"Ich bin extrem zielstrebig. Ich habe an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen und in schlechten Aaron-Spelling-Serien gespielt. Die Person, die danach noch Karriere macht, muss schon ziemlich hartnäckig sein."
Kaum eine Frau in Hollywood ist mit Mitte 40 noch so gut im Geschäft, wie Michelle Pfeiffer. Dafür gibt es zwei simple Gründe - die Frau ist gut und schön: Die Kritiker sehen sie als eine der fähigsten Schauspielerinnen Hollywoods und das "People-Magazine" wählte sie zwei mal unter die 50 schönsten Frauen der Welt.
Doch damit nicht genug: Neben einer märchenhaften Karriere hat die attraktive Actrice auch privat ihr großes Glück gefunden. Seit sechs Jahren ist sie mit dem TV-Produzenten David Kelley verheiratet und hat neben ihrem gemeinsamen Sohn Henry noch das Mädchen Claudia Rose adoptiert.
Michelle hat dabei klare Prioritäten: "Ich liebe es, Filme zu machen und ich bin jedes mal stolz darauf - aber worauf ich am meisten stolz bin, ist meine Rolle als Mutter und Ehefrau."
Die Frau weiß, was sie will, und das zeigt sie auch oft in ihren Rollen: Zuletzt begeisterte sie in "Ich bin Sam" als engagierte Staranwältin Rita Harrison, die den aussichtslosen Fall des geistig zurückgebliebenen Sam übernehmen soll.
Karrierefrau mit Herz
Ganz Geschäftsfrau lässt die Anwältin Sam (Sean Penn) zunächst eiskalt ablitzen - der will sie engagieren, damit er weiter für seine siebenjährige Tochter sorgen darf. Das nötige Kleingeld für den aussichtslosen Rechtsstreit hat der Underdog natürlich nicht.
Doch die Juristin im Designer-Kostüm zeigt schließich Herz und übernimmt den Fall. Und das mit aller Konsequenz: Ihre Gefühlsausbrüche im Kampf gegen die Windmühlen von Justiz und Sozialamt sind ebenso bewegend wie die Verzweiflung ihres Klienten und dessen bedingungslose Liebe zur eigenen Tochter. Pfeiffer kämpft, plädiert, schreit und - überzeugt.
Blühende Begabung
Die große Frage, die der Film am Ende aufwirft: Zählt die Liebe mehr als Paragraphen, zählt Gefühl mehr als Verstand?
Eins ist jedenfalls sicher: Michelle Pfeiffer hat beides.
Verwunderlich ist das nicht, denn Michelle ist ein echtes Sonnenkind: Sie wächst im warmen Kalifornien auf, nahe bei Los Angeles. Derart von der Natur beschenkt, versuchen es zwar auch ihre zwei Schwestern Dedee ("Radical Jack") und Lori mit Modeln und Schauspielern, aber nur Michelle schafft den Sprung von der Supermarktkasse in die Extraklasse - sie hat eben das gewisse Etwas.
Vom Pretty Face zur Kokainbraut
1978 gewann Michelle die Miss-Wahlen von Orange-County. Diese Auszeichnung verhalf ihr zu kleineren Filmrollen. Sie jobbte weiterhin als Supermarktkassiererin und nahm nebenbei Schauspielunterricht. Ihre erste Hauptrolle in dem Musical "Grease 2" war angeblich auch die Folge von Liebschaften mit verschiedenen Top-Produzenten und Regisseuren.
Ihren Durchbruch hatte sie schließlich als kokainsüchtige Gangsterbraut in "Scarface". In weiteren Rollen wie "Die Hexen von Eastwick" oder "Gefährliche Liebschaften" bewies sie, dass sie nicht nur das "Pretty Face" war, wie sie anfangs genannt wurde.
Von der Jazz-Bar-Zicke...
Ihre unvergesslichen Rollen wie als Barsängerin in "Die fabelhaften Baker Boys", als frustrierte Hausfrau in "Love Field" oder als Madame de Tourvel in "Gefährliche Liebschaften" brachten ihr jeweils Oscar-Nominierungen ein. Auch mit dem Golden Globe Award und dem Silbernen Bären wurde sie ausgezeichnet.
Zeigte Michelle Pfeiffer 1992 noch in "Batmans Rückkehr" als Catwoman ihre Krallen und galt eher als zickig und arrogant, so hat sie sich seit der Geburt ihres Sohnes Henry deutlich gewandelt: "Mutter werden hat mir geholfen, nicht immer nur an mich zu denken", sagt sie.
...zur braven Mami
Nicht nur zu Hause hatte Hollywoods ehemalige Sexgöttin damit ihre schönste Rolle gefunden: Auch auf der Leinwand überzeugte sie fortan als alleinerziehende, gestresste Mom in "", ebenso als verzweifelte Mutter in "Tief wie der Ozean" oder in "An Deiner Seite" mit Bruce Willis. Michelles Fazit: "Meine wilden Zeiten sind vorbei. Ich bin eine glückliche Ehefrau und Mutter."
Weniger glücklich war sie vor drei Jahren als ahnungslose Gattin Claire von Harrison Ford in "Schatten der Wahrheit". Ihre harmonische Ehe täuscht, vor Jahren hat ihr Mann sie betrogen. Claire ahnt nichts, wird aber immer öfter von Wahnvorstellungen verängstigt, bis sie der Wahrheit auf die Spur kommt.
Ziemlich bewegt ist auch Michelles eigene Vergangenheit: Nach der gescheiterten Ehe mit dem Schauspieler und Produzenten Peter Horton häuften sich die Skandalgeschichten in der Regenbogenpresse.
Nervengift
Michelle wurden eine Reihe Affären mit anderen Hollywoodstars und wilde Drogenexzesse nachgesagt. Einiges bestätigt sie heute:
"Ich konnte mir keine Texte mehr merken, verlor den Bezug zur Realität. Ich beschloss, mein Leben von einem Augenblick zum anderen radikal zu ändern. Heute bin ich total clean."
Einen filmischen Rückfall in Michelles wilde Jahre gibt es derzeit im Kino zu sehen: In "White Oleander" spielt Pfeiffer zwar wieder eine Mutter, doch die gehört trotz schwedischer Vorfahren eher zur Kategorie Heißsporn: Nachdem ihr Angebeteter ihr das Herz bricht, rächt sich die wunderschöne Dichterin Ingrid Magnussen mit dem Gift ihrer Lieblingsblume an dem Ungetreuen. Der weiße Oleander bringt den Ex ins Grab - und Magnussen lebenslänglich ins Gefängnis.
Liebevolle Worte
Nur ihrer einzigen Tochter Astrid schreibt sie von dort regelmäßig Briefe. So gibt sie der völlig auf sich allein gestellten kleinen Tochter die Kraft, zu überleben.
Und nach 10 Jahren einer gefühlvollen Mutter-Kind-Beziehung, die beide nur durch Worte am Leben erhalten können, lernt die Mutter von ihrer Tochter, was es heißt, wirklich zu lieben.
Fast wie im richtigen Leben.
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