Ethan Hawke ist ein Künstler auf der ganzen Linie. Sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera schlüpft er in die unterschiedlichsten Rollen. Nebenbei führt das Allroundtalent Regie und schreibt Romane.
Auf der Berlinale 2004 zeigte sich der Mann nicht in allerbester Verfassung: Der Scheidungsprozess von Gattin Uma Thurman hat Spuren in Seele und Gesicht des schüchternen und sensiblen Künstlers hinterlassen, der öffentlich zugibt, wie sehr er an seinen privaten Problemen leidet. Seine romantisch-verletzliche Ader ist einer der Gründe, warum dem gar nicht glatten Hollywood-Beau weibliche Fans zu Füßen liegen. Ein weiterer: Der geborene Texaner ist ehrgeizig, zielstrebig und vor allem intelligent.
Mit 14 stand er erstmals vor der Kamera: Für den SF-Film "Explorers - ein phantastisches Abenteuer" der zugleich das Debüt von River Phoenix war. Im Gegensatz zu seinem jungen Kollegen drückte Hawke zunächst weiter die Schulbank und spielte an seiner High School in New Jersey Theater bis er beschloss, an der Carnegie-Mellon University in Pittsburgh Schauspielerei zu studieren. Nach fünf Monaten gab er das Anliegen wieder auf und nahm das Angebot an, in Peter Weirs "Der Club der toten Dichter" mitzuspielen.
Publikum und Kritiker überschlugen sich und der frisch gebackene Star entwickelte sich über den Slacker-Antihelden in "Voll das Leben - Reality Bites" zum verliebten Globetrotter in "Before Sunrise", Lover von Gwyneth Paltrow in "Große Erwartungen" bis zum modernen "Hamlet".
Kein Wunder, dass dieser Mann als Schauspieler berühmt wurde: Verdankt er doch seinen Namen niemand geringerem als John Waynes Figur aus dem legendären Western "Der Schwarze Falke". Er selbst glaubt: "Mein Erfolg als Schauspieler war für mich eine Folge meines größten Charakterfehlers: Ich war immer nur gut darin, so zu tun, als wäre ich jemand anderes."
Zu einer seiner erfolgreichsten Arbeiten zählt der Science Fiction "Gattaca". Bei den Dreharbeiten lernte er Uma Thurman kennen und nach zwei Anträgen gab sie ihm schließlich im Mai 1998 ihr Ja-Wort. Dabei hatten die beiden einen schwierigen Start: "Uma hat mich anfangs stark eingeschüchtert. Immerhin ist sie 1,80 Meter groß." Zwei Monate nach der Hochzeit kam Töchterchen Maya Ray zur Welt, Sohn Roan im Januar 2002.
Jenes Jahr war nebenbei auch aus einem anderen Grund ein aufregendes für Hawke: Für den Polizei-Thriller "Training Day" wurde er zum ersten mal für einen Oscar nominiert.
Nach den Dreharbeiten nahm Hawke eine filmische Auszeit, um seinen zweiten Roman fertigzustellen. 1996 hatte er seine Fangemeinde bereits mit "Hin und Weg" überrascht, der Geschichte eines jungen Schauspielers, der in New York seiner ersten große Liebe begegnet. Mit "Ash Wednesday" wurde die Schreiberei zu einem zweiten Standbein: "Es tut einem Schauspieler nicht gut, sich in jungen Jahren auf Hollywood-Lorbeeren auszuruhen", erklärt Hawke. "Man verliert dabei zu leicht den Kontakt zur Realität."
Daneben versuchte er sich auch als Regisseur: Mit seinem Debüt "Chelsea Walls" feierte er 2001 in Cannes Premiere - zusammen mit den Kollegen seiner ehemaligen New Yorker Theatergruppe Malaparte:
"Für mich war 'Chelsea Walls' eine Fortsetzung der Bühnenarbeit mit Robert Sean Leonard, Steve Zahn und Frank Whaley - eines dieser Dinge, denen ich mich nach meiner Heirat nicht mehr widmen konnte. Ich wollte etwas Experimentelles machen. Ich hatte Thomas Vinterbergs 'Das Fest' gesehen und bekam wirklich das Gefühl, dass in der digitalen Kamera die Zukunft liegt und man mit wenig Geld einen Film für eine bestimmte Zuschauergruppe produzieren kann. Ich will keinen Schrott machen, nur um damit Geld zu verdienen", so Hawke selbstbewusst.
Obwohl der leidenschaftliche Wilco- und Norah-Jones-Fan seinen rechten Arm dafür geben würde, wenn er "den Mund öffnen könnte und daraus ein wunderschöner Song käme", wird Hawke auch weiterhin Film und Literatur treu bleiben: "Manchmal denke ich darüber nach, eines meiner Bücher zu verfilmen. Wenn ich nochmal Regie führe, dann bei einem Stoff, den ich selbst geschrieben habe."
Für das Sequel "Before Sunset", das ihn nach neun Jahren wieder mit Julie Delpy und Regisseur Richard Linklater zusammengebracht hat, hat er immerhin am Drehbuch mitgeschrieben, mit dem er bereits das Berlinale-Publikum in Begeisterung versetzte: Mehrere Jahre stand er mit Delpy in regem Email-Kontakt, um die zweite romantische Begegnung der Französin Céline und des Amerikaners Jesse wieder in einen endlosen, aufregenden und höchst unterhaltsamen Dialog zu verwandeln.
"Der Grund, warum ich Bücher schreibe und andere Dinge neben der Schauspielerei tue, ist der, dass ich es nicht ertragen kann, auf Rollenangebote zu warten. Das Leben eines Schauspielers kann sehr unglücklich sein. Das Gute daran ist die Arbeit mit anderen, das Problem das Warten darauf, dass dir jemand die Möglichkeit gibt, mit anderen zusammenzukommen. Das ist hart."
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