Alle Filme von A-Z

Isabelle Huppert Biografie

Isabelle Huppert Navigation

Biografie

In einem Land, das kontinuierlich große Schauspielerinnen produziert, gehört die bleiche Diva mit den Sommersprossen zu den Diamanten, wird bewundert, wenn auch nicht geliebt. Eine Folge ihrer unnahbaren Aura, aber auch ihrer Rollen, die von Tragik, nicht von Romantik oder gar Komik, geprägt sind.

Als Typ ist die 50-jährige Pariserin einzigartig im französischen Kino. Nicht warmherzig wie Annie Girardot, schön wie Cathérine Deneuve oder Isabelle Adjani, nicht verträumt wie Juliette Binoche oder klassisch verführerisch wie Emmanuelle Béart.

Obwohl sie sich in frühen Filmen sehr freizügig und sinnlich gab, steht Isabelle Huppert heute für Strenge, wirkt wie eine Bibliothekarin, die sich nach Entkrampfung sehnt. Ein Postergirl war sie nie, immer aber ein Versprechen für große, oft unterdrückte Leidenschaft. Ihr Privatleben ist so versiegelt wie die Fluchttür aus der Matrix.

Apocalypse Now

Seit 1982 ist sie mit Regisseur Ronald Chammah verheiratet, hat von ihm Tochter Lolita und die Söhne Lorenzo und Angelo, mit denen sie in Paris lebt. Sie liebt Literatur, Philosophie, Bach, Patti Smith, Blondie und Filme der cineastischen Querköpfe David Lynch, Todd Solondz oder Todd Haynes. Lachen sieht man sie selten, aber auch Béart oder Deneuve sind wohl nur zu Hause Party-Entertainer. Ihr Hang zu deprimierenden Rollen, wie in Patrice Chéreaus Beziehungsdrama "Gabrielle - Liebe meines Lebens", ist auffällig, aber nicht besorgniserregend:

"Persönlich wäre ich viel betroffener, wenn ich nicht in solchen Filmen hätte spielen können. Ganz sicher würde ich mehr leiden, wenn ich unter schlechten Regisseuren agieren müsste. Manchmal ist Gutes einfach mit Schmerz verbunden".

Masochistische Neigungen

Das gilt bestimmt für Hanekes Drama "Die Klavierspielerin", in dem sie von einem Muttermonster erdrückt und auf eigenen Wunsch von ihrem Lover gequält wurde, weil sie Liebe nicht zulassen konnte ("Ich habe keine Gefühle").

Diese furchtlose Jahrhundertperformance brachte ihr in Cannes den Darstellerpreis und den Europäischen Filmpreis ein und ist in ihrer Präzision vergleichbar mit Glenn Close in "Gefährliche Liebschaften", die als gepuderte Korsettintrigantin ein ähnliches emotionales Vakuum spürte, sich aber in Sadismus, nicht Masochismus flüchtete.

Eiskalter Engel

Zwölfmal war Huppert für den César, Frankreichs Oscar, nominiert, gewann ihn schließlich für "Biester", in dem sie mit Sandrine Bonnaire eine ganze Familie auslöschte. Ähnlich produktiv war sie auch als toxische Kakaotante in "Süßes Gift" ("Ich will nur, dass alle glücklich sind"), ihrer sechsten Zusammenarbeit mit Claude Chabrol, für den sie bereits zuvor mordete ("Violette Nozière") und als Engelmacherin geköpft wurde ("Eine Frauensache").

Frauen, die Heizkraftwerke vereisen können, sind eine Spezialität Hupperts, die in "8 Frauen" eine frigide französische Trampelausgabe von "Kohlhiesels Töchter" vorstellte. Sehr warm dagegen wirkte sie als Prostituierte im Meisterwerk "Heaven's Gate", das ihr aber in den USA, wie auch Regisseur Michael Cimino, kein Glück brachte.

Eine Frau mit vielen Gesichtern

In "I Heart Huckabees" gab sie die französische Nihilistin und in "Zwei ungleiche Schwestern" langweilte sie sich als zickige Pariserin.

In "Geheime Staatsaffären" darf Isabelle nun ihre Macht demonstrieren. Während sie sich als Richterin bei der Gerichtsverhandlung der Tragweite ihres Urteils bewusst wird, schlittert ihr Privatleben in eine Krise.

Die Tochter einer Lehrerin, die zwölf Jahre lang Klavier- und dann Schauspielunterricht nahm, blieb in ihrer Sensibilität immer europäisch, mied klassische Kommerzprojekte. Auf der Bühne, wo alles für sie begann, steht sie auch heute noch, obwohl das Theater für sie "Bergsteigen", Film aber "Urlaub" ist.

Zwischen Kunst und Kommerz

35 Jahre nach ihrem Kinodebüt in "Faustine et le bel été " an der Seite von Isabelle Adjani hat die Schwester von Regisseurin Caroline Huppert über 70 Filme auf ihrem Konto. Maximale Ausbeute einer so minimalistisch spielenden subtilen Schauspielerin.

Copyright © www.kino.de 2006.



Alle Filme von A-Z