Er schafft virtuose Lippen-, Nasen- und Backenverrenkungen, bei denen sich jeder Normalsterbliche den Unterkiefer ausrenken und sich drei Tage Gesichtsmuskelkater holen würde.
Jim Carrey ist der unbestrittene Meister der "Physical Comedy", legitimer Nachfolger von Jerry Lewis und ganz nebenbei Hollywoods kassenwirksamster Komiker.
Aber dann ist da auch der Privatmann Carrey, der die Öffentlichkeit meidet und Interviews scheut. Man erahnt ihn hinter Aussagen wie: "Ich bleibe nachts lange auf. Nicht weil ich wilde Partys feiere, sondern weil das die einzigen Momente sind, in denen ich allein bin und nicht 'drauf sein', nicht performen muss."
Dieses etwas zwanghafte Faxenmachen zeigte schon der kleine Jim: Er liebte es, vor dem Spiegel Grimassen zu schneiden oder seine Großeltern zu imitieren.
Zappelphilipp im Campingbus
Im Bett zog sich der Jungclown nie die Schuhe aus. Falls Mom und Dad nachts "etwas Aufmunterung brauchten", legte er spontane Stepptänze aufs Parkett. In der Schule war Jim so unruhig, dass ihm die Lehrer am Ende jeden Tages ein paar Minuten zugestanden, in denen er die Klasse unterhalten durfte - damit er für den Rest der Zeit wenigstens halbwegs still hielt.
Carrey wuchs als jüngstes von vier Geschwistern in einem Vorort von Toronto auf. Als sein Vater den Job verlor, mussten auch die Kinder für den Lebensunterhalt der Familie mitsorgen und in einer Fabrik arbeiten. Zeitweise lebten die Carreys sogar in einem Campingbus. Jim war von der Schichtarbeit erschöpft, seine schulischen Leistungen ließen nach und er schlief öfter während des Unterrichts ein. Bald brach er die Schule ganz ab.
Igitt, Jim!
Doch er hatte ja noch sein anderes Leben, eine Traumwelt voller heller Scheinwerfer und voller Lachen, in die er sich flüchten konnte: Schon mit 15 spielte Jim Stand-up-Auftritte in verschiedenen Comedy-Clubs in Toronto. Sein Debüt im "Yuk-Yuks" ("Igittigitt") war verbürgtermaßen furchtbar. Doch Jim ließ sich nicht entmutigen und feilte bis zur Perfektion an seinen Promi-Parodien und Sketchen.
1981 zog er nach Los Angeles und wurde dort als festes Mitglied im berühmten Comedy Store engagiert. Nach einigen TV-Erfolgen feierte Carrey in der Vampirkomödie "Einmal beißen bitte" sein Filmdebüt.
Dummbeutel vom Dienst
Der internationale Durchbruch gelang ihm 1994 mit dem Klamauk "Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv".
Von da an war Carrey nicht mehr zu stoppen, ein Kassenschlager folgte dem nächsten: "Dumm und Dümmer", "Die Maske", "Batman Forever" (für die Rolle als Riddler stach er Robin Williams aus), "Cable Guy - Die Nervensäge" und "Der Dummschwätzer". Die Filme waren allesamt weltweite Blockbuster-Erfolge, dank Jims ungeheuerlichem Improvisations- und Nachahmungstalent.
Mondsüchtig
Doch trotz des Erfolgs war Carrey für alle nur die grüne Gummifresse aus "Die Maske" oder der Hinternsprecher "Ace Ventura" - aber sicher kein ernst zu nehmender Schauspieler. Das änderte sich 1998 schlagartig mit der Mediensatire "Die Truman Show". Sein Porträt von TV-Experiment Truman Burbank erhielt zwar nicht den Oscar-Segen der Academy, ebnete aber den Weg für Projekte wie "The Majestic" oder "Der Mondmann".
Die Lebensgeschichte des introvertierten Komikers Andy Kaufman war Carreys erklärtes Herzensprojekt. Kein Wunder: Die beiden verbindet, dass man nie weiß, wo der Spaß aufhört und der Ernst beginnt, dass sie ihre Masken so blitzartig wechseln, dass niemand weiß, wer eigentlich die Person dahinter ist. Jim hat dazu noch am selben Tag Geburtstag wie Kaufman und kaufte sogar dessen Bongos, um beim Star-Regisseur Milos Forman vorzusprechen.
Tränen statt Faxen
Wer Carrey in der gefühlvollen Dramödie so vielschichtig und teils tieftraurig erlebt hat, mag sich wünschen, er hätte früher und öfter die Gelegenheit zu solchen Filmen gehabt.
Während er in "Bruce Allmächtig" wieder aus seinem Comedy-Repertoire schöpfte, zeigte er sich zuletzt in der einfühlsamen Romanze "Vergiß mein nicht!" von einer verletzlichen Seite. In der Verfilmung des Jugendbuchs "Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse" gab Jim den Kinderschreck Graf Olaf, der es auf das Erbe von zwei Waisenkindern abgesehen hat.
Gruseln mit Carrey
Für die Komödie "Dick und Jane: Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen" zog er eine Gummimaske von Bill Clinton über. Der Film ist ein Remake von "Das Geld liegt auf der Straße" aus den Siebzigerjahren mit George Segal und Jane Fonda. Jim Carrey und Téa Leoni übernahmen nun deren Rollen.
Aktuell verzichtet das Gummigesicht aber auf jegliche lustige Verrenkungen und verleiht seiner düsteren und ernsten Seite Ausdruck. In dem Psychothriller "The Number 23" enthält ein Roman tödliche Botschaften für Walter Sparrow (Carrey). Er wird wie besessen von der Zahl 23 und muss um das Leben seiner Frau sowie seines Sohns fürchten.
Vergiss die schlechten Tage
Vor knapp einem Jahr hat die 35-jährige Schauspielerin Jenny McCarthy das Herz von Carrey erobert. Seine Verflossenen neigen indes zum Nachtreten: Ex-Gattin Melissa Womer verklagte Jim, weil die 10.000 Dollar an monatlichem Unterhalt für Töchterchen Jane zu wenig seien. Und Renée Zellweger lästerte, Carrey sei zwar ein guter Schauspieler, aber ein schlechter Liebhaber.
Aber mit Anfeindungen musste Carrey ohnehin schon immer leben - er weiß mittlerweile damit umzugehen:
"Mir wird vorgeworfen, mich träfe mit die größte Schuld an der Verdummung der Amerikaner. Da frage ich mich schon: Bist Du ein Idiot, weil Du über einen Furz-Witz lachst? Ich denke nicht!"
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