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Was lange währt, wird endlich gut! Selten passte dieses Sprichwort besser auf eine Filmkarriere als auf die von Paul Haggis.

Dass Paul Haggis nach seiner Oscar-Nominierung für das Drehbuch zu "Million Dollar Baby" in diesem Jahr auch noch als Regisseur von " Crash" Chancen auf einen Goldjungen hat, könnte den Eindruck erwecken, dass er einer der Lieblinge der Academy und der Branche ist.

Weit gefehlt, denn Hollywood und Paul Haggis - das war beileibe keine Liebe auf den ersten Blick. Mehrfach versuchte das am 10. März 1953 im kanadischen Ontario geborene Multitalent im Filmbusiness Fuß zu fassen - vergeblich.

Doch Rückschläge haben den Sturschädel noch nie von einem Plan abringen können: nicht der Widerstand der Eltern, als er mit noch nicht einmal 20 Jahren nach London zog, um Modefotograf zu werden, nicht sein Scheitern dort, nicht die harte Zeit, in der er sich dann zurück im heimischen Kanada als Straßenbauer durchschlug. Mit 22 folgte dann der erste Versuch als Drehbuchautor in Hollywood - natürlich ein Reinfall!

TV-Trash für die Miete

Mit Gelegenheitsjobs hielt er sich und seine Ehefrau Diane mühsam über Wasser. Weitab von Hollywood, aber zumindest wieder im Genre Film und Fernsehen, arbeitete er als Autor für eine kanadische Sitcom namens "Hangin' in". Die wurde zwar auch nach elf Folgen bereits wieder abgesetzt, aber Paul Haggis konnte einige Kontakte knüpfen. Von nun an sollte sich sein Schicksal wenden.

Haggis schrieb fortan für TV-Serien wie "Love Boat" und "Facts of Life" - Engagements, die den ehrgeizigen Kreativen nicht wirklich zufrieden stellten, aber zumindest die Miete bezahlten und ihm weitere Türen öffneten. Zum ersten Mal im Rampenlicht stand Paul, als er für seine Arbeit an "Die Besten Jahre" für den Emmy und sogar den Golden Globe nominiert wurde. Von nun an war er wer.

Der späte Durchburch

Haggis entwickelte fortan eigenständig Formate und schrieb diese gleich noch selbst. Chuck Norris' Wiedergeburt als "Walker, Texas Ranger" zum Beispiel geht auf seine Konto, und auch bei der international erfolgreichen Serie "Ein Mountie in Chicago" ist Haggis beteiligt. Doch seine große Liebe gilt weiterhin dem Kino.

1993 inszenierte er den Thriller "Red Hot" mit Donald Sutherland und Armin Mueller-Stahl - mit mäßigem Erfolg. Im Jahr 2000 erwarb Haggis die Rechte an zwei Kurzgeschichten von Jerry Boyd. Und mit diesen erschütterte er Hollywood nachhaltig!

Aus der ersten destillierte er das Drehbuch zu "Million Dollar Baby" und war bereits drauf und dran, diesen Film auch selbst zu inszenieren. Als Clint Eastwood für die männliche Hauptrolle gewonnen werden konnte, zeigte sich dieser von dem Projekt so begeistert, dass er es auch inszenieren wollte. Haggis zog sich zurück und beschränkte sich auf einen Credit als Autor und Produzent, wollte er sich doch ohnehin eher auf die zweite Story konzentrieren: "L.A. Crash".

Arbeitswut auf dem Karriere-Gipfel

"Million Dollar Baby" räumte vier Oscars ab, Paul Haggis allerdings ging als Drehbuchautor leer aus. Nicht weiter tragisch, ist Haggis sich doch sicher, mit "L.A. Crash" noch ein dickes Pfund in der Hinterhand zu haben. Dieses Mal führt er selbst Regie - und der Erfolg ist durchschlagend. Das Drama in sensationeller Starbesetzung begeistert Kritiker und Publikum gleichermaßen und wird in einem Atemzug mit "Short Cuts" und "Traffic" genannt. Die Oscar-Nominerung für Paul Haggis ist die logische Folge.

Endlich am Ziel, ruht sich Haggis nicht auf seinen Lorbeeren aus. Wie ein Berserker arbeitet er weiter an mehreren Filmprojekten, darunter das Drehbuch zu Clint Eastwoods "Flags of our Fathers" und "Der letzte Kuss" mit Indiestar Zach Braff; eine weitere Regiearbeit ist in Planung. Scheint fast so, als wolle Haggis mit Gewalt die "verlorenen" Jahre aufholen - wenn dabei Meisterwerke wie "Million Dollar Baby" und "L.A. Crash" enstehen, eine gute Sache!

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