Er gilt zu Recht als einer der besten deutschen Regisseure: Dominik Graf. Mit seinem umstrittenen Dramenexzess "Der Felsen" wandelte er zuletzt einmal mehr auf den Spuren von Regielegenden wie Godard und Antonioni.
Eigentlich wollte er ja Musiker werden, der am 6. September 1952 in München geborene Sohn des Charakterdarstellers Robert und der Schauspielerin Selma.
Doch nach dem Besuch mehrerer Internate und dem Studium der Germanistik und Musikwissenschaften (ohne Abschluss) schrieb er sich an der Hochschule für Film und Fernsehen München ein und zeigte, dass aus einem Studienabbrecher doch noch etwas werden kann: Gleich mit seinem Abschlussfilm "Der seltsame Gast" heimste er den Bayerischen Filmpreis ein. Bei dieser Institution ist er seitdem Dauergast, 1998 ging der Award fürs Gesamtwerk an ihn.
Nach einigen mäßig erfolgreichen Filmen ("Das zweite Gesicht", "Treffer" und "Drei gegen Drei") folgt der Durchbruch und der Bundesfilmpreis in Gold mit "Die Katze": den Bankraub-Krimi mit Götz George und Gudrun Landgrebe wollen immerhin 1,5 Millionen Zuschauer sehen. 1988 verfilmt er das Buch seiner damaligen Lebensgefährtin Sherry Hormann, "Tiger, Löwe, Panther".
Experiment Fernsehen
Nach der progressiven Komödie "Spieler" verzeichnete Graf 1993 sein bis dato ambitioniertestes Projekt "Die Sieger". Doch der Versuch eines deutschen Action-Thrillers mit großen Namen, einer raffinierten Geschichte und aufwendigen Spezialeffekten scheitert grandios. Der 15-Mio-Flop bringt den mutigen Regisseur für die nächsten Jahre hinter die Fernsehkamera - sein Credo:
"Im Fernsehen kann ich mehr wagen, ohne den Wahnsinns-Apparat des Films".
Gesagt, getan: Unter seiner Regie werden eingeführte Serienproduktionen wie die Sperling- und Tatort-Episoden ("Frau Bu lacht") zum Erlebnis, er kassiert einen Fernsehpreis nach dem anderen. 1998 inszeniert er mit "Der Skorpion" eine eindringliche Vater-Sohn-Geschichte mit Heiner Lauterbach und Mark Harloff. Für die Dorf-Satire "Doktor Knock" und das Porträt seines Vaters, "Das Wispern der Berge", erhält er den renommierten Grimme-Preis.
Der große Motivator
Immer wieder treibt er seine Darsteller zu Höchstleistungen, wie Martina Gedeck in "Deine besten Jahre" und in dem nach langer Leinwandabstinenz gedrehten Kinofilm "Der Felsen" die faszinierende Karoline Eichhorn: Für ihre Darstellung der Mittdreißigerin Kathrin, die auf Korsika von ihrem Freund verlassen wird und daraufhin in eine abenteuerliche Reise zu sich selbst stolpert, wurde die kühle Blonde mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.
Er ist immer für Verstörung gut, einer der wenigen Regisseure, die neue Wege suchen und bei denen es wirklich noch etwas zu entdecken gibt. Auch für "Der Felsen" steckte Graf, als der Film 2002 im Wettbewerb der Berlinale lief, erst einmal Prügel ein.
Nouvelle Graf
Doch das ist für einen, der nicht die ausgelatschten (Komödien-)Pfade des deutschen Films weiter austreten will, fast schon eine Bestätigung. Der Kritik schien das - zugegeben nicht ganz einfache - Frauenporträt zu sperrig.
Aber der digital mit einer simplen Amateurkamera gedrehte Film zeigt eine Kraft der Bildsprache und einen Mut bei Schauspielführung und Regie, von der andere nur träumen können. Das Auge findet wenig Halt, die Schwenks sind assoziativ und doch gab es in den letzten Jahren kaum einen eindringlicheren deutschen Kinofilm. "Der Felsen" ist in seinen stärksten Bildern ähnlich wie "Spieler" als Hommage an die Nouvelle Vague zu sehen.
Münchner Multitalent
Das neue, leichte Medium hat es Graf besonders angetan: "Weniger Ballast an Team und Technik." Seine beiden jüngsten TV-Produktionen "Die Freunde der Freunde" (lief auf dem Münchner Filmfest) und "Hotte im Paradies" sind ebenfalls digital gedreht.
Auch als Schauspieler (u. a. "Irren ist männlich"), Autor (u.a. "Die Sieger") und Komponist (u. a. "Der Skorpion") zeigte der Allrounder Talent. Gemeinsam mit dem Filmjournalisten Michael Althen setzte er seiner Heimatstadt ein Denkmal mit "München - Geheimnisse einer Stadt".
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