"Einer der Gründe für seine außergewöhnliche Wirkung ist die Tatsache, dass er keine Scheu davor hat, Verlierertypen zu spielen - unperfekte, brüchige und verletzliche Charaktere." So beschreibt Regisseur Danny Boyle das Erfolgsgeheimnis des charismatischen Schauspielers.
Nach Sean Connery gilt Ewan McGregor als heißester Kinoexport Schottlands, der seinem Landsmann in Punkto Filmpartnerinnen in nichts nachsteht: Von Patricia Arquette über Catherine Zeta-Jones und Renée Zellweger bis Cameron Diaz und Nicole Kidman spielt er an der Seite der attraktivsten Frauen Hollywoods, die er nicht nur mit Charme, sondern auch mit großartigen Tanz- und Gesangseinlagen verzaubert.
Der 1971 im schottischen Crieff geborene Lehrersohn entdeckte schon früh sein künstlerisches und musikalisches Talent. Unterstützt von seinen Eltern, die ihn lieber als Schulabbrecher und glücklichen Schauspieler sehen wollten, zog es ihn mit nur 16 Jahren ans Perth Repertory Theatre.
Nach seiner Ausbildung an der Guildhall School of Music and Drama, die Ewan drei Jahre lang besuchte und für sein Sing- und Tanz-Debüt im Fernseherfolg "Lipstick on Your Collar" kurz vorm Abschluss schmiss, kam 1995 der internationale Durchbruch als Mark "Rent Boy" Renton in "Trainspotting" von Danny Boyle, mit dem er bereits ein Jahr zuvor "Kleine Morde unter Freunden" begangen hatte.
Zur perfekten Vorbereitung für die Irvine Welsh-Verfilmung spielte McGregor mit dem Gedanken, echtes Heroin auszuprobieren. Er entschied jedoch aus Respekt echten Drogenabhängigen gegenüber, dass auch ein drastischer Gewichtsverlust zumindest ansatzweise die exzessiven Erfahrung eines Junkies widerspiegeln könne. Der Oscar-nominierte Film genießt bis heute Kultstatus.
Für Boyle drehte McGregor ein Jahr später an der Seite von Cameron Diaz "Lebe lieber ungewöhnlich" - ein Motto, das auch seine Rollenwahl gut beschreibt. Er "pickt" sich aus dem Angebot immer wieder interessante Parts heraus, zeigt sich dabei stets von neuen Seiten und vermeidet so die Typen-Schublade, in der viele seiner Kollegen stecken.
Den Vorzug gibt er dabei Auftritten in Low Budget-Produktionen wie Mark Hermans "Little Voice" und dessen Berlinale-Beitrag "Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten" oder Peter Greenaways "Bettlektüre". Seine explizite Nacktheit in der Kalligrafie-Studie beschmunzelt McGregor als Beitrag zur Frauenbewegung: "Schon immer waren die Frauen nackt in Filmen zu sehen. Jetzt versuche auch ich, mich so oft wie möglich vor der Kamera auszuziehen."
Bevor George Lucas den "Hobby-Nackedei" dem Mainstream vorstellte, verführte dieser noch Gwyneth Paltrow alias "Emma" in einer Jane Austen-Verfilmung und erlebte mit Patricia Arquette eine gruselige "Nightwatch". Als Obi-Wan Kenobi gab er schließlich in "Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung" und "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger" den Jedi-Ritter ohne Furcht und Tadel und folgte damit einer alten Familientradition: Sein Onkel Dennis Lawson, ein bekannter britischer Schauspieler, hatte einen Part im Original.
Als wesentlich anspruchsvoller dürfte Ewan den Part als irischer Jahrhundertschriftsteller James Joyce in "Nora" empfunden haben. Das Drama entstand für seine junge Produktionsfirma Natural Nylon, die der Schotte gemeinsam mit seinen Kollegen Jude Law, Jonny Lee Miller und Sean Pertwee betreibt und das Ziel verfolgt, innovative Filme jenseits des Hollywood-Mainstream zu fördern.
Das hielt McGregor jedoch nicht davon ab, auch weiter in großen Produktionen zu spielen: So kämpfte er unerschrocken an der Seite von Josh Hartnett in Ridley Scotts Kriegs-Drama "Black Hawk Down" und trällerte als verliebter Schreiberling in Baz Luhrmanns bildgewaltigem Pop-Musical "Moulin Rouge " für seine Angebetete Nicole Kidman: "The greatest thing you'll ever learn is just to love and be loved in return." Mit seinen Liebesschwüren sang er sich nicht nur in die Herzen aller Zuschauer, sondern wurde auch mit einer Golden Globe-Nominierung belohnt.
Nach dem Motto "Down with Love - Zum Teufel mit der Liebe!" lieferte er sich in der Rolle eines zynischen und chauvinistischen Playboys mit Renée Zellweger einen knallbunten Geschlechterkampf à la Rock Hudson und Doris Day. Verträumt-romantisch präsentierte sich McGregor hingegen derzeit in Tim Burtons "Big Fish", einem zauberhaften Märchen über eine anrührende Vater-Sohn-Beziehung und die Kraft der Liebe und Fantasie.
Von einer ganz neuen Seite zeigt er sich jetzt als Herumtreiber in "Young Adam". Im klaustrophbischen Film noir heuert er auf einem Frachter an und gerät in Bedrängnis als er eine Leiche entdeckt.
Die Karriere des zweifachen Familienvaters und Ehemanns der französischen Produktionsdesignerin Eve Mavrakis zeigt weiter steil nach oben. Die finale Sternenschlacht "Star Wars: Episode III" und der Psychothriller "Stay" mit Naomi Watts konnten als große Erfolge verbucht werden, ebenso wie das Sci-Fi-Abenteuer "The Island" mit Scarlett Johansson. Es läuft also gut für den "großen Fisch" aus Schottland. Was im Rollenrepertoire noch fehlt? Vielleicht ein Auftritt als James Bond?
Copyright © www.kino.de 2007.