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Biografie

Wie kaum eine andere gestaltet Martin Gedeck ihre Schauspielkunst als ständigen Wechsel zwischen genauer Figurenanalyse und künstlerischer Fantasie.

Die Rollen, die sie prägte, spielt Catherine Zeta-Jones nach, die internationale Filmpresse feiert sie als Ereignis, und die "Gala" kürte sie im Mai gar zur einflussreichsten deutschen Schauspielerin unserer Zeit - eine treffende Analyse, da Gedeck nun sogar dazu beitrug, dass mit dem Oscar für das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" der begehrteste Filmpreis nach Deutschland ging! Keine Frage, Martina Gedeck ist eine echte Leinwand-Diva, auch wenn sie das nicht wahrhaben will.

"Mein Publikum will doch gar nicht wissen, wie viele Spiegeleier ich mir morgens brate. Ich spreche durch meine Figuren." Das ist ihr Motto - und wohl der Grund, warum die sinnliche Vollblutschauspielerin mit dem Übermaß an Talent zwar von Filmschaffenden und Fans verehrt, ja vergöttert wird, sie aber immer noch unbehelligt in Berlin auf die Straße gehen kann.

Was für eine Bandbreite

Sensibel und sinnlich, scheu und lasziv, stolz und bodenständig - Martina Gedeck wechselt in ihren Rollen zwischen den Extremen. In Florian Henckel von Donnersmarcks sensationellem "Das Leben der Anderen" spielte sie die empfindungsreiche Künstlerin Christa Maria Sieland mit Bravour. Irritation gab's allerdings, als die Academy ihr zunächst die Einladung zur Oscar-Verleihung verweigerte. Als der deutschen Delegation dann doch noch eine weitere Eintrittskarte zugestanden wurde, schmollte Gedeck.

Beeindruckend war sie zuvor schon als von Todesangst beplagte Christiane in Oskar Roehlers "Elementarteilchen". Und nie zuvor knallte eine Kellnerin einen Teller Pasta mit mehr Grandezza auf den Tisch wie sie in "Rossini", sehnsüchtiger wurde selten eine Figur dargestellt wie ihre Brigitte Reiman in "Hunger auf Leben" - wofür Gedeck den Deutschen Fernsehpreis als Beste Schauspielerin erhielt. Wie sie als Lilo in "Das Leben ist eine Baustelle" Armin Rohde glaubhaft als Lustobjekt an die Frau bringt, das ist ebenfalls ein schauspielerisches Husarenstück.

Aus der Tiefe der Figur

Dabei sind es nie die große Pose, das Pathos, die Überzeichnung, die Gedecks Leistungen so außerordentlich machen. Vielmehr begeistert Martina Gedeck durch ihre Zurückgenommenheit, ihr Versinken in der Figur, mit dem sie den Zuschauer für sich einnimmt. Dann zaubert sie wie aus dem Nichts in kurzen Momenten mit einem genialischen Zug eine Brechung, einen Konflikt, oder - denn die gelernte Theaterschauspielerin ist auch erstaunlich komisch - eine Pointe.

Wie sie in "Frau Rettich, die Czerny und Ich" kurz an einer alten Bluse schnuppert und mit einem flapsigen "Geht noch" die erneute Tragbarkeit feststellt, wie sie in ihrer Parade-Rolle als Köchin in "Bella Martha" Gemüse und Schneidbrett mit dem Küchenmesser traktiert, das ist mehr als schauspielerisches Handwerk.

Harte Arbeit und eine Prise Fantasie

Martina Gedeck erhebt diese kleinen Momente zur Kunst. Das ist eine Gabe, die nur wenige Kollegen besitzen - doch, wie sie selbst immer wieder betont, basiert das auf harter Arbeit. Gedeck nimmt ihre Figuren erst auseinander, bevor sie sie spielt, analysiert bis ins Detail, recherchiert genauestens, wie etwa für die Literaturverfilmung "Krücke" oder das Psychogramm "Grüne Wüste". Für ihre Rolle als untreue Ehefrau und Mutter wurde sie zu Recht mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

Dennoch gibt Martina Gedeck jeder ihrer Charaktere eine persönliche Note. "Filmfiguren gibt es nicht - die werden erfunden", meinte sie dazu einst. Sie betont, dass sie bei aller Treue zu Vorlage und Drehbuch in ihr Schauspiel immer auch eine Prise Fantasie einbringen will.

Tiefgang statt Starvehikel

Einmal mehr übertrifft sie sich darin in ihrem neuen Film "Sommer '04". In Stefan Krohmers entspannt erzähltem und dennoch tiefgründigem Familiendrama wirbelt sie Rollenverhalten und Moralvorstellungen gehörig durcheinander. Erneut eine beeindruckende Leistung von Martina Gedeck in einem Part, wie man ihn von ihr bisher noch nicht gesehen hat.

Die Abwechslung ist es auch, die ihr an der Schauspielerei am meisten bedeutet: Sie würde die "Neuauflage" einer Rolle immer ablehnen, auch wenn sie damit in den Star-Hitlisten aufsteigen könnte. Entsprechende Anfragen sagt sie deshalb ab.

Völlig geerdet

Denn Martina Gedeck weiß, worauf es letztlich ankommt: Ihr langjähriger Lebensgefährte Ulrich Wildgruber nahm sich 1999 das Leben. Dieser tragische Schicksalsschlag nur einen Tag, bevor ihr der Bayerische Filmpreis für "Grüne Wüste" verliehen werden sollte, ließ sie schmerzhaft den Unterschied zwischen dem Hype um den Beruf und dem wirklichen Leben erfahren.

Seitdem konzentriert sich Martina Gedeck voll auf den Job. Sie wirkte bereits in mehr als 50 Kino- und TV-Produktionen mit, reißt ihre Fans mit einer großartigen Vorstellung nach der anderen zu Begeisterungsstürmen hin - und überlässt dennoch gerne den Starrummel den Zeta-Joneses dieser Welt. Allerdings mit einer beruhigenden persönlichen Erkenntnis: Sie war zuerst da!

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