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Biografie

Bestens ausgebildet und in der Rollenwahl unkonventionell bis bizarr, begeistert der attraktive Brite Ralph Nathaniel Fiennes seit langem nicht nur die weiblichen Fans. Jetzt deckt er in "Der ewige Gärtner" die Machenschaften skrupelloser Pharmakonzerne in Afrika auf.

"It's 'Rafe', actually" - Eigentlich heißt es 'Rafe'. Wie oft musste Ralph Fiennes wohl seine Interviewpartner bei der Aussprache seines Namens korrigieren? Seine Popularität zumindest hat keinen Schaden daran genommen, zählt der am 22. Dezember 1962 in Suffolk geborene Vollblutmime doch seit 1992 zur A-Klasse der britischen Schauspieler.

Dabei hat es der Älteste von sechs Geschwistern - darunter auch sein gut sieben Jahre jüngerer Bruder Joseph ("Luther") - weder sich noch seinem Publikum immer leicht gemacht. Wie einfach hätte er mit seichten Romanzenrollen zum Superstar aufsteigen können - doch er mag das Extreme und liebt dessen Wirkung.

Kinderschreck

"Als die Kinder mich in der Rolle des Lord Voldemort sahen, waren sie angemessen verängstigt. Das hat mich ungemein befriedigt", stellt er mit diebischem Amüsement über seinen Einsatz als Harry Potters Nemesis fest.

Schon als Kind fiel der künstlerisch begabte und von seiner Mutter, der Schriftstellerin Jini Fiennes, stets geförderte Junge durch seine ernste und konzentrierte Art auf. Ex-Frau Alex Kingston bemerkte nach der Scheidung allerdings hämisch, dass er "sein Anderssein als Waffe nutzte, um auf Partys missmutig und bedrückt passiv-aggressiv um Aufmerksamkeit zu buhlen".

Mit Leidenschaft böse

Das emotional Auffällige liegt dem ausgebildeten Shakespeare-Darsteller jedenfalls, der insbesondere in seinen Psychopathen-Rollen als besessener Serientäter Francis "Zahnfee" Dolarhyde in "Roter Drache", als beinahe geisteskranker Wohnheimpatient in David Cronenbergs "Spider" oder mit Bierwampe als sadistischer Lageraufseher Amon Göth in "Schindlers Liste" überzeugte.

Letztere Rolle, erst die zweite Kinoarbeit seiner Karriere, katapultierte Fiennes denn auch über Nacht ins Rampenlicht und bescherte ihm 1994 eine Auszeichnung der British Academy of Film and Television Arts als bester Nebendarsteller. Gleichzeitig sicherte ihm sein Auftritt Rang 15 auf der vom American Film Institute erstellten Liste der 100 besten Bösewichter der Kinogeschichte.

Star für heiße Träume

Obwohl der 43-Jährige in Sachen Privatleben extrem verschlossen ist und seine Beziehung zur 18 Jahre älteren Schauspielerin Francesca Annis ("Dune") weit abseits des Rampenlichts führt, diente er doch stets neben seinen abwegigen Rollen auch als Projektionsfläche für Frauensehnsüchte.

Keinen geringen Anteil daran dürfte Fiennes' Hauptrolle als "Der englische Patient" haben, in der er seiner großen Liebe, gespielt von Kristin Scott Thomas, bis in den schmerzhaften Tod hinein nachtrauerte. Den Platz als Nummer 33 auf der Liste der 'Sexiest Stars in Film History' vom Magazin Empire hatte er sich da aber bereits zwei Jahre zuvor gesichert...

Rollenwechsel

"Die liebliche Stimme", wie ihn seine Mitstudenten an der Royal Academy of Dramatic Arts, darunter auch "King Arthur" Clive Owen nannten, vergeudete ihr Talent daraufhin mit Auftritten in eher durchschnittlichen Liebesfilmen.

So bezauberte Fiennes Cate Blanchett in "Oscar und Lucinda" und gab in "Mit Schirm, Charme und Melone" den steifen Briten - vielleicht etwas zu überzeugend? - an der Seite von Uma Thurman. Neben Jennifer Lopez spielte der als Broadway-"Hamlet" mit dem Theater-Oscar Tony ausgezeichnete Schauspieler in "Manhattan Love Story" den gutherzigen Politiker.

Große Erwartungen

Weit Überdurchschnittliches leistete er dagegen in einer Triple-Rolle in István Szabós Drama "Sunshine - Ein Hauch von Sonnenschein". Dafür gab's 1999 den Europäischen Filmpreis als Schauspieler des Jahres.

Ob er das mit seinem nächsten Kino-Einsatz als "Der ewige Gärtner" von Fernando Meirelles auch schafft? Sicher ist zumindest, dass man sich jetzt auf eine weitere packende Leistung von einem Großen seines Fachs freuen darf.

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