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Biografie

"Wenn Du es schaffst, dass den Leuten im Kino die Luft weg bleibt, dann ist das das Größte, der absolute Kick, sogar besser als Sex. Kein Bürojob kann Dir so etwas bieten. Es ist sicher eine seltsame Art, sich seine Brötchen zu verdienen, aber mir gefällt es."

Dass Gary Oldman diesen "Kick" erleben darf, verdankt er zweierlei: Zum einen der unglaublichen Intensität, mit der er seine Rollen ausfüllt, sie annimmt, ja, sie förmlich verzehrt. Zum anderen der Tatsache, dass er nicht wie sein Vater Leonard frühzeitig den Folgen des Alkoholismus erlag - knapp davor war auch er.

Der unscheinbare Brite mit den Pockennarben im Gesicht muss überhaupt ein übler Zeitgenosse sein - zumindest wenn man den Damen und Herren in den Casting-Büros Glauben schenkt:

Oldman war unter anderem Sid Vicious, Frontmann und Chef-Schocker der Sex Pistols, in "Sid und Nancy", er war Lee Harvey Oswald (der Mörder von "JFK"), er war der blutrünstige Graf "Dracula", der cholerische Komponist "", der russische Terrorist Korshunov an Bord der "Air Force One", der blutdurstige Cop Stansfield als Gegenspieler von "Leon", der SciFi-Teufel Zorg aus "Das fünfte Element", der wiefe Hardliner Runyon in der Polit-Satire "Rufmord - Jenseits der Moral" und der von "Hannibal" völlig entstellte Mason Verger - auch wenn man's nicht glauben mag.

Ein Bösewicht mit Leib und Seele

Sein Kommentar zu dieser markerschütternden Schurkensammlung: "Das sind eben die Drehbücher, die mir ins Haus flattern. Dabei würde ich so gerne mal eine romantische Komödie machen, aber solche Rollen bietet mir einfach niemand an."

Ein ungestümer, finsterer Knastbruder ist er auch als Sirius Black in "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". Wenigstens kann er mit dieser Rolle die Herzen der Kinder gewinnen. Das ist doch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Crew von "Ludwig van B." behauptet allerdings, Oldman sei auch am Set ein Monster und die cholerischen Ausbrüche im Biopic mit Isabella Rossellini seien mitnichten nur gespielt.

Vom Vater zu "Dracula" inspiriert

Wer Oldmans Philosophie kennt, wird da widersprechen. Sein Spiel ist dem Method Acting verwandt, doch er geht noch einen Schritt weiter: "Das Publikum will ECHTE Gefühle sehen, und die gilt es zu aktivieren."

So erklärt sich auch seine revolutionäre Interpretation des Grafen Dracula als düsterer Melancholiker, der über den Verlust seiner großen Liebe verzweifelt und fortan mit Gott hadert. Um das darzustellen, rührte er an eine alte, tiefe Wunde:

"Mein Vater ließ uns im Stich, als ich sieben war. Danach habe ich ihn 15 Jahre lang kaum gesehen - und plötzlich starb er. Ein unglaublicher Verlust, auf so einem Gefühl kann man aufbauen."

Selbst ist der Oldman

Das Resultat: Oldmans Durchbruch in den USA. Zuvor hatte er sich längst einen exzellenten Namen an britischen Bühnen gemacht und in Filmen wie "Sid und Nancy", "Prick up Your Ears", "Track 29" und "Im Vorhof der Hölle" (an der Seite von Tim Roth) brilliert.

Gary ist ohnehin die Inkarnation des amerikanischen Traums: Ein Arbeiterkind, das nach dem ruhmlosen Abgang des Vaters als Schuhverkäufer für Mutter und Geschwister sorgt und sich nebenbei selbst das Klavierspielen und die Schauspielerei beibringt.

Ein geborener Sprachartist

Dann ein Stipendium am renommierten Rose Buford College of Speech and Drama, ein Engagement bei der Royal Shakespeare Company, Theaterpreise und schließlich der Sprung nach Hollywood.

Dass Oldmans chamäleonartiges Spiel manchem beängstigend real erscheint, ist da nicht überraschend. Der Brite wird - anders als beispielsweise Kollege Branagh - problemlos als Amerikaner besetzt, weil er sämtliche (!) Dialekte des Landes beherrscht. Er ist dafür berühmt, jede Rolle mit einem eigenen Sprachgestus zu versehen.

Der ewige Verwandlungskünstler

Das beste Beispiel dafür ist wiederum "Dracula" mit einem nachgerade magisch anmutendem Transsylvanisch - wohl dem, der die Originalfassung hörte.

Seine physische Verwandlungsfähigkeit steht dem in nichts nach: Für "Sid und Nancy" machte Oldman eine derart brutale Diät, dass er wegen akuter Unterernährung im Krankenhaus landete. Und mit Francis Ford Coppola kriegte er sich in die Haare, weil sich dessen aufwändige Kostümierung in "Dracula" "derart in den Vordergrund drängte, dass kein Raum mehr für Körperspiel blieb.

Auf der Suche

Oldman hat eben klare Vorstellungen vom Filme machen. Folgerichtig gab er 1997 sein Regiedebut in "Nil by Mouth", seinem in Cannes hoch gelobten Lebensprojekt über die Tristesse einer britischen Arbeiterfamilie.

Privat sucht er seinen Weg dagegen noch: Der dreifache Vater wurde bereits ebenso oft geschieden, Vorgängerin seiner letzten Gattin Donya Fiorentino war von 1990-92 übrigens Uma Thurman.

Aber was für ein Mensch ist dieser Gary Oldman denn nun wirklich:

Krawallbruder oder Kuscheltier?

"Viele denken, ich sei schwierig und verrückt und dass ich auch deswegen diese Rollen spiele. Dabei bin ich ein echtes Schmusekätzchen - fragen sie Luc Besson."

Jener spricht: "Gary ist der beste Schauspieler, den ich kenne." Besson hat in "Leon" und "Das fünfte Element" mit Oldman gearbeitet. Leinwandlegende Anthony Hopkins über seinen Kollegen: "In ihm brennt das Feuer einer großen Leidenschaft."

Kein Zweifel.

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