Es war ein Debüt mit Paukenschlag und Pistolenknall: Natalie Portman spielte 1994 im zarten Alter von 13 Jahren in Luc Bessons Thriller "Leon - der Profi" eine kaltschnäuzige Killer-Lolita. Kaum jemand vermutete hinter der Fassade der angehenden Auftragsmörderin eine makrobiotisch lebende Einserschülerin oder baldige "Star-Wars"-Ikone.
Doch wie so häufig in Hollywood liegen zwischen Rollenidentität und Wirklichkeit Welten: Natalie Portman wollte als positives Vorbild für Teenager in die Filmgeschichte eingehen und lehnte Einsätze, die mit Sex oder Horror zu tun haben, lange kategorisch ab.
Geboren am 9. Juni 1981 in Jerusalem als Tochter eines Arztes und einer Künstlerin, verließ Natalie mit drei Jahren das Heilige Land, um an der Seite ihrer Eltern erst nach Washington, dann nach Connecticut und schließlich nach New York zu ziehen.
An den Gestaden des Hudson wurde sie 1992 in einer Pizzeria von einem Model-Scout entdeckt. Als sie diesem erklärte, lieber Schauspielerin werden zu wollen, reichte er sie prompt an einen guten Agenten weiter.
Weil sie es sich wert ist
Das mächtige Selbstbewusstsein der jungen Dame hatte gute Gründe: Als Schauspielerin stand sie seit ihrem neunten Lebensjahr auf Schulbühnen. Die Topschülerin aus bestem Hause, deren Karriere an einem Elitecollege sich bereits abzeichnete, war nicht auf den schnellen Dollar angewiesen.
Zudem verfügte sie früh über genug intellektuelles Potenzial, um den Manipulationsversuchen dahergelaufener Hollywoodnasen Paroli zu bieten. Und zu Natalie Portmans wichtigsten Grundsätzen gehörte seit jeher, sich keinesfalls unter Wert zu verkaufen.
La Professionnelle
Das musste auch Luc Besson erfahren, seines Zeichens französischer Hochglanzthrillerästhet auf dem Sprung nach Hollywood: Für seine vor New Yorker Kulissen angesiedelte Europroduktion "Leon - der Profi" benötigte er einen weiblichen Dreikäsehoch.
Und obwohl ihm die zum Zeitpunkt der Vorplanung erst Elfjährige zunächst viel zu jung erschien, erlag er doch ihrem natürlichen Zauber: Er strich der Kleinen zuliebe sogar Szenen aus dem Drehbuch, in denen Heldin Matilda etwa hätte Hüllen fallen lassen oder eigenhändig töten sollen.
In bester Gesellschaft
Der Film wurde ein großer Erfolg in Europa, doch in Portmans Heimat blieb die bildgewaltige Romanze vom Mörder und dem Mädchen ein Fall für Programmkinos und das großstädtische Cineastenpublikum.
Weitaus mehr Zuschauer fand ihr nachfolgender Auftritt in "Heat". Unter der Regie von Michael Mann war sie zwischen Amerikas Crème de la Crème des Method Acting in Gestalt von Robert De Niro und Al Pacino zu sehen.
In der Folgezeit rissen sich die Produzenten buchstäblich um Portman, was diese jedoch kalt ließ. Ihre vorrangigen Ziele galten weiterhin der Schule, und wer sie für einen Film ködern wollte, tat gut daran, aus dem künstlerischen Holz eines Woody Allen ("Alle sagen: I Love You"), Ted Demme ("Beautiful Girls") oder Tim Burton ("Mars Attacks!") geschnitzt zu sein.
Die Schlechten ins Kröpfchen
Über Adrian Lyne, der sie 1997 für sein trashiges "Lolita"-Remake ködern wollte, reißt sie heute noch Witze.
Dem Fernsehen zeigt Natalie prinzipiell die kalte Schulter; nicht einmal für Gastauftritte ist sie dort zu haben.
Ihr legendärer Ausspruch, niemals in ihrem Leben würde sie sich für "Jennifer Love Hewitt-Filme" hergeben, dürfte noch immer allen Teenie- und Horrorwellenreitern in den Ohren klingen.
No Sex, Please
Sogar die Julia in "Romeo & Julia" (Leo zu alt!) oder die Hauptrolle in "Der Eissturm" (zu dysfunktional!) fanden in ihren Augen keine Gnade. Das versetzt Hollywoods natürlichen Portman-Gegenpol, Kettenraucherin Christina Ricci, in die praktische Situation, öfters mal Rollen zu kriegen, "weil Natalie wieder ablehnt".
Meist jedoch setzt sie sich durch - wie bei "Überall, nur nicht hier": Co-Star Susan Sarandon drohte höchstpersönlich mit Kündigung, falls Wayne Wang nicht Natalies Nacktszenen aus dem Drehbuch striche. Body-Doubles? Nicht mit Miss Portman: "Die Leute würden ja denken, das wäre ich."
Der Lohn solcher Standhaftigkeit folgte 1999: Amerikas oberster Märchenonkel George Lucas beförderte die "neue Audrey Hepburn" (so das Hochglanzmagazin "Harpers Bazaar") in den Rang einer Königin.
Auf das SF-Spektakel folgte die Dramödie "Wo dein Herz schlägt", in der Natalie das White-Trash-Mädchen Novalee Nation spielt, das unbeirrbar nach seinem Weg forscht. Neben kurzen Auftritten in der Modesatire "Zoolander" und in "Unterwegs nach Cold Mountain" schlüpfte Miss Portman wieder in die Gewänder von Padmé. In "Episode II" ging es zur Sache: Hayden Christensen reifte zum Jedi heran und verguckte sich in die zierliche Sternenkriegerin.
Geht unter die Haut
Um die Wirrungen der Liebe ging es auch in dem Beziehungsdrama "Hautnah". In diesem Seelenstriptease liefert sie sich giftige Wortgefechte mit Jude Law, Clive Owen und Julia Roberts - und lässt entgegen alter Vorsätze fast alle Hüllen fallen, körperlich und emotional. Prompt erhielt die 23-Jährige einen Golden Globe und wurde sogar für einen Oscar nominiert.
Dass sie trotz großer Hollywoodproduktionen mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht, bewies Natalie in Zach Braffs Indiekomödie "Garden State". Doch zuvor zeigte sie sich in "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" ein letztes Mal in der legendären Sternensaga.
Voller Körpereinsatz
Vom Weltraum kehrte sie schließlich auf die Erde zurück und war mit kahl geschorenem Kopf in "V wie Vendetta" neben Hugo Weaving zu sehen. In der Kult-Comic-Adaption wird sie von einem Freiheitskämpfer gerettet und muss ihr Gesellschaftsbild überdenken. Ein krasser Gegensatz war dann ihr zuckersüßer Auftritt im knallbunten Märchen " Magoriums Wunderladen" neben Spielzeughändler Dustin Hoffman.
Aktuell ist sie im wunderschönen Roadmovie "My Blueberry Nights" von Wong Kar Wai als Pokerspielerin zu sehen, die der liebeskranken Norah Jones neue Hoffnung verleiht. Dafür gab's bei den Filmfestspielen in Cannes großes Kritikerlob.
Galaktische Harvard-Absolventin
Obwohl Natalie Mittelpunkt der weltumspannenden "Star Wars"-Fankultur war, hob sie nie ab: "Ich habe mit elf angefangen, Filme zu drehen, und ich kann mit 20 wieder damit aufhören", lautet einer ihrer liebsten Interviewsätze.
Mit einem Harvard-Diplom in Psychologie in der Tasche könnte sie dieser Ankündigung irgendwann Taten folgen lassen. Doch vorerst scheint Natalie an ihrem derzeitigen Beruf und am Showbiz noch eine Menge Spaß zu haben. Deshalb müssen Fans der zierlichen jungen Frau auch nicht lange auf sie verzichten. Das Historiendrama "Die Schwester der Königin", das Portman an der Seite von Scarlett Johansson einmal mehr in einem üppigen Kostüm zeigt, ist ab 21. Februar im Kino.
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