Seit er als Jedi-Master in "Star Wars: Episode I" märtyrerhaft gelasert wurde, ist er der starke Baum, nach dem sich junge Äste ausrichten.
Wie beispielsweise Leonardo DiCaprio in "Gangs of New York", Orlando Bloom bald in "Königreich der Himmel" oder Christian Bale in "Batman Begins". Steven Spielberg plant mit ihm sogar eine Abraham-Lincoln-Biographie. Eine gute Wahl, kennt doch sein Star das Trauma eines Bürgerkriegs, das auch Lincoln erlebte, aus erster Hand.
Katholik Neeson wuchs mit drei Schwestern im vorwiegend protestantischen nordirischen Ballymena auf. Vereinnahmen ließ er sich aber von keinem, spielt auf Fragen zum Nordirlandkonflikt den Stummen - wie in seinem US-Debüt "Suspect - Unter Verdacht".
Obwohl er wie ein Schrank gebaut ist, ist der 52-Jährige ein Mann des Ausgleichs, scheint nichts gemein zu haben mit Rekordsäufern und Pubschlägern, dem Image der Iren: "Es ist sehr leicht, diese ganze Gewalt oder diesen kalten Blick abzurufen, der im Grunde nichts ausdrückt. Ich weiß, dass ich diese sanfte Qualität besitze und ich zeige sie gerne, weil man davon im Kino meiner Ansicht nach viel zu wenig sieht."
Bevor die Gandhi-Gene im Alter dominant wurden, stand ein Lernprozess, denn als Kind übte sich der Sohn eines Hausmeisters und einer Köchin in härteren Kommunikationsformen: "Fast zehn Jahre lang, von neun bis siebzehn, war ich Boxer, aber den Killer-Instinkt hatte ich wirklich nicht. Man sagte mir, ich wäre gut, aber vor jedem Turnier machte ich mir vor Angst fast in die Hosen."
Mit gebrochener Nase verließ der irische Jugendmeister den Ring, landete nach seinem Ausstieg aus Mathematik- und Informatikstudium sowie abgebrochener Lehrerausbildung beim Lyric Player's Theatre. Zwei Jahre später gehörte er zum Ensemble des Abby Theatre in Dublin, wurde dort von Regisseur John Boorman für "Excalibur" entdeckt.
Das Artus-Epos führte zu kleinen Rollen in aufwändigen Filmen ("Krull", "The Bounty", "Mission") und zu einer dreijährigen Beziehung mit Helen Mirren.
Die grandiose Bühnen- und Filmdarstellerin wurde sein Obi-Wan Kenobi: "Sie hat mir so vieles beigebracht. Sie sagte 'das sind Spaghetti, das ist Sushi, ja, es ist roher Fisch, aber gut für dich. Halt den Mund, und iss'. Sie zeigte mir Paris und London und wie man Shrimps essen muss."
So präpariert ging der Hüne nach Hollywood, angelte sich nach "Satisfaction" Julia Roberts. Hineingeheiratet jedoch hat er 1994 in britische Schauspielaristokratie. Natasha Richardson, Tochter von Vanessa Redgrave, hatte er 1984 bei der Miniserie "Ellis Island" kennen und auf der Bühne in "Anna Christie" schließlich lieben gelernt.
Mit der Mutter seiner zwei Söhne spielte er auch in "Nell", entwickelte bei den Dreharbeiten eine Obsession fürs Fliegenfischen. Seine andere für Motorräder gab er nach Kollision mit einem Reh und schmerzhafter Rekonvaleszenz auf.
Unverändert begeistert ist Neeson vom Theater, das er bevorzugt, weil es von Schauspielern, nicht Regisseuren dominiert wird. Zwei Tony-Nominierungen (wichtigster US-Bühnenpreis) steht eine Oscar-Nominierung für "Schindlers Liste" gegenüber.
Heroische Figuren mit Schwächen sind die Spezialität des in der Nähe von New York lebenden Familienmenschen.
Viele davon sind authentisch wie Oskar Schindler, "Rob Roy", "Michael Collins" oder auch der legendäre Sexualforscher "Kinsey", der freie Liebe nicht nur propagierte, sondern auch lebte.
Konsequenzen muss Frau Natasha jedoch befürchten: "Ich habe gelernt, meine Figur am Ende des Tages wie einen Mantel aufzuhängen und sie am nächsten Morgen wieder abzunehmen."
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