"Wir durften am Set kein Handy benutzen, sonst hätte sich das riesige, ferngesteuerte T-Rex-Model selbständig gemacht und uns wirklich gejagt", erzählte Jeff Goldblum über die Dreharbeiten zur Fortsetzung von "Jurassic Park", in der er wieder als Chaos-Theoretiker Ian Malcom zu sehen war.
"Diese neuen Dinosaurier sind richtig niedlich, realistisch, feucht, einfach unglaublich", schwärmte der schwarzgelockte Schauspieler von seinen weniger bedrohlichen Costars in "Vergessene Welt: Jurassic Park". Steven Spielbergs erfolgreiches Kinospektakel spielte in den USA bei seinem Start vor fünf Jahren in zwei Wochen bereits über 141 Millionen Dollar ein und gehört damit zu den erfolgreichsten Filmen.
Hauptdarsteller in allen drei Blockbustern: Goldblum, der 1,93 Meter große Schlacks mit den Glupschaugen, dessen Karriere viele Jahre in der zweiten Reihe dahinplätscherte. Der Schauspieler trägt den Ruhm mit Fassung: "Hauptsache ich habe Spaß beim Dreh".
Das Leben genießen, hat absolute Priorität für den am 22. Oktober 1952 in Pittsburgh (US-Staat Pennsylvania) geborenen Sohn eines autoritären Arztes und einer Radiomoderatorin. "Ich hasse alles, was mit Stillsein und Sich-artig-in-die-Reihe-stellen zu tun hat", erklärt der sensible Künstler und erinnert sich mit Grausen an die Prügel, die er und seine Geschwister (eine Schwester und zwei ältere Brüder) mit einem Ledergürtel bezogen, wenn sie laut oder ungehörig waren.
In einem Feriencamp kam er erstmals mit der Schauspielerei in Kontakt und verließ bald darauf als 17jähriger das Elternhaus, um sich im New Yorker Neighborhood Playhouse ausbilden zu lassen. Bereits nach einem Jahr stand er im Broadway Musical "Die beiden Veroneser" auf der Bühne und gab 1974 in Charles Bronsons Klassiker "Ein Mann sieht rot" sein Leinwanddebüt - als Killer und Vergewaltiger. "Beim Vorsprechen sollte ich zeigen, wie ich einer Frau Gewalt antun würde", erinnert sich Goldblum, der dank seiner unberechenbar ruhigen Ausstrahlung auch bedrohlich wirken kann. "Ich muß wohl sehr überzeugend gewesen sein".
Ebenfalls 1974 besuchte Regie-Legende Robert Altman durch Zufall eine Aufführung der Off-Broadway-Komödie "El Grande de Coca-Cola" und engagierte Goldblum vom Fleck weg für Nebenrollen in "California Split" und "Nashville" (beide 1974). Es folgten kleine Auftritte in unterschiedlichen Genres (u. a. "Der Stadtneurotiker", 1977; "Die Körperfresser kommen" (1978), bis er 1979 beim Fernsehen Fuß faßte.
In der Krimiserie "Die Schnüffler" spielte Goldblum einen Aktien-Broker, der sich als Detektiv versucht. Mit Ehefrau Patricia Gaul (Heirat 1980, Scheidung 1987) meldete er sich in Lawrence Kasdans Staraufgebots-Drama "Der große Frust" (1983) im Kino zurück, für den Western "Silverado" (1985) besetze ihn Kasdan als schrulligen Glücksspieler erneut. Seine erste Hauptrolle erhielt er an der Seite von Michelle Pfeiffer in John Landis Action-Komödie "Kopfüber in die Nacht" (1984). Mit seinem stets erstaunten Blick und der ungelenken Gestik schien damals 33jährige für Komödien geradezu prädestiniert.
Doch erst ein Horrorfilm sorgte für seinen internationalen Durchbruch: Als skurriler Wissenschaftler Seth Bundle in David Cronenbergs Schocker-Remake "Die Fliege" (1986) erschreckte er Kritiker und Zuschauer mit der eindrucksvollen Metamorphose von Mensch zu Insekt. Filmpartnerin Geena Davis, die Goldblum schon bei den Dreharbeiten zu "Transylvania 6-500" (1985) kennengelernt hatte, ließ sich von den oscarprämierten Make-Up-Effekten nicht abschrecken und heiratete ihn 1987 in einer Nacht- und Nebelaktion.
Mit seichten Klamotten wie "Vibes" (1988), dem Totalflop "Zebo der Dritte aus der Sternenmitte" (1989) und "Das lange Elend" (1989) bekräftigte Goldblum seinen Ruf als Komiker, bewies aber als dämonischer Finsterling in "The Deadly Mister Frost" (1990) und als skrupelloser Drogendealer in "Jenseits der weißen Linie" (1992), dass er nach wie vor aus jeder Figur etwas Bedrohliches machen kann. Erst sein Erfolg als verschrobener Wissenschaftler in "Jurassic Park" (1993) schob seine Gage über die magische Eine-Million-Dollar-Grenze. Bei den Dreharbeiten zum ersten Teil kamen sich Goldblum und Filmpartnerin Laura Dern näher und wurden Hollywoods neues Traumpaar.
Pikanterweise fand in aller Öffentlichkeit ein bunter Partnertausch statt. Goldblum ließ sich von Geena Davis scheiden, um sich mit Laura Dern zu verloben. Diese ließ dafür Action-Regisseur Renny Harlin sitzen, der sich prompt die abgeschobene Davis angelte. "Wir sind aber alle vier sehr gut befreundet", versichert Goldblum. "Ich hasse es, als Besitz betrachtet zu werden, oder mir anzumaßen, jemanden zu besitzen", erklärt Goldblum die Trennung von Dern (1997) und seinen zwei gescheiterten Ehen.
Nicht nur privat, auch am Set gilt Goldblum durch seine privaten Schrullen als schwierig. "Jenseits der weißen Linie"-Regisseur Bill Duke: "Jeff streift die Rolle in den Drehpausen nicht ab, sondern bleibt in diesem konzentrierten Zustand. Die meisten Leute finden ihn selsam." Sein Beruf, das Darstellen fiktiver Gefühle und Charakterentwicklungen, ist für Goldblum realer als so manche Alltragsroutine: "Schaupielerei ist wahrhaftiges Leben in einem irrealen Umfeld", philosophiert der Lebenskünstler.
"Jeff ist ein Phänomen", bestätigt Steven Spielberg, "er mag zwar auf ausgeflippte und skurrile Figuren abonniert sein, aber im Großraum L.A. gibt es kaum einen Menschen, der fester als er mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht."
Goldblums Hauptrolle in Roland Emmerichs "Independence Day" (1996) festigte seinen Platz an der Spitze der begehrtesten US-Stars. Doch der 44jährige pfeift auf das aufgeblasene Hollywood-Jet-Set und beschäftigt sich in seinem Haus in Beverly Hills lieber mit abstrakter Malerei, Jazzmusik oder einem guten Buch. Der private Jeff Goldblum hält sich von Szene-Parties fern, gibt aber gern seine Erfahrungen weiter. Seit zwölf Jahren unterrichtet er jeden Freitagnachmittag Schauspielschüler im Playhouse West.
"Lieber lebe ich im Hier und Jetzt", wehrt er den Starrummel ab und ergänzt: "Ich beschwere mich nicht über die Aufs- und Abs meines "Marktwerts". Was das betrifft, vertraue ich meinem Agenten und konzentriere mich in der Zwischenzeit auf Dinge, die mich wirklich interessieren." In den letzen Jahren konzentrierte sich Goldblum hauptsächlich auf Rollen im Fernsehen.
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