Das Gesicht, das tausend Schiffe in Bewegung setzte, war Segen und Fluch. Helena und "Troja" machten die feingliedrige Wasserlockenbeauty schlagartig berühmt, brachte aber auch Druck. Denn man sah Diane nicht als Darstellerin, sondern als Verkörperung der schönsten Frau der Antike.
Unmöglich, diesem Ideal gerecht zu werden, auch wenn Kruger als Gesicht von Lancome vielleicht schon Millionen von Frauen zum Kosmetikkauf animiert hat. Nach Jahren in Spots muss die Newcomerin aus dem 5000-Seelen-Nest Algermissen mit dem Spott leben, der Models im Filmbusiness erwartet.
Doch sie wird diese Vorurteile überwinden. Denn nur die Korrelation zwischen Supermodel und Talentvakuum ist wirklich hoch, womit Diane, die diesen Status nie ereichte, entlastet ist. "Ich brauche das traute Heim nicht, wollte immer weg und bin in der Fremde zu Hause", beschreibt sie ihre Sehnsucht nach der Welt, die ihre Karriere antrieb. Ihr Primaballerinatraum, für den sie 13-jährig nach London zog, um am Royal Ballet zu lernen, zerplatzte nach einer Knieverletzung. Doch die Tür zu einer anderen Bühne war längst aufgestoßen.
Von Heidi Gross, Chefin der Agentur Model Management entdeckt, erreichte die Blondine mit 15 das Finale des Look-of-the-Year-Wettbewerbs. Zwei Jahre später zog sie nach Paris, eroberte den Laufsteg und die Gunst berühmter Designer.
Nach fünf Jahren Posenzwang hatte Kruger genug, besuchte die Schauspielschule Cours Florent. Auch Guillaume Canet, heute vor und hinter der Kamera ein Star des französischen Kinos, studierte dort. Unmittelbare Konsequenz war die Ehe, die fünf Jahre später mit der Scheidung endete. "Ich verdanke ihm alles, er hat mich nach vorn gebracht, mich inspiriert", schwärmt sie trotz Trennung von Canet, der ihr half, nach Romy Schneider die zweite Deutsche zu werden, die sich in Frankreich durchsetzte.
Nach ihrem Filmdebüt als Dennis Hoppers Tochter im Bodyguardthriller "The Piano Player" besetzte sie Canet in seinem Regieerstling "Mon idole". Ihrer Rolle als Frau eines älteren und durchtriebenen TV-Produzenten folgte eine couragierte Rennfahrerin in der gefloppten Comicverfilmung "Michel Vaillant".
Produzent war Luc Besson, der ihr Jahre zuvor beim Casting von "Das fünfte Element" zur Schauspielerei geraten hatte und Diane später für die Romanze "Sehnsüchtig" empfahl, in der sie als Obsession von Josh Hartnett ideal besetzt war. Dieser Tanzengel war ihre erste US-Rolle, auf die mit "Troja" und "Das Vermächtnis der Tempelritter" ein Doppelschlag folgte.
Für Hollywood entschlackte die zierliche Schönheit ihren Familiennamen Heidkrüger ("... so wie Freddy Krueger. Den kennen alle da, das verstehen sie") und ließ schon bald auch den Umlaut weg.
In der Traumfabrik spielte sie im Rummelplatzkino, zu dem sie aber immer Alternativen fand: eine dänische Sopranistin in "Merry Christmas", eine russische Aristokratin in "Tiger Brigades", eine rassistische Südafrikanerin demnächst in "Goodbye Bafana" und jetzt in "Klang der Stille" eine deutsche Jungkomponistin, die dem tauben, verbitterten und herrischen Beethoven bei der Schöpfung der 9. Sinfonie assistiert.
Ihre internationale, durch akzentfreie Dreisprachigkeit forcierte Karriere steuert die Schauspielerin clever, dreht interessante, wenn auch nicht immer erfolgreiche Filme. Kruger, die nach dem Alkoholabsturz ihres Vaters jeden Kontakt zu ihm abgebrochen hat, lebt im Pariser Stadtteil St. Germain-des-Prés.
Zu ihren privaten Leidenschaften neben ihrer Wohnung zählen die Werke von Oscar Wilde, Kochen und aktuell auch Joshua Jackson. Der Ex-Teenmagnet nahm einst in "Dawson's Creek" allein unter Frauen an einer Misswahl teil und eroberte alle. Ein perfektes Paar.
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