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Biografie

Kantig, hart gegen sich selbst, diszipliniert und als "Offizier und Gentleman" vielseitig verwendbar: So empfahl sich Viggo Mortensen in den 90ern als Nebendarsteller erster Güte. Dann holte ihn Peter Jackson als Aragorn für seine fulminante "Herr der Ringe"-Trilogie nach Mittelerde. Für Mortensen wohl ein Ritt in die Unsterblichkeit...

Viggo Mortensen, in New York als Sohn eines dänischen Vaters und einer amerikanischen Mutter geboren, ist ein echter Kosmopolit: Er spricht fließend Dänisch, Spanisch und Englisch, dreht auch in allen drei Sprachen. Neben seiner Arbeit vor der Kamera veröffentlicht er in seinem Edel-Verlag "Perceval Press" politische Bücher, schreibt Gedichte, arbeitet als Fotograf und Musiker. Ein klassisches Multitalent.

Ein frühes Kino-Debüt hatte Mortensen schon als Jugendlicher in Peter Weirs Krimi "Der einzige Zeuge": Er mimte den kleinen Bruder des Amish, der in Kelly McGillis verliebt ist. Mortensens eigentliche Laufbahn nahm später mit zwei Ganovenrollen ihren Anfang: in Brian De Palmas "Carlitos Weg" und in "Young Americans". Die erste Hauptrolle spielte er dann im Action-Krimi "American Yakuza" als Undercover-Cop, der die Seiten wechselt.

Nichts für Weicheier

Als Polizistenmörder wurde der Däne in "Boiling Point" von Wesley Snipes gejagt und nahm in "Ruby Cairo" als Krimineller Liam Neeson in die Zange. Als Waffen-Offizier Lt. Ince stand er dann in "Crimson Tide" auf dem U-Boot zwischen Denzel Washington und Gene Hackman und im ersten der Horrorfilme um "God's Army" war er Luzifer persönlich.

Ein Karrierehöhepunkt ist Mortensens Auftritt als beinharter Ausbilder von Demi Moore in "Die Akte Jane": Er treibt die einzige Frau unter den Marines an ihre physischen Grenzen und zieht im Finale den Hut vor ihr.

Auf Alfreds Spuren

Im Hitchcock-Remake "Ein perfekter Mord" zeigte Mortensen 1998 als Maler und Liebhaber von Gwyneth Paltrow, der sich von deren Ehemann Michael Douglas aus Geldgier zum Mord an der Geliebten anstiften lässt - und dann von ihr in Notwehr erstochen wird. Vorbild: "Bei Anruf Mord". Das zweite Remake wurde Gus Van Sants viel kritisierte "Psycho"-Version in Farbe.

Neben Superstar Sandra Bullock gehörte Mortensen in "28 Tage" dann zu den Insassen einer Reha-Klinik für Alkoholsüchtige. Auch hier bewegte sich Mortensen bestenfalls im Mittelmaß.

Jahrtausend-Rolle

Doch das Millennium wurde für Mortensen zum entscheidenden Wendepunkt: 2000 verzichtete er kurzfristig auf die Rolle des Liebhabers der offenherzigen Angelina Jolie in "Original Sin". Stattdessen schloss er sich als Aragorn dem All-Star-Cast von Peter Jacksons Tolkien-Verfilmung der Romantrilogie "Der Herr der Ringe" an:

"Sie riefen mich an und fragten, ob ich morgen nach Neuseeland reisen kann", erinnert sich Mortensen an die Hauruck-Aktion. "Das Team war schon drei Wochen am Drehen und ich hatte noch nicht mal das Buch gelesen - gute Gründe, das Ganze sein zu lassen. Aber mein Sohn kannte die Trilogie und hatte mit Freunden über das Angebot gesprochen. Er fragte mich, welche Rolle man mir angeboten hätte. Als ich sagte 'Aragorn', meinte er. 'Das ist super - der ist cool!' Also habe ich es gemacht."

Hollywoods reitender Held

Eine Entscheidung mit Folgen: Seit der fulminanten "Rückkehr des Königs" blüht Mortensen wohl ein ähnliches Schicksal wie Ian McKellen. Der schätzt die Bedeutung seiner Rolle in der epochalen Fantasy-Trilogie so ein: "Wenn ich sterbe, wird die Schlagzeile nicht lauten 'Ian McKellen verstorben', sondern 'Gandalf ist tot!'"

So wurde Mortensen sein anschließender Auftritt in "Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm" auch als ungeschickt angekreidet: wieder ein zögernder Held, wieder hoch zu Ross, wieder ein breites Epos - kein guter Film, um das Aragorn-Image aufzuweichen. Ähnliches gilt auch für seinen Auftritt als spanischer Volksheld "Alatriste", allerdings schaffte es das ebenfalls huflastige Heldenlied gar nicht in die deutschen Kinos.

Edel sei der Mensch...

In "A History of Violence" sah es dann aber für Mortensen wieder ganz anders aus. Er führt das perfekte Leben als Familienvater, bis zu dem Tag, an dem er in seinem Restaurant zwei Verbrecher niederstreckt. David Cronenberg brachte dabei erstmals die dunkle Seite in Mortensen zum Vorschein.

Das klappte so gut, dass auch Viggos neuester Streich "Tödliche Versprechen" mit dem Kultregisseur hinter der Kamera entstand. Mortensen zeigt sich als fieser Boss der Russenmafia, mit dem sich Naomi Watts anlegt. Menschenhandel und Pornografie sind dabei das Geschäft und Viggo verwandelt sich körperlich fast bis zur Unkenntlichkeit. Zur Belohnung könnte es einen Oscar geben.

Es ist also noch viel zu erwarten vom einstigen Fernfahrer und passionierten Jazz-Fan. Auch wenn Viggo sagt: "Ich plane meine Karriere nicht. Ich warte und hoffe, dass das Richtige mich findet." Hat ja bisher bestens geklappt.

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