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Biografie

"In einem Jahr Stauffenberg und Speer spielen zu können, das kann ich doch nicht aus Furcht ablehnen, in irgendeiner Geschichtsecke zu landen!"

Bei der Auswahl seiner Rollen interessiert sich Sebastian Koch laut eigener Aussage immer zuerst für die Figur selbst, nicht so sehr für das Land oder die Epoche. Trotzdem ist der ehemalige Theaterschauspieler vor allem für seine Verkörperung historischer Persönlichkeiten bekannt.

Der Durchbruch gelang ihm 2001 als entführter Industriellensohn Richard Oetker im TV-Film "Tanz mit dem Teufel". Als Vorbereitung auf die Dreharbeiten traf sich Koch mit dem medienscheuen ehemaligen Entführungsopfer und ließ sich nach dessen genauen Schilderungen angekettet in eine Kiste sperren, um selbst zu erleben, was er später vor der Kamera darstellen sollte. So viel Einsatz wurde belohnt: Koch erhielt den Grimme-Preis.

Erfolg im zunächst verhassten TV

Als bisher einziger Schauspieler wurde der heute 44-Jährige im Jahr 2002 gleich zweimal mit der angesehenen Auszeichnung geehrt: Einen weiteren Grimme-Preis bekam Koch für seine Rolle des Exilliteraten Klaus Mann im TV-Mehrteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman".

Dem Fernsehpublikum ist der in Karlsruhe geborene, ausgebildete Bühnenschauspieler auch als gescheiteter Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg ("Stauffenberg") und Reichswaffenminister und NS-Architekt Albert Speer ("Speer und Er") bekannt. Dabei hatte Koch zunächst viele TV-Rollen abgelehnt: "Ich war ein Theaterfanatiker. Fernsehen war unredlich, unkünstlerisch, zweitklassig." Um seine Gage aufzubessern, übernahm Koch ab Mitte der 90er-Jahre trotzdem immer wieder kleinere Parts in Krimiserien wie "Der Alte" und "Derrick".

International erfolgreich

Seinen bisher größten Kinoerfolg konnte Koch als von der Stasi beschatteter Regisseur im Politdrama "Das Leben der Anderen" feiern. Doch nicht erst seit Florian Henckel von Donnersmarcks Oscar-Gewinn für den besten nicht englischsprachigen Film macht Sebastian Koch auch international von sich reden.

Im Historienfilm "Napoléon" war er an der Seite von Gérard Depardieu und John Malkovich zu sehen. Für Regiegenie Paul Verhoeven ("Basic Instinct") spielt er jetzt in dem Drama "Black Book" einen SS-Offizier, der sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs einer holländischen Untergrundbewegung anschließt.

Vom Papa lernen

Seit den Dreharbeiten ist Sebastian Koch mit seiner "Black Book"-KolleginCarice van Houten liiert. Aus einer früheren Beziehung mit einer Journalistin stammt seine Tochter Paulina. Koch, der selbst ohne Vater aufwuchs, versucht sein Bestes, die Kleine die Trennung ihrer Eltern so wenig wie möglich spüren zu lassen. "Ich erkläre ihr nicht nur abstrakt, wie man sich verhalten soll, ich lebe es ihr vor."

Als Koch, der ursprünglich Musiker werden wollte, für seine Rolle in "Das Leben der Anderen" Klavier übte, sah ihm die Kleine interessiert zu und beobachtete seine Fortschritte: "Das ist viel überzeugender als jedes Reden, als die dutzendfache Ermahnung 'Du musst üben!'."

Hochkarätige Wunschpartner

Aber nicht nur für die Kindererziehung, auch im Straßenverkehr setzt der 44-Jährige sein Schauspieltalent ein. So erzählte er der Streifenpolizei, nachdem er mit 180 km/h geblitzt wurde, sein Auto könne gar nicht schneller als 110 fahren. Statt Führerscheinentzug und Strafpunkten kam er mit 40 DM Bußgeld davon. Als er dann auf die Frage, was er denn beruflich mache, "Schauspieler" antwortete, mussten sogar die Beamten lachen.

Von der Straße zurück ins Business: Wer denkt, nach dem Oscar für "Das Leben der Anderen" gäbe es für Sebastian Koch keine beruflichen Ziele mehr, der irrt. Mit Juliette Binoche und Fanny Ardant würde er gern arbeiten, aber auch mit Denzel Washington und William Hurt. "Das sind Leute, die im Hollywoodsystem sichtbar eigene, andere Wege gegangen sind." Und sie sind ein bisschen wie Sebastian Koch selbst - eigensinnig und hoch talentiert.

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