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Biografie

"Wäre ich damals nicht aufs Klo gegangen, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin", erinnert sich Franka Potente an ihren Karrierestart. Sie war zur richtigen Zeit am richtigen Ort - oder besser: Örtchen. Auf der Damentoilette eines Münchner Clubs sprach Nessie Nesslauer die spätere "Lola" an. Der Rest ist Geschichte...

Nesslauer ist heute eine der erfolgreichsten Casting-Agentinnen Deutschlands - und Franka Potente DER weibliche Kinostar Deutschlands und Exportschlager in Hollywood: Mit Superstar Matt Damon ergründete sie das Rätsel um "Die Bourne Identität" und wurde später auch Teil der "Bourne Verschwörung". Damit stürzte sie sich gleich in zwei Agentenspektakel im Blockbusterformat.

In jener schicksalhaften Nacht in München wollte sich Schauspielschülerin Franka eigentlich nur einen gemütlichen Abend mit Freunden machen. Doch eine Unbekannte starrte sie die ganze Zeit an. Franka wurde das so unangenehm, dass sie beschloss zu gehen. Doch vorher ging sie sich noch "die Nase pudern". Die mysteriöse Frau folgte ihr, und als die beiden nebeneinander vor dem Spiegel standen fragte sie plötzlich: "Wir würdest du dich in einem Satz beschreiben?"

Vom Klo zur Dankesrede

Am nächsten Tag stand Franka für Casting-Aufnahmen vor der Kamera. Regisseur Hans-Christian Schmid war vom Ergebnis begeistert: Er engagierte Franka vom Fleck weg als Hauptdarstellerin für sein Filmdebüt "Nach Fünf im Urwald".

Seine freche und liebevolle Komödie ums Jung sein und Jung bleiben wurde unerwartet ein Riesen-Hit und machte Franka Potente über Nacht zum Star. Sie spielte die junge Ausreißerin Anna derart frisch und unverkrampft, dass sie deswegen kurz darauf den Bayerischen Filmpreis für die beste Nachwuchsdarstellerin in den Händen hielt - und das gleich für ihren ersten Kinoauftritt.

Schlechte Erfahrung

Von da an setzte die gebürtige Münsterländerin und Lehrerstochter alles daran, eine Filmkarriere zu starten. Sie brach ihren Schauspielunterricht an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München ab und fand in Hans-Christian Schmid einen neuen Freund und Berater.

Doch nach zwei positiven TV-Produktionen "Rennlauf" und "Coming In" folgte erst mal der Kinoflop "Die drei Mädels von der Tankstelle". Der hat ihrer Karriere zwar nicht wirklich geschadet, aber Franka erinnert sich nur ungern daran:

Rote Haare

"Ich kann gar nicht sagen, wie fürchterlich die Erfahrungen dieses Films waren. In den zehn Monaten danach habe ich kategorisch alles abgelehnt."

Alles außer Tom Tykwers Angebot. Und das war ihr Glück - oder seins? Denn "Lola rennt" wurde ein Riesenerfolg. Als rothaarige Dauerläuferin erstürmte sie die ersten Plätze der Kinocharts, der Film heimste einen Preis nach dem anderen ein: Die Kritik sah ein Werk, das sich mit unkonventioneller Filmsprache auf höchst intelligente Weise mit dem Thema des postmodernen Realitätsverlusts auseinandersetzt; das Publikum sah einfach das Lebensgefühl der späten Neunziger höchst unterhaltsam auf den Punkt gebracht.

Immer bergauf

Mit ihrem Auftritt in Doris Dörries "Bin ich schön?" begeisterte sie dann als (augenscheinlich) taubstumme Tramperin. Darauf folgten weniger aufsehenerregende Kinofilme wie der Actionthriller "Schlaraffenland", in dem sie an der Seite von Heiner Lauterbach eine Polizistin spielt, und die Independentproduktion "Downhill City".

Neben Benno Fürmann spielte sie die Sissi im märchenhaften Liebesdrama "Der Krieger und die Kaiserin", der zweiten gemeinsamen Produktion mit ihrem damaligen Lebensgefährten Tom Tykwer. Auch im Horrorthriller "Anatomie" übernahm Franka die Hauptrolle. Der Film war so erfolgreich, dass es sogar eine Fortsetzung gab - allerdings war Franka nur in einem Kurzauftritt zu sehen. Denn sie hatte sich mittlerweile nach Hollywood abgesetzt.

Tolle Männer

Nach einer Nebenrolle im düsteren High-School-Drama "Storytelling" führte sie ihr erster größerer USA-Auftritt gleich mit dem Ausnahmekönner und abonnierten Antihelden Johnny Depp zusammen: Im authentischen Drogendrama "Blow" (Slang für Kokain) spielte sie seine krebskranke Freundin.

Inzwischen ist sie international ein gern gesehener Gast bei Castings. Der große Erfolg der "Bourne Identität" öffnete ihr sämtliche Türen. Neben Giovanni Ribisi und Christina Ricci ist sie in "I Love Your Work" zu sehen, in "Creep" schlägt sie sich alleine durch die nächtlichen U-Bahnschächte, in "Therese Raquin" bringt sie mit Joseph Fiennes und Glenn Close ihren Mann um, und bald steht sie für Steven Soderberghs "Che" vor der Kamera.

Jenseits von eingebildet

Die deutsche Jungschauspielerin ist also auf dem Weg nach ganz oben: "Mein Vorbild ist Meryl Streep. Wenn ich ihre Filme sehe - die Frau ist immer anders. Sie geht anders, spricht anders. Da steckt echt harte Arbeit dahinter, die man aber nicht sieht. Und das möchte ich irgendwann mal schaffen. Halb so gut zu sein, das würde mir schon reichen".

In Tinseltown hält man offensichtlich schon jetzt große Stücke auf die mandeläugige Schönheit. Doch ihrer Heimat kehrt Franka noch lange nicht den Rücken. Zwischen den Erfolgen im Ausland drehte sie das Klon-Drama "Blueprint" und wird bald neben Moritz Bleibtreu in Oskar Roehlers "Elementarteilchen" zu sehen sein. Erfreulich zu hören, denn das beweist, dass unser Export-Star weit davon entfernt ist, vom Boden abzuheben.

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