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Biografie

Intellektuelle, Schöngeister und Künstler stellt er ebenso überzeugend dar, wie Profisportler, Penner oder harte Cops: Nick Nolte, Star seit den 70er Jahren, ist Hollywoods Leading Man für alle Fälle - und einer seiner schwierigsten Fälle obendrein. Denn leicht hat es der hochgewachsene, blonde Bilderbuch-Frauentyp in seiner bewegten Karriere weder sich noch anderen gemacht.

Dem von klein auf rebellisch gesonnenen Kraftprotz ward zunächst einmal statt des Schauspielens der Sport in die Wiege gelegt. Während seine schulischen Leistungen zu wünschen übrig ließen - angeblich erlernte little Nicky die Kunst des Lesens und Schreibens so richtig erst als Erwachsener - trug ihm ein Händchen für den Football insgesamt fünf verschiedene College-Stipendien ein.

1962 verurteilte ihn ein Gericht wegen Herstellung und Handel mit gefälschten Einberufungsbescheiden zu fünf Jahren Gefängnis - Vietnam begann sich damals zur großen Sache auszuweiten. Und im selben Jahr kam er mit der Schauspielerei in Berührung, als er voll Begeisterung einer Aufführung von Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" beiwohnte.

Schauspieler auf Bewährung

Da die Richter so freundlich waren, seine Strafe zur Bewährung auszusetzen, konnte Nolte sich auf eine Reise kreuz und quer durchs Land begeben, Beatnik werden, und an diversen Regionaltheatern Bühnenerfahrung sammeln. Das tat er 14 Jahre lang.

Mit 35 folgte Nolte 1976, längst zum Literaturkenner und versierten Bühnenakteur gereift, dem Lockruf des Fernsehens und übernahm die Rolle des knapp 20-jährigen Tom Jordache in der Miniserie "Reich und Arm" - nicht ahnend, welch plötzliche Prominenz ihm dieser spektakuläre Quotenrenner bescheren würde.

Danke, nein!

Die Schlange der Produzenten, die daraufhin anstanden, um den offenbar ebenso talentierten wie gutaussehenden Gardemaß-Blondschopf für alles mögliche zu verpflichten, wuchs noch beträchtlich an, als Nolte den Abenteuerfilm "Die Tiefe" nach einem Roman von "Der Weiße Hai"-Autor Peter Benchley nachlegte und damit gleichzeitig sein Gesellenstück auf der großen Leinwand ablieferte. Nolte aber hatte andere Pläne.

Dem kunstsinnigen Außenseiter, der er trotz der frühen Erfolge geblieben war, stand der Sinn nach anspruchsvollen Filmen mit Botschaft und Tiefgang. Popcorn-Kino sollten andere machen.

Kein Schrott

Wegen dieser Einstellung verschwinder er regelmäßig immer dann, wenn ihm alle Welt den endgültigen kommerziellen Durchbruch verheißt, für die breite Zuschauermasse erst einmal von der Bildfläche. Für seelenlose Industrieprodukte hat er nur Verachtung übrig, Promotion ist ihm ein Greuel, und auch mit großen Gagen war er nie zu einem Film zu locken.

Als drogenschmuggelnder Vietnamveteran in "Dreckige Hunde", als Beat-Poet Neal Cassidy in "Herzschläge" und mit der Steinbeck-Adaption "Cannery Row" stellte er klar, wonach ihm hauptsächlich der Sinn stand: Anspruch und gute Drehbücher.

Über zwei Nächte zum Star

Doch 1982 war die Zeit reif: Mit der Actionkomödie "Nur 48 Stunden" wurden Eddie Murphy, Nick Nolte und Regisseur Walter Hill gleichzeitig zu Top-Namen im Geschäft. Nolte, zu dieser Zeit dem Alkohol schon mindestens genauso zugetan wie sein Leinwand-Alter-Ego, wurde wieder einmal der endgültige Durchbruch bescheinigt.

Zwar waren alle drei schon vorher recht erfolgreich, doch erst der definitive Meilenstein des modernen Buddy-Movie katapultierte sie gemeinsam in den Rang von Markenzeichen (freches Motormouth, Actionkönig, neuer Dirty Harry). Hill und Murphy blieben ihren Klischees treu, Nolte nicht.

Pauker, Reporter, Knacki

Nick Nolte drehte munter weiter jene Filme, die er auch gemacht hätte, falls "Nur 48 Stunden" gefloppt wäre - mit dem Unterschied, dass diese Filme nun von viel mehr Menschen gesehen wurden.

Im komödiantisch eingefärbten High-School-Drama "Die Aufsässigen" gab er einen rebellischen Pauker, in Roger Spottiswoodes "Under Fire" wagte er sich als Journalist zwischen mittelamerikanische Bürgerkriegsfronten, und im allseits unterschätzten "Der stählerne Vorhang" empfahl er Schauspiel als Gefängnistherapie.

Ups and Downs

Einen breiten Kassenerfolg gab's zu feiern, als Hollywoods inoffizieller Stadtschreiber und Woody-Allen-Vertreter Paul Mazursky den frischgebackenen Actionhelden als Penner in "Zoff in Beverly Hills" besetzte und bei dieser Gelegenheit mit dem aufstrebenden Comedy-Naturtalent Bette Midler kreuzte. Neben "Nur 48 Stunden" zählt diese wahrhaft erlesene bürgerliche Therapiesitzung sicherlich zum besten, was Nolte aus der Unterhaltungsabteilung zu bieten hat.

Seither geht es für den außenstehenden Betrachter mit Noltes Karriere munter durch ein Wellental, mal hinauf ("Herr der Gezeiten", "Lorenzos Öl", "Kap der Angst"), mal hinunter ("Und wieder 48 Stunden", "Tödliche Fragen", "I Love Trouble - Nichts als Ärger").

Junior rückt nach

Im privaten Leben ist der dreifach geschiedene Vater eines Sohnes ebenfalls halbwegs zur Ruhe gekommen. Lieferte er sich früher öffentliche Ehekriege mit seinen Ex-Frauen und den Klatschblättern Schlagzeilen durch wilde Affären mit Co-Stars (wie Debra Winger in "Cannery Row"), so fällt der nunmehr in Malibu Beach residierende Nick Nolte auch diesbezüglich durch strikte Abstinenz auf.

Stattdessen rückt nun langsam auch sein Filius ins Rampenlicht: Brawley Nolte debütierte 1996 erfolgreich als Mel Gibsons Filmsohn im Entführungsthriller "Kopfgeld - Einer muß bezahlen".

Mit den Besten

Nolte ist nicht erst seit seiner Oscar-Nominierung im Jahr 1992 für "Herr der Gezeiten" bemüht, keinen für künstlerische Ambitionen berühmten Hollywood-Regisseur mehr auszulassen. Mit Scorsese drehte er vor "Kap der Angst" "New Yorker Geschichten", mit Robert Altman "The Player", mit Paul Schrader "Der Gejagte", mit Oliver Stone "U-Turn", mit James Ivory "Jefferson in Paris" und "The Golden Bowl".

Am 11. September 2002 erlebt er einen Tiefpunkt: Völlig zugedröhnt hatte ihn die Polizei aus dem Auto gezerrt, nachdem er wie ein Verrückter den Pacific Coast Highway in Kalifornien entlanggerast war. Unter großem Mediengetöse wurde er zu einer Bewährungsstrafe unter strengen Auflagen verurteilt. Nolte zu seiner unendlichen Alkohol- und Drogengeschichte:

Kämpfer

"Ich habe mein ganzes Leben lang mit diesen Dingen zu tun. Immer wieder kommt das hoch und wirft mich zurück. Dann fange ich an, ein bisschen hiervon, ein bisschen davon zu nehmen. Und bevor ich mich versehe, ist es mehr als nur ein bisschen und das jeden Tag. Im September war ich wirklich ganz unten. Um ehrlich zu sein, war ich froh, dass man mich verhaftet hat und das Ganze so ein Ende finden musste."

Während der harten Zeit des Entzugs lenkte sich Nolte mit einer weiteren Hollywoodgröße ab: Unter der Regie von Ang Lee ("Der Eissturm", "Tiger & Dragon") drehte er die aktuelle Marvel-Verfilmung "Hulk", in der er den Vater des legendären grünen Helden mit dem Wutproblem spielt (... nicht wirklich Kunst, aber, hey, it's Ang Lee!).

Edle Reife

Der mittlerweile 60-Jährige arbeitet wie ein Besessener, und wenn er es jetzt noch schafft, sich auch die drei Päckchen Kippen pro Tag abzugewöhnen, dann wird er garantiert noch als 70-Jähriger irgendwo einmal den endgültigen Durchbruch schaffen.

Und den Oscar gewinnen. Ganz bestimmt.

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