspieler zu werden, hegte Daniel schon mit fünf. Er hat eine umfangreiche DVD-Sammlung, sein Lieblingsfilm ist "Die zwölf Geschworenen". Und er hegt einen Traum: "Vielleicht werde ich eines Tages sogar Regisseur."
Neben der Leidenschaft für bewegte Bilder bestimmt Punkrock sein Leben. Im heimischen Regal stehen Alben von den Sex Pistols, Stranglers, Dandy Warhols aber auch Jane's Addiction, The Libertines, Rage Against the Machine und The Darkness. Daniel ist Fan seines englischen Heimat-Fußballteams Fulham, liebt Formel-1-Rennen und Playstation und spielt mit seinen zwei Terriern Binka und Nugget - oder seinen Kollegen am Set kleine Streiche.
Robbie Coltrane soll er beispielsweise heimlich seine Handyeinstellungen so verändert haben, dass der nur noch Nachrichten in türkischer Sprache empfangen konnte.
Nach "Harry Potter und der Feuerkelch" hat sich der Shootingstar auch schon für den fünften Teil verpflichtet:
"Harry wird schließlich in den Büchern auch älter, also warum ich nicht auch", findet Daniel. Alles, was den Schüler von seiner Nebenbeschäftigung abhalten könnte, seien schlechte Noten. Aber tatsächlich waren die noch nie so gut wie im Moment. Erfolg beflügelt eben - oder Daniel hat einfach magische Kräfte...
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