Sympathisch verknautscht, lässig und süffisant - so liebt ihn seine große Fangemeinde. Maulfaul bis übellaunig, kratzbürstig und wenig kooperativ - so kennen ihn Journalisten, die den notorisch mühsamen Interviewpartner schon unter vier Augen treffen "durften".
Der wahre Uwe Adam Ochsenknecht ist in Wirklichkeit wohl ein ganz anderer und zeigt möglicherweise nur im Kreise der Lieben sein wahres Gesicht. Seit 16 Jahren steht jedoch ein Mensch ganz hoch in der Gunst des des Schauspielers: seine Ehefrau Natascha, Ex-Model und Mutter der drei gemeinsamen Kinder.
Nicht immer hängt der Himmel des Paars voller Geigen. Ende der 90er Jahre steht die Ehe auf der Kippe. Nicht zuletzt der Skandal um den sexuellen Missbrauch ihres Sohnes Wilson Gonzales durch einen Bekannten der Familie belastet die Beziehung.
Doch die beiden raufen sich wieder zusammen und können mit der vierjährigen Tochter Cheyenne einen unumstößlichen Beweis für die geglückte Versöhnung präsentieren. 2003 lassen sie sich schließlich nackt und aneinander gekettet für ein Protestplakat der Tierschutzorganisation PETA fotografieren. Im gleichen Jahr stehen sie sogar gemeinsam mit Wilson Gonzales und dem jüngeren Sohn Jimi Blue für das Fußball-Abenteuer "Die Wilden Kerle" vor der Kamera.
Mitte der siebziger Jahre fasst der an der Bochumer Schauspielschule ausgebildete Ochsenknecht erstmals Fuß in der Branche. Nationale Bekanntheit erlangt er schon kurz darauf als Bootsmann Lamprecht, einem von vielen Ensemble-Mitgliedern in Wolfgang Petersens unvergesslichem Kriegsdrama "Das Boot" (1979).
Doch zum Star macht ihn erst Doris Dörries kultige WG-Komödie "Männer", in der der blonde Mime mit der hohen Stirn als entspannter Hippie-Grafiker dem coolen Werbemanager Heiner Lauterbach die Frau ausspannt. Und den Bundesfilmpreis in Gold gibt's 1986 noch obendrauf.
Der ewig zerzaust aussehende Ochsenknecht ist übrigens Botschafter der Initiative ProHaar, die gegen Haarausfall kämpft. Und obwohl Uwe kaum seinen wüsten Look verändert, genießt er weiterhin ungebrochene Popularität. "Uwe ist schon allein von seinem Äußeren her eine ganz ungewöhnliche Erscheinung", sagt Regisseur Helmut Dietl über ihn. "Er hat einen internationalen Kopf, der Mann!"
Dietl ist es auch, der Ochsenknecht als Hitler-Tagebuchfälscher Fritz Knobel in "Schtonk!" 1991 einen denkwürdigen Kinoauftritt und damit einen Bambi beschert. Erst 2004 kommt es bei "Vom Suchen und Finden der Liebe" zu einem weiteren gemeinsamen Projekt, das jedoch bei Presse wie Publikum auf durchwachsene Reaktionen stößt.
Stets sucht der Wahl-Münchner nach dem Besonderen in seinen Rollen. Nicht umsonst legt er auch so viel Herzblut in die Rolle des arbeitslosen Schalke-Fans Hans Pollak aus "Fußball ist unser Leben". Der Lohn: der zweite Deutsche Filmpreis. Doch auch vor Anspruchsvoll-Historischem schreckt der erfolgreiche Musiker - sein gefälliges Rock-Album "Ochsenknecht" verfehlte nur knapp den Gold-Status - nicht zurück.
Er spielt den "Bismarck", den stocksteifen Prinzen von Baden in "Kaspar Hauser" oder Papst Leo X. im Überraschungserfolg "Luther".
Aktuell liegt er sich gerade höchst vital im Kino mit dem beinahe gleichaltrigen, aber nicht ganz so berühmten Armin Rohde in den Haaren: in Dominique Derudderes bitterböser Comic-Adaption "Die Bluthochzeit".
Anfang 2006 steht dem vielseitigen Schauspieler, der in Biblis bei Worms geboren wurde, eine weitere Hürde ins Haus: der 50. Geburtstag. Kein Grund für Ochsenknecht, sich aufs Altenteil zu verlegen:
"Ich habe doch auch das Feiern nicht verlernt, nur weil ich Familie habe. Lediglich die Exzesse der Jugend brauche ich nicht mehr."
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