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"Für mich habe ich das Gefühl, dass die Arbeit und die Öffentlichkeit zwei Segmente der gleichen Geschichte sind. Es hat sich einfach gezeigt in den letzten Jahren, dass das, was ich mache, ausreicht, um damit auch Öffentlichkeit und Medieninteresse zu bekommen. Ich habe mich nie als Medienstar verstanden."

Die Typen, die er spielt sind irgendwie lieb, aber linkisch. Sie scheinen unbeholfen und schüchtern. Aber der Schalk sitzt ihnen allen im Nacken - scheinbar wie dem Schauspieler, der sie darstellt. "Die sind alle 1,72 groß und haben braune Haare." So erklärt der Schauspieler Joachim Król die Gemeinsamkeiten seiner Figuren.

Król, das ist polnisch und heißt "König". Joachim kommt aus dem Hebräischen und bedeutet "Jehova macht stark". Ein König, den Jehova stark macht - nun, das ist sicher übertrieben, aber geerdet ist der stille Star des deutschen Kinos allemal.

"Meine Karriere startete ähnlich wie ein Pelikan," meint Król bescheiden. "Der muss erst mal Tempo machen, löst sich langsam aus dem Wasser und bekommt dann später Schwung." Also erstmal Schwung holen...

Den holte sich Król nach dem Abi (1977) in einer Kneipe in Dortmund, die er mit sechs Freunden betrieb. Erst 1981 begann er mit seiner Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Nach seinem Abschluss, also 1984, erhielt Król sein erstes Engagement am Theater in Bochum.

Gleichzeitig wirkte er aber schon in Film- und Fernsehproduktionen mit. So konnte man ihn noch im gleichen Jahr in Josef Rusnaks Film "Kaltes Fieber" sehen.So richtig Schwung bekam die "Pelikan-Karriere" Króls erstmals mit Detlev Bucks Roadmovie "Wir können auch anders" im Jahr 1992. Król spielt einen kauzigen jungen Mann, der mit seinem ebenso debilen Bruder im Osten Deutschlands eine Erbschaft antreten will. Dafür wurde der Schauspieler mit dem Bundesfilmpreis geehrt.

Beim Publikum kam er jedoch mit seiner Rolle als homosexueller Liebhaber von Til Schweiger in Sönke Wortmanns Kassenschlager "Der bewegte Mann" weit besser an. Wieder hagelte es Preise: darunter Bambi, Bayerischer- und Bundesfilmpreis. Das US-Branchenblatt Variety schrieb damals: "Króls trauriges Hundegesicht könnte noch das Herz des härtesten Schwulenfeindes brechen."

Ist Król also das deutsche Sinnbild für den netten Kerl, oder hat auch er eine böse Seite? "Ich bin Zwilling und damit völlig gespalten," meint der Schauspieler dazu. "Schaut nur den neuen Film von Tom Tykwer an. Da lernt ihr mich mal ganz anders kennen." Womit Tykwers Werk "Der Krieger und die Kaiserin" zur Sprache kommt.

Darin ist Joachim Król derzeit als Werner, dem etwas undurchsichtigen Bruder von Bodo (Benno Fürmann), zu sehen.

Zwischen "Der Krieger und die Kaiserin" und "Der bewegte Mann" lagen nicht nur 6 Jahre, sondern auch andere kassenfüllende Filme. "Rossini"-Król als zurückhaltender Schriftsteller. Man erinnere sich an dessen Motto: "Ich will nichts erleben, ich bin Schriftsteller."

Ein Jahr später spielte er den verwahrlosten Penner, der sich Mannis (Moritz Bleibtreu) Geldtüte schnappte in Tykwers "Lola rennt" - und noch im gleichen Jahr in Doris Dörries "Bin ich schön?". Mit Tom Tykwer hatte Joachim Król schon "Die tödliche Maria" gedreht.

Es scheint, als sei der Pelikan schon in der Luft. Und dass ihm der Schwung jetzt nicht verloren geht, dafür sorgt Króls Ehefrau seit etwa zwei Jahren. Sie managt ihn und seine Karriere. Kein leichter Job, zumal Król schon einen besonderen Anspruch an seine Rollenangebote hat. So will er, "dass eine anspruchvolle Geschichte verfilmt wird, dass der Dreh eine gewisse Erlebnisqualität hat und dass ich ein paar Dinge dazulerne."

Hat er erst einmal zugesagt, dann legt er sich ins Zeug: "Zuerst baue ich den Charakter, versuche mir vorzustellen, wo er herkommt, warum er da ist, wo er ist. Und dann stimme ich mit dem Regisseur ab, ob er sieht, was ich meine."

Eines steht jedoch fest: Wenn Borussia Dortmund verliert, dann ist für Król der Tag gelaufen. Und das erzählt einer, der es wissen muss. Tom Tykwer: "Ich gehe viel mit Joachim ins Stadion. Dortmund ist sein Gott. Aber wehe sie verlieren..."

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