Sie ist begeisterte Porschefahrerin, und ihre Karriere verlief nicht weniger rasant als ihr Hobby. Schon mit zehn stand Christina Ricci vor der Kamera. 17 Jahre und 30 Filme später spielt sie in "Black Snake Moan" nun eine junge Frau, die ihre Seelenqualen mit Sex, Alkohol und Drogen betäuben will.
Anfang der 90er hatte die Welt den Knirps entdeckt, als Cher noch Kinostar und Winona Ryder noch Verlobungstrophäe Johnny Depps war. Nach putzig in "Meerjungfrauen küssen besser" kam sie rotzig als Nachwuchssadistin Wednesday in "The Addams Family" - die Keimzelle ihres altklugen, frühreifen, rebellischen Images.
Im realen Leben war ihre Persönlichkeit komplexer, verbarg Christina Schüchternheit hinter Angriffslust: "Ich konnte es nicht ertragen, verletzlich zu sein, und niemand sollte glauben, dass es etwas gab, das man gegen mich benutzen konnte."
So wurde der Jungstar, der in "Casper" seine normale, kindliche Seite zeigte, als furchtlos wahrgenommen, litt aber tatsächlich unter einem Vollmondgesicht und barockem Oberkörper. Dieser korrespondierte nicht mit den Kalorienkriterien Hollywoods und einer Körpergröße, die mit 155 Zentimetern nur unwesentlich über Hobbit- oder Hydrantenniveau lag.
"Jahrelang hasste ich mich, bedeckte alle Spiegel in meinem Haus", nannte sie später Verhaltenssymptome, die zu Magersucht und Depression führten. Schon als 13-Jährige hatte sie einen Therapeuten - normal vielleicht, wenn man mit einem aufgewachsen war.
1980 in Santa Monica als jüngstes von vier Kindern geboren, zog Christina mit acht nach New York, lebte in einem Milieu, in dem es für Brüllen Beifall gab. Ihr Vater war Experte für "Schreitherapie", fand aber selbst nicht den richtigen Ton, um seine Ehe und die Beziehung zu seiner Tochter zu retten, mit der er seit fast 13 Jahren keinen Kontakt mehr hat.
"Wäre ich nicht Schauspielerin geworden, wäre ich als eine dieser verrückten Ausreißerinnen auf dem Hollywood Boulevard gelandet und wahrscheinlich schon tot", beschrieb sie die Stürme, die in ihr tobten und die Traumfabrik verunsicherten. Vor allem, wenn Ricci dumme Fragen mit Sarkasmus konterte. So verschreckte sie einfältige Journalisten, aber auch romantische Dates. Einige Beziehungen hatte sie trotzdem, darunter mit Bühnenakteur James Oliver.
Ihr präferierter Prinz aber hatte sein Paradies woanders gefunden. Christina war neun, als sie Johnny Depp kennenlernte, 19, als ihn der zweite gemeinsame Film "Sleepy Hollow" fast kopflos machte, 20 schließlich, als sie "In stürmischen Zeiten" mit ihm auch ins Bett ging.
Zu diesem Zeitpunkt hatte der unkonventionelle Kinderstar, der Edgar Allan Poe, Rainer Maria Rilke, Tom Petty und die Red Hot Chili Peppers verehrt, in Independentfilmen den Fluch überwunden, der sonst die Karrieren von Kinderstars lähmt.
In "Der Eissturm" erforschte sie an zwei Brüdern sexuelle Identität, in "Buffalo 66" zähmte sie den narzisstischen Exzentriker Vincent Gallo, in "The Opposite of Sex - Das Gegenteil von Sex" faszinierte sie als Teenluder ohne einen Funken Charakter.
Neben fragilen Figuren wie in "Monster", dem übernatürlichen Thriller "The Gathering" oder in der Bestsellerverfilmung "Prozac Nation", die sie mit ihrer Firma "Blaspheme Pictures" auch produzierte, gibt sie sich im Kino gerne stark und entschlossen: So wie derzeit als nymphomane Südstaaten-Schönheit neben Jackson und Justin Timberlake im Blues-Drama "Black Snake Moan".
Demnächst dreht die 27-Jährige in Babelsberg die Anime-Verfilmung "Speed Racer". Vielleicht kann sie in Brandenburg endlich etwas abschalten. Denn die Meerjungfrau, die als Kind und Teenager die Brandung suchte, bevorzugt jetzt ruhiges Wasser: "Ich hätte jetzt gerne etwas Banalität." Das Gegenteil von Sex also.
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