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Biografie

"Das Talent besteht darin, richtig auszuwählen". Selektiv nach diesem Motto arbeitet De Niro längst nicht mehr - brillant aber noch immer.

Zwischen 1973, dem Durchbruch als "Hexenkessel"-Hitzkopf, und 1988 drehte De Niro 18 Filme, viele davon Qualitätsprodukte. Weitere 17 Jahre später sind 47 dazugekommen, viele davon Kommerzprodukte. Der Künstler ist Kaufmann geworden.

Grund ist sein Tribeca Film Center, ein Arbeits- und Kontaktzentrum für Filmemacher, sowie Tribeca Productions, die er mit Jane Rosenthal führt. Mit Tribeca produziert er eigene Filme wie "Marvins Töchter" und jetzt "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich", aber auch Fremdstoffe wie "About A Boy", die man Galaxien entfernt vom De-Niro-Kosmos vermutet.

Kein Kind von Traurigkeit

Vermutet, weil niemand weiß, wie der öffentlich introvertierte Schweiger privat wirklich tickt. Zwar sprechen Freunde wie Sean Penn, Harvey Keitel oder Al Pacino kaum für eine Party-Clique. Doch laut Hugh Grant, der mit ihm schon um die Häuser zog, ist De Niro kein Untergangsgrübler, sondern ein Frauenmagnet.

Gravierende Verhaltensstörungen zeigt er offensichtlich nur im Kino, wenn er mit Baseballschlägern argumentiert ("The Untouchables"), Dates vergewaltigt ("Es war einmal in Amerika") oder sie mit kindlicher Naivität ins Pornokino ("Taxi Driver") ausführt. Brutalität, die seit "Casino" in De Niros Reaktionsarchiv schlummert, verbindet sich mit Sensitivität ("Zeit des Erwachens") zu einer Persönlichkeit, die durch Unberechenbarkeit fasziniert.

Komödien sind wie Urlaub

Diese Komplexität macht auch den Reiz seiner Komödien ("Reine Nervensache", "Meine Braut, ihr Vater und ich") aus, die er als Urlaub betrachtet: "Drehst Du ein Drama, verbringst du einen ganzen Tag damit, einen Typen zu Tode zu prügeln. Bei einer Komödie aber schreist du eine Stunde lang Billy Crystal an und gehst dann nach Hause."

Zuhause ist New York. Dort ist der Sohn zweier Maler, deren Gemälde heute in den Top-Galerien der USA hängen, aufgewachsen. Eine aktuelle Biografie weist den Vater, der Affären mit Tennessee Williams und Jackson Pollock gehabt haben soll, als kunstbesessen aus.

Grübler-Gang

Diese Leidenschaft hat De Niro beeinflusst, der bei seiner Mutter Victoria Admiral und auf der Straße aufwuchs, die Schule schmiss, dann aber bei Stella Adler und Lee Strassberg, den Gurus unter Amerikas Schauspiellehrern, seine Berufung fand.

Bis 1973 profilierte sich der Method-Actor, der mit seinen Rollen verschmilzt, am Theater, darunter auch am Broadway. Brian De Palma und Mentorin Shelley Winters verhalfen ihm zu ersten Filmengagements, bis er 1970 auf De Palmas Weihnachtsfeier Martin Scorsese traf.

Künstler und Kaufmann

Als Martin und Robert 15 Jahre alt waren, hatten sie sich das erste Mal in Little Italy getroffen. Zwar konnte sich De Niro daran im Partygespräch nicht mehr erinnern, dennoch entwickelte sich eine enge Freundschaft, die zu sieben Filmen führte, darunter "Wie ein wilder Stier" mit einem Oscar für De Niro.

Heute tritt der sechsfach Oscar-nominierte Schauspieler, der ein weiteres Mal für "Der Pate II" gewann, fast hinter den Gastronomen zurück, der Mitbesitzer mehrerer Lokale in New York, L.A. und San Francisco ist.

Glamouröser Frauenjäger

Ehemann dagegen war er nur zweimal (Diahnne Abbott, Grace Hightower), hatte aber diverse Affären, darunter auch mit Naomi Campbell, Gussform für seinen bevorzugten Frauentyp. Die Bilanz dieser glamourösen Jagd, bei der er auch der jungen Whitney Houston nachstellte, sind fünf Kinder, darunter Adoptivtochter Dreena und durch künstliche Befruchtung gezeugte Zwillinge.

Als alleinerziehender Vater, dessen Tochter von einem mörderischen Jungen verfolgt wird, kommt De Niro bald mit "Hide and Seek - Du kannst dich nicht verstecken" ins Kino. Seinem gewohnten Kontrastprogramm entsprechend, folgt der Suspense-Thriller im Anschluss an die chaotische Bekanntschaft mit den Fockers.

Im Moment bereitet der Mann, der spielend zwischen den Genres wechselt, den Agenten-Thriller "The Good Shepherd" vor.

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