Dieter, Wayne Campbell, Dr. Evil, Fat Bastard, Goldmember und: Austin Powers - all das ist Mike Myers. Die respektlose Agentenparodie machte ihn zum Superstar und Mitglied im 20 Mio.-Dollar-Gagenclub. Damit gehört Myers zu jener erlesenen Handvoll von Standup-Comedians, denen es gelang, ihren Bühnenruhm 1:1 auf die große Leinwand zu tragen.
Wenn jemandem eine Karriere als Komödiant in die Wiege gelegt wurde, dann ihm. Zu den Legenden, die sich um seine Jugend im kanadischen Ontario ranken, gehört, dass sein Vater Mikes Schulfreunde aus dem Haus warf, falls sich diese etwa als zu humorlos entpuppten.
Auch unterrichtet Eric Myers, vormaliges Mitglied der Royal Air Force aus Liverpool, den 1963 geborenen Sohnemann in der hohen britischen Filmkunst: Er sieht sich mit ihm alle Pink Panther-, Bond- und Monty Python-Folgen an. Mike wird später seine Produktionsfirma Eric's Boy nach diesem harten, aber gerechten Lehrer benennen.
Headbanger's Ball
Die Mischung aus staubtrockenem Hinterwäldlerhumor und feinster britischer Ironieschule kommt an, als Mike nach seinem Schulabschluss 1982 an die Pforten der ruhmreichen Second City Bühne zu Toronto anklopft. Dort, wo bereits Größen wie Bill Murray, John Candy und John Belushi geschliffen wurden, reift er auch er zum eloquenten Bühnenkomiker heran, geht gar 1986 - vermutlich sehr zur Freude von Vati - mit seinem Programm "Mullarkey & Myers" auf England-Tournee.
1988 holt ihn der "Saturday Night Live"-Produzent Lorne Michaels nach New York, wo landesweite Übertragungen zur besten Sendezeit den Newcomer zum Publikumslieblings machen.
Vom Sofa zum Kult
Myers perfektioniert seine beiden liebsten Kunstfiguren: den deutschstämmigen Arthouse-Kritiker Dieter, und Wayne Campbell, Hälfte eines Heavy-Metal-verrückten Couch-Potatoe-Duos, dessen Abenteuer bald darauf in einem Kinofilm gewürdigt werden. "Wayne's World", gedreht 1992, wird nicht nur ein Kulthit in der anvisierten Zielgruppe (Beavis & Butt-Head), sondern überraschenderweise auch der sechsterfolgreichste Film überhaupt.
Myers kann den Triumph indes kaum genießen, überschattet doch der frühe Alzheimer-Tod von Vater Eric den Erfolg. Ausgerechnet er, dem der Humor das Leben bedeutete, kann den Durchbruch seines Sohnes nicht mehr erleben.
Weder private noch berufliche Rückschläge aber können Myers Triumphzug durch die 90er stoppen. Zwar interessieren sich 1993 nicht allzu viele Zuschauer für "So I Married An Axe Murderer", doch dafür wird "Wayne's World 2" wieder ein solider Erfolg.
In nostalgischer Mission
Als Hommage an seinen Vater und dessen Lieblingsfilme entwickelt Myers Mitte der 90er den Superhelden "Austin Powers", Quintessenz aller kitschgetränkten Agentenpossen der späten 60er und frühen 70er. Wie "Wayne's World" als Nischenfilm konzipiert, überrascht der Außenseiter durch bombige Kassenzahlen, besonders die Videoauswertung entwickelt sich zum phänomenalen Erfolg.
Sequels werden verlangt und geliefert, in jeder Episode gönnt sich Myers, der ohnehin schon Superheld und Superverbrecher gleichzeitig verkörpert, neue pittoreske Nebenrollen. Ein großer Hit wird auch der computeranimierte Trickfilmspaß "Shrek", dessen Titelhelden Myers die Stimme leiht.
Don't touch the Mike
Nicht alles läuft glatt für den Mann, der es partout nicht ausstehen kann wenn fremde Menschen ihn berühren (Dreharbeiten mit Liebes- oder Kampfszenen sind bisweilen problematisch). Ernste Auftritte u.a. in "Studio 54" und "Pete's Meteor" finden kaum Beachtung, und im Jahr 2000 verklagt ihn Universal, weil Myers das Dieter-Filmprojekt "Sprocket" auflaufen lässt.
Inzwischen aber hat sich Myers mit Universal geeinigt (Vermittler Spielberg sei Dank) und wird im nächsten Jahr "The Cat in the Hat" für den Major liefern. Auf der Gagenliste steht er ganz oben, 25 Mio. plus 21 Prozent Gewinnbeteiligung springen bei "Goldmember" raus - nomen est omen. Allein 10 Mio. Dollar bringt ihm die Synchro von "Shrek 2".
Der Spaßvogel ist ein Big Player geworden, nur Kollege Adam Sandler hat im Reiche Comedy die Nase vorn. Noch.
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