"Ich kam vor 15 Jahren nach Los Angeles, um eine Karriere als Musiker zu starten. Wenn ich dabei geblieben wäre, hätte ich wahrscheinlich einen Hit gehabt, wenn überhaupt, und würde jetzt irgendwo stinksauer herumsitzen. Schon witzig, wie sich der Lebensplan ändert."
Mobilität ist keine exklusiv amerikanische Qualität, dort aber besonders ausgeprägt, weil häufig nur Orts- und Berufswechsel gute Jobs sichern. Fast wäre Jamie Foxx statisch geworden - mit Ehe, Kindern und geregelter Arbeit. Wenn nicht die Frau, die er heiraten wollte, schon einen anderen auserwählt hätte.
So aber ließ er den Heimatort Terrell und seine Großmutter zurück. Sie hatte ihn als Baby adoptiert, ihn mit liebevoller Strenge erzogen und ihm weder Pfadfinder, Kirchenchor noch den Musikunterricht erspart. Das zahlte sich aus, denn so konnte er mit einem Klavierstipendium in San Diego studieren und Jahre später vor Ray Charles bestehen, der ihn im Vorfeld zu "Ray" musikalisch testete.
Mittlerweile ist die Legende Ray Charles tot - im Kino aber lebt sie weiter. Dank Foxx verschmelzen Original und Kopie fast völlig. Und das war der Academy prompt einen Oscar für den Besten Hauptdarsteller wert - mit dem Einverständnis der gesamten Traumfabrik, die einem Jungspund den größten aller Triumphe sonst auch gerne mal neidet.
Nicht schlecht für einen Quereinsteiger, der Ende der 80er einen Plattenvertrag suchte und eine neue Berufung in der Comedyszene fand. Weil weiblichen Witzbolden mehr Mikrozeit eingeräumt wurde, legte er sich seinen androgynen Künstlernamen zu. Er schleppte ein Rudel von Freunden mit, um die Clubchefs mit Garantieeinnahmen zu ködern, und wurde bekannt.
Keenen Ivory Wayans ("Scary Movie") brachte dem Talent Disziplin bei und engagierte Foxx für seine TV-Show "In Living Color", die Startrampe für die Karrieren von Jim Carrey, Chris Rock und Jennifer Lopez. 1996 hatte Jamie seine eigene Comedyshow und mit Nebenrollen in "Toys" und "Lügen haben lange Beine" auch bereits Filmerfahrung.
Im Vulgärklamauk "Booty Call" kam es schließlich zur Fox-Fusion: Foxx musste als Rasta-Man ("Dieser Narr mit dem Tarantelkopf sieht aus wie Predator") Jesse Jackson oder Mike Tyson geben, um die "Kill-Bill"-Viper Fox scharf zu machen.
Auf den Sketch-Onkel oder Imitator aber ließ sich der Aufsteiger nicht reduzieren: "Ich war nie ein Komiker. Ich hab' mein Mikro wie Eddie Murphy gehalten, imitierte die Gesten von Richard Pryor. Aber das war nur Schauspielerei."
Michael Mann, der ihn als Corner Man von "Ali" besetzte, stimmt dem zu: "Er hat eine interessante Methode, um in eine Figur zu schlüpfen. Als Komiker lernte er seine Rolle durch Imitation von Personen und hat seine Darstellung von diesem Ausgangspunkt aus entwickelt."
Die Arbeit mit Mann und Oliver Stone, der dem Ex-High-School-Quarterback die Hauptrolle im Footballdrama "An jedem verdammten Sonntag" anvertraute, war der Ritterschlag, der Foxx in Hollywood Prestige einbrachte.
Dort hat er jetzt einen neuen Plattenvertrag und einflussreiche Bewunderer. Wie etwa Tom Cruise, der mit seinem Taxidriver aus "Collateral" auch gerne mal Geburtstag feiert. Im "Top Gun"-Klon "Stealth" musste sich Foxx den spektakulären Hightecheffekten unterordnen, lieferte aber trotzdem eine überzeugende Vorstellung ab.
Im Golfkriegsdrama "Jarhead - Willkommen im Dreck" von Sam Mendes war er zuletzt als Vollblutmilitarist und Staff-Sergeant Sykes zu sehen. Aktuell nimmt der Oscar-Preisträger im Actionthriller "Miami Vice" als Detective Ricardo Tubbs an der Seite von Colin Farrell den Kampf mit der Drogenwelt Floridas auf.
Privat ist Foxx als legendärer Partyboy bekannt. Er erregte den Zorn der Nachbarn, weil Kumpels in seiner Abwesenheit nackt Basketball spielten - ein Ritual, an dem er sonst auch teilnimmt. Verändern will sich Fun-Foxx, dessen zehnjährige Tochter bei der Mutter aufwächst, so schnell nicht: "Ich habe schon Hugh Hefners Playboy-Haus besucht. Ehe hat für mich derzeit keine Priorität."
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