"Ich bin zurzeit sehr gern Komiker, aber ich kann mir vorstellen, irgendwann auch mal ein wenig Drama zu machen. So ähnlich wie Tom Hanks. Obwohl Hanks inzwischen überhaupt keine Komödien mehr macht - ich glaube, ich werde das immer tun."
Eigentlich wollte der Sohn von Lee Ferrell, Keyboarder der Righteous Brothers, Sportkommentator werden. Als er für seinen Traumjob übte, indem er mit verstellter Stimme die morgendlichen Ansagen über die Schulanlage jagte, stellte er allerdings noch ein anderes Talent an sich fest.
Das drängte während des Sportstudiums an der Universität von Südkalifornien noch stärker in den Vordergrund, weil er hier als Pausenclown schnell die Lacher auf seiner Seite hatte. Es half alles nichts - der 1,92-Meter-Mann wechselte nach seinem Abschluss ins Comedy-Fach.
Und doch sollten Jahre später beide Interessen in einer Rolle vereint werden. Als "Anchorman" Ron Burgundy durfte Ferrell 2004 den Topmann im Nachrichtenbusiness spielen, der unerwartet gegen die Waffen einer Frau zu kämpfen hat.
Erst einmal absolvierte er jedoch mit der Improvisationsgruppe "The Groundlings" nach der Uni ein paar Auftritte, bei der auch Kollegen wie Jon Lovitz ihre Karrieren begannen. Hier traf Will auf Chris Kattan. Die zwei wurden dicke Freunde, traten schon bald darauf gemeinsam bei "Saturday Night Live" auf und erfanden die legendären "Roxbury Jungs".
Will Ferrell wurde 1995 festes Mitglied der SNL-Mannschaft. Mit seiner beeindruckenden Bandbreite an Imitationen und großem Improvisationstalent brachte er es hier innerhalb von sieben Jahren zum bestbezahlten Comedian der Show.
Als einer der wenigen seines Teams wurde er sogar für den Emmy nominiert - und das ausgerechnet für eine Vorstellung als Präsidentschaftskandidat George W. Bush während der Wahlen 2000.
"Die Leute haben die Imitation geliebt, aber einige haben mir auch vorgeworfen, ich sei schuld daran, dass er gewählt worden ist, weil ich geholfen habe, ihn auf eine merkwürdige Art und Weise als netten Typen darzustellen."
Ob dies der Grund war, warum er "Saturday Night Live" verließ? Seinen letzten Auftritt lieferte er im Mai 2002 und machte sich dann auf in Richtung Filmkarriere.
Der Hüne mit den wilden Locken hatte mit einer kleinen Rolle als Mustafa im ersten "Austin-Powers"-Film debütiert, an dessen Drehbuch er mitgeschrieben hatte. Die erste Hauptrolle entstand aus seiner SNL-Paraderolle: In "A Night at the Roxbury" war Ferrell Steve Butabi, der mit seinem Bruder, Chris Kattan, lange vergeblich versucht, Zutritt zum begehrten Roxbury-Nachtclub zu bekommen.
Hier war auch Wills schwedische Kollegin und Gattin Viveca Paulin mit von der Partie, die er zwei Jahre später heiratete und die im März 2004 ihr erstes Kind bekam.
Zu den Vaterfreuden kam noch Wills erste Hauptrolle hinzu. In der Slapstickkomödie "Buddy - Der Weihnachtself" spielte er einen Mann, der am Nordpol zu einem Elfen herangezogen und ausgebildet wird und wegen seiner Größe im Job total versagt. Deshalb schickt ihn Santa Claus zurück nach New York, wo er seine Eltern sucht.
Dort wurde er offensichtlich von Woody Allen für dessen neuen Film aufgegabelt. In "Melinda und Melinda" spielt Ferrell einen erfolglosen Schauspieler, der mit Hingabe an seiner möglichen nächsten Rolle als hinkender Psychiater arbeitet.
Die verschiedenen Arten der Fortbewegung scheinen den Comedian nicht loszulassen. In "Old School" lief er bereits splitterfasernackt in volltrunkenem Zustand durch die Straßen. "Als ich mich erstmal daran gewöhnt hatte, haben sie mich gar nicht wieder in meine Klamotten bekommen", erinnert er sich. "Zwei Wochen lang bin ich jeden Tag nackt am Set aufgetaucht und wollte die Szene noch mal machen."
Normalerweise läuft er aber angezogen: So nahm er zum Beispiel mit seiner Frau 2001 am New York City Marathon und im 2003 am Boston Marathon teil. Und für einen "Exhibitionisten" hält er sich ganz und gar nicht:
"Mich interessieren so verrückte Stoffe nur deshalb, weil sie Spaß machen - nicht, weil sie irgendwelche tiefen Bedürfnisse befriedigen. Ich bin kein gequälter, angstgepeinigter, neurotischer Komiker - nur ein ziemlich durchschnittlicher Typ. Aber bitte behaltet das für euch, sonst kriege ich nie wieder einen Job."
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