"Es ist alles nur ein Gerücht. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass ich in 'Croupier' einen Smoking trug und in BMW-Kurzfilmen schnelle Autos fuhr". Gelassen bleibt Clive "Bond" Owen auf dem Boden, und doch gibt es manches mehr, das Clive und James verbindet.
Dass Clive Owen bereits als Schüler eine Doppelnull war, gehört nicht dazu. Das war nur Konsequenz einer Leidenschaft, die völlig von ihm Besitz nahm, seitdem er als 12-Jähriger den Artful Dodger in einer Aufführung von "Oliver" gespielt hatte.Was ihn wirklich tauglich zum Martini-Agenten macht, ist die maskuline Ausstrahlung eines noblen, wortkargen, geheimnisvoll-gefährlichen Verführers, der auch verwunden kann.
Seit seinem Durchbruch als unterkühlt-kontrollierter "Croupier", auf den Frauen im Bett setzen, spielen viele seiner Filme mit diesem Image. In "I'll Sleep When I'm Dead" meldet er sich als Gangster im Ruhestand nach drei Jahren Funkstille bei Ex-Freundin Charlotte Rampling. "Pack deine Sachen, ich hol' dich in 3 Stunden ab", genügte als Versöhnungsdialog, um sie auf die Reise zu bringen.
"Er ist selbstbewusst, was auch in seinen Rollen sichtbar wird. Ein sehr eleganter Mann, der so ziemlich alles bewältigen könnte, mit dem man ihn konfrontiert", schwärmt Natalie Portman von ihrem Partner in Mike Nichols neuem Film "Closer" (ab 13.1.2005 im Kino). 1997 spielte er dieses Beziehungsdrama bereits auf der Bühne, die für ihn zur wichtigsten Schule wurde.
Der Sohn eines Country- und Western-Sängers, der mit vier Brüdern in der Nähe von Coventry aufwuchs, verblüffte Mutter und Stiefvater mit dem frühen Bekenntnis, Schauspieler werden, aber nichts dafür lernen zu wollen - weil das mit Berufung, nicht mit Training zu tun habe.
Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit legte er seine Arroganz ab, ging 1984 an die Royal Academy of Dramatic Arts und danach zum Young Vic Theatre.
Dort eroberte er als Romeo seine Julia, die Schauspielerin Sarah Jane Fenton, die 1995 seine Frau und später Mutter seiner zwei Töchter wurde. Nicht nur im Theater suchte er riskante Rollen, darunter die eines Bisexuellen in Noel Cowards "Design For Living".
Vergleichbar gewagt war auch sein zweiter Kinofilm "Schließe meine Augen", in dem Owen von seiner Schwester zuerst zum Inzest ("Halte mich auf, halte mich auf!"), dann fast in den Wahnsinn getrieben wurde, weil er im Unterschied zu ihr nicht mehr die Bremse fand.
Ähnliche Leidenschaft outet Owen öffentlich nur, wenn es um David Bowie, Milan Kundera oder den FC Liverpool geht.
TV-Serien wie "Capital City" oder "Chancer", die ihn Ende der Achtziger als Smartie in England populär machten, registrierte man hierzulande so wenig, wie sein Hollywood-Debüt "Tödliche Verschwörung" oder "Bent".
In der Bühnenadaption hatte Owen als schwuler KZ-Häftling ein Verhältnis mit Lothaire Bluteau, einem seiner echten Theateridole. "Croupier" aber veränderte alles.
Für coole Regisseure spielte er in diversen BMW-Spots den lakonischen Chauffeur, für Robert Altman in "Gosford Park" den undurchschaubaren Butler. Dass er jetzt im Actionabenteuer "King Arthur" zum künftigen König von Britannien wird, zeigt, wie weit es ein Arbeiterkind trotz Klassensystem im Empire bringen kann.
Sogar im verfilmten Noir-Comic "Sin City" ist der 39-jährige Aufsteiger besetzt. Das war sein Ritterschlag zum Sir Coolness, wie auch seine mögliche Beteiligung an Francis Ford Coppolas Traumprojekt "Megalopolis".
Doch Owen kennt die Fallen des Glücksspiels, die Bedeutung von Selbstkontrolle für die Karriere: "Ein Spieler ist ein Verlierer - ein Croupier aber ein Gewinner".
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