In der DDR war er ein gefeierter Bühnenstar, dann eroberte er den deutschen Film. Ob als Pathologe in der Serie "Der letzte Zeuge" oder nun als Stasispitzel im Drama "Das Leben der Anderen" - Ulrich Mühe ist vielseitig und sammelt Auszeichnungen wie kein Zweiter.
Er gilt als Alleskönner. Doch dieses Prädikat ist Ulrich Mühe nicht zugeflogen, er musste es sich schwer erarbeiten - in über 50 Filmen. Zuerst spielte er auf der Theaterbühne die großen Rollen, im Jahr 1989 schaffte er den Kinodurchbruch mit Bernhard Wickis Film "Das Spinnennetz". 2002 errang er mit "Der Stellvertreter" internationale Aufmerksamkeit. Doch auch im Fernsehen fühlt er sich daheim: Von der ZDF-Serie "Der letzte Zeuge" lief jüngst die siebte Staffel an.
Ulrich Mühe beherrscht die knallharte, aber auch die ganz sanfte Tour. Seine Wandlungsfähigkeit verblüfft jeden: "Er hat eine ungeheure Vielfalt der Gesten und Stimmen, und eine Wortkraft, die man nur haben kann, wenn man ein uriges Talent hat und vom Theater kommt", so "Lindenstraße"-Erfinder Geißendörfer.
Doch Mühe ist ein Leisetreter, der viel Distanz benötigt, um seine Kunst entfalten zu können. Vielleicht liegt sein Geheimnis in dieser Weisheit begründet - und ein Geheimnis hat der Mann mit dem sanften Augen ganz bestimmt: "In der DDR war die Figur, die man spielte, wichtig, nicht der Marktwert als Star."
Friedrich Hans Ulrich Mühe wurde am 20. Juni 1953 im sächsischen Grimma geboren. Ehe es ihn 22-jährig zum Studium an die Leipziger Theaterhochschule "Hans Otto" zog, absolvierte er eine Berufsausbildung als Baufacharbeiter. 1979 debütierte er als Lyngstrand im Bühnenstück "Die Frau am Meer". Bis ihn 1982 sein Freund und Förderer, der Dramatiker Heiner Müller entdeckte und für seine "Macbeth"-Inszenierung auf der Ostberliner Volksbühne verpflichtete.
Dies war der Beginn einer großen Bühnenkarriere: In den 80er-Jahren entwickelte sich Mühe zum Star des Deutschen Theater-Ensembles in Ostberlin. Nach dem Fall der Mauer setzte er sich im Westen durch, darunter am Burgtheater Wien und den Salzburger Festspielen.
Seit Beginn der 80er-Jahre war er außerdem in Film- und TV-Rollen für die DEFA zu sehen. Die Wende steckte das Multitalent mühelos weg und ließ sich mehrfach von Michael Haneke ("Caché") auf der großen Leinwand inszenieren: Als Vater in "Benny's Video", als Landvermesser K. in "Das Schloß" und schließlich in der kontroversen Gewalt- und Medienkritik "Funny Games".
Ob als Vater in der Kinokomödie "Rennschwein Rudi Rüssel" oder Dr. Lentz in der Satire "Schtonk!" - Mühe liebt die Gegensätze. Auch für Genreproduktionen wie den Actionthriller "Straight Shooter" neben Dennis Hopper oder den Werwolfthriller "Sieben Monde" ließ er sich einspannen.
Schneidendes Profil gab er 2002 dem mörderischen SS-Doktor in Constantin Costa-Gavras "Der Stellvertreter", wo er als "Verkörperung alles Bösartigen" brillierte. Im Eiswüstendrama "Schneeland" spielte er an Seite von Julia Jentsch den gebrochenen Tyrann Knövel.
Nun ist er mit dem DDR-Thriller "Das Leben der anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck im Kino zu sehen. Als linientreuer Stasi-Hauptmann Wiesler wandelt er sich vom effizienten Vollstrecker zum Regimegegner. Für die Rolle habe er sich lediglich an die Zeit im Sozialismus erinnern müssen, so Mühe. Für seine überzeugende Leistung erhielt er 2006 zum zweiten Mal den Bayerischen Filmpreis als bester Darsteller.
Der Mann mit der geheimnisvollen Aura lebt in dritter Ehe mit Susanne Lothar und ihren gemeinsamen Kindern Marie und Jacob in Berlin. Aus zweiter Ehe stammt die Schauspielerin Anna Maria Mühe ("Was nützt die Liebe in Gedanken").
Sich selbst schätzt der Charakterschaupieler so ein: "Ich bin kein lauter Typ und auch kein Revoluzzer. Ich brauche gegenseitiges Vertrauen. Sonst kann ich nicht arbeiten."
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