"Egal ob Komödie, Drama oder pure Action: Das Wichtigste an einem Film ist die Geschichte, ob die sich nun auf dem Schlachtfeld oder im Wohnzimmer abspielt. Und romantische Komödien sind am schwierigsten. Wenn man den Ton nicht trifft oder das Spiel überzieht, dann verliert der Film sofort seinen Witz. Und es gibt nichts Schlimmeres, als in einer Komödie nicht komisch zu sein."
Dicke Zigarre zwischen den Zähnen, alte Pantoffeln an den Füßen und ein fettes Grinsen im Gesicht. Mel Gibson gibt sich cool und locker - und er ist bekannt für seine deftigen Scherze. Beispiel gefällig? Beim Dreh zu "Fletcher's Visionen" hat er seine Kollegin Julia Roberts mit einer hübsch verpackten, tiefgekühlten Ratte überrascht. Das Gelächter war bei allen groß - außer bei Julia.
Mel Gibson ist im New Yorker Hinterland geboren. Er war das sechste von 11 (!) Kindern. Als er 12 Jahre alt war, hatte sein Vater einen schweren Arbeitsunfall. Die großzügige Abfindung der Versicherung nutzte der Familienvater, um mit der ganzen Bande nach Australien umzusiedeln und sich dort eine neue Existenz aufzubauen.
Mel träumte davon, eines Tages Journalist oder Koch zu werden. Kurzzeitig war wohl auch mal Priester im Gespräch. "Das hätte mich nur gereizt, um zu lauschen, was die Mädels im Beichtstuhl so alles erzählen," scherzt der Star.
Durch die Schwester zu Shakespeare
Aber es sollte anders kommen. Angeblich hat Mels ältere Schwester die Zukunft ihres Bruders in die Hand genommen. Sie schrieb ihn im National Institute of Dramatic Art an der Universität von New South Wales ein. Quasi heimlich - hinter seinem Rücken. Eine nette Geschichte, in Tinseltown immer gern gehört.
Während seiner Ausbildung am National Institute of Dramatic Art spielte er erste Theaterrollen, u.a. in "Romeo und Julia" an der Seite von Judy Davis. Nach seiner Abschlussprüfung fiel er Regisseur George Miller auf. Er suchte einen Hauptdarsteller für seinen Low-Budget-Streifen "Mad Max".
Als "Verrückter Max" gefeiert
Mel nahm an - und das, obwohl eigentlich keiner so recht an einen Erfolg glauben wollte. "Ich habe ständig darüber nachgedacht, wie ich mit der Blamage fertig werden könnte," erinnert sich Mel Gibson.
"Mad Max" bescherte ihm jedoch den internationalen Durchbruch. Noch im gleichen Jahr (1979) war Mel in "Tim - Kann das Liebe sein?" als behinderter Gelegenheitsarbeiter zu sehen. Für diese Rolle wurde er vom Australian Film Institute als bester Schauspieler ausgezeichnet.
Action in Serie, Drama mit Auszeichnung
Dennoch haftet Mel Gibson eher der Ruf des Actionstars an. Verantwortlich dafür sind die beiden Sequels "Mad Max II - Der Vollstrecker" und "Mad Max - Jenseits der Donnerkuppel", sowie die darauf folgenden vier "Lethal Weapon"-Filme (hierzulande startete der erste 1987 als "Zwei stahlharte Profis").
1990 erfüllte sich für Mel ein langgehegter Wunsch: Er bekam die Hauptrolle in Franco Zeffirellis Verfilmung von "Hamlet". Mel, der hier erstmals auch als Produzent in Erscheinung trat, wurde für seine Darstellung des Dänenprinzen mit dem William-Shakespeare-Preis geehrt.
1996 dann die erste Nominierung für den Oscar. "Braveheart" brachte Mel Gibson zwei der begehrten Gold-Statuen ein: Für den besten Film und die beste Regie, insgesamt gab's für das Schottenepos fünf Auszeichnungen.
Mel mysteriös
Schon in den späten 90ern war Mel dann mit den Blockbustern "Kopfgeld" und "Payback" erfolgreich im Thrillerfach unterwegs.
So wird er im September diesen Jahres auch im übernatürlichen Thriller "Signs - Zeichen" von "The Sixth Sense"-Regisseur Night Shyamalan zu sehen sein: Mel findet als Farmer in einem seiner Felder ein mysteriöses, 200 Meter durchmessendes Muster - Herkunft unbekannt und rätselhaft. Zur Promotion des Films will Disney in aller Welt solche "Kornkreise" anlegen lassen.
Der ewige Kempe
Zum neuen Jahrtausend besann sich Mel zunächst auf das Erfolgsrezept von "Braveheart" zurück: Auch "Der Patriot" kam 2000 als epischer Kostümfilm daher, in dem es statt um unterjochte Schotten nun um die amerikanische Unabhängigkeit ging.
Mels aktueller Film "Wir waren Helden" schlägt in die selbe Kerbe: ein ungeschminktes Schlachtenspektakel über den Beginn des Vietnamkrieges. Gibson in einer klassischen John-Wayne-Rolle, im Regiestuhl einmal mehr "Braveheart"-Regisseur Randall Wallace - bei derart bewährtem Rezept sollte auf jeden Fall die Kasse klingeln.
Den die Frauen wollen
Doch egal an welcher Front er gerade kämpft, Mel ist vor allem eins: ein Frauenschwarm. So strömten die Menschen massenhaft ins Kino als er 2000 mit blauen Augen und unwiderstehlichem Lächeln vom Filmplakat aus versprach, zu verraten "Was Frauen wollen". Gibson zeigte ungeahnte Qualitäten in einer hinreißenden Tanzsequenz und war brüllend komisch als Fön- und Damenstrumpftester im Selbstversuch.
Mimte Mel in "Was Frauen wollen" einen sexbesessenen oberflächlichen Macho - der zu Ende freilich etwas unglaubwürdig zum verständnisvollen Softie mutiert - so zählt für Mel privat nur eine Frau: Robyn Moore, über die er charmant-respektvoll sagt:
Der die Frauen versteht
"Es ist so: Sie hat viele Hormone, und sie ist emotional, und es gibt einen guten Grund, warum sie ab und an unvernünftig ist. Man darf deswegen etwas verwundert sein, aber man darf auf keinen Fall ein Problem daraus machen."
Seit 1980 ist er mit der ehemaligen Zahnarzthelferin verheiratet. Inzwischen zählen sieben Kinder zu seiner Familie. "Wenn ich drehe", sagt der Star, "dann bin ich hundertprozentig bei der Sache. Dann kann ich nachts nicht schlafen, und wenn, dann träume ich als die Figur, die ich gerade spiele."
Aber wenn er nicht dreht, dann steht seine Familie an erster Stelle. Mit ihr bewirtschaftet er eine Ranch in Australien mit etwa 200 Rindern.
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