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Biografie

"Frieden und Ruhe sind das einzige, was ich wirklich begehre."

Sie ist nicht die Hollywood-Diva, die vor der Kamera posiert. Ihre Gesichtszüge wirken herb, ihre Ausstrahlung kühl. Als sie relativ spät, mit 35 Jahren, ihre Filmkarriere begann, war Glenn Close zu alt, um mit ihrer Jugend zu glänzen.

Das hatte die Schauspielerin auch nicht nötig. Sie schaffte sich in kürzester Zeit ein ganz persönliches Image. Sie ist bekannt als rachsüchtige Geliebte und als Intrigantin.

Untreue Ehemänner sollten sich mit ihr lieber nicht auf eine Affäre einlassen. Aus Rache landet schon mal ein Hund im Kochtopf. Auch als dalmatinerjagende Modeschöpferin Cruella De Vil ist sie den Tierschützern ein Dorn im Auge.

"Glenn Close bringt einfach Magie auf die Leinwand", schwärmt Regisseur Christopher Reeve (bekannt aus "Superman"), für den sie in der TV-Produktion "In der Abenddämmerung" vor der Kamera stand. Wie ein Beweis erscheinen die fünf Oscarnominierungen, die Close bereits in den ersten sechs Jahren ihrer Laufbahn erhielt.

Die Arzttochter wuchs in einem puritanisch ausgerichteten Elternhaus auf. Sie verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Internaten im Kongo und der Schweiz, bis sie schließlich zu ihrer Großmutter nach Greenwich zog. Ihre konservativen Eltern erzogen sie ganz im Sinne ihrer religiösen Ideale. Mit 22 Jahren gelang es Close aus der sektenähnlichen Gemeinschaft auszubrechen. Andere hätten an ihrer Stelle einen Psychiater aufgesucht. Glenn Close fand Hilfe in der Schauspielerei.

Zeitweise empfand sie die Theaterarbeit wie eine Therapie. Aus der Religionsgemeinschaft ausgegrenzt, fing sie wieder ganz von vorn an. Die Bühne wurde zu ihrem Lebensinhalt. 1982 debütierte sie als Filmdarstellerin in "Garp - und wie er die Welt sah". Close spielt die Mutter des nur 5 Jahre jüngeren Robin Williams so überzeugend, dass sie sofort als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde.

Eine Nominierung folgte der anderen. Als Arztfrau in "Der große Frust" erhielt sie begeisterte Kritiken. War sie 1986 in "Das Messer" noch selber die knallharte Anwältin von Jack (Jeff Bridges) brauchte sie 1988 in "Eine verhängnisvolle Affäre" selber eine. Mit ihrer Darstellung der rachelüsternen Geliebten Alex Forrest ging sie als Alptraum aller untreuen Ehemänner in die Kinogeschichte ein.

Zuerst wollte man sie nicht als Partnerin von Michael Douglas engagieren, denn "niemand dachte, ich könnte sexy sein." Sie überzeugte die Welt vom Gegenteil, und in Amerika entbrannte bei dem Filmstart wieder einmal die Diskussion über die Stellung der Frau und über Treue. "Da hatte dieser Film wirklich Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft", wundert sich Close.

Ist Glenn Close in "Eine Verhängnisvolle Affäre" noch brutal und gewalttätig, fädelte sie als Marquise in Stephen Frears' Verfilmung von "Gefährliche Liebschaften" ihre Machenschaften schon weitaus durchtriebener ein.

Close spielt lieber die Intrigantin, nicht das Opfer. Und so konnte es nur noch eine Steigerung dieser abtrünnigen Frauen geben: Cruella! "Als die hundehetzende Modehexe bin ich die Fiesheit schlechthin. Cruella ist so niederträchtig, dass ich mich um eine feine Charakterzeichnung gar nicht kümmern musste" schwärmt Close.

In der Realverfilmung des Disney-Klassikers "101 Dalmatiner" entwirft sie als Modeschöpferin ein einzigartiges Kleidungsstück: einen Dalmatiner-Pelzmantel. Um diese Kreation anfertigen zu können benötigt Cruella das Fell von 101 Dalmatinern. Die Jagd auf die Hunde beginnt. Nicht nur Close musste sich an die Zusammenarbeit mit den tierischen Kollegen gewöhnen, sondern auch die Hunde an sie: "Als sie mich zum ersten Mal sahen, waren sie genauso erschrocken wie ich."

Regisseur Stephen Herek war jedoch sehr darauf bedacht, dass die Hunde Glenn Glose nur in ihrer Verkleidung begegneten. Privat hat Glenn ein Herz für Tiere, aber die Dalmatiner sollten sich nicht an sie gewöhnen, sondern ihre Furcht behalten.

Die Schauspielerin liebt nicht nur Tiere, sondern auch Musik. 1991 war sie bereits als Opern-Diva in Istvan Szabos "Zauber der Venus" zu sehen. Für ihre Rolle als Adrienne Pargiter in "Paradise Road" lernte sie dirigieren. In Bruce Beresfords Kriegsdrama wird Adrienne zusammen mit anderen Überlebenden (Frances McDormand, Cate Blanchett) in einem primitiven Lager im Dschungel von Sumatra interniert. Besessen von Musik, gründet sie dort einen Chor und besänftigt die brutalen Aufseher mit Gesang. Die authentische Geschichte und der Mut dieser Frauen beeindruckte Close tief. Sie spricht sogar von einer für sie lebensverändernden Erfahrung.

Glenn Close ist eine ausgebildete Sängerin. Achtmal sang sie bisher die Nationalhymne für die "New York Mets" im Shea Stadium und nahm kürzlich gemeinsam mit Placido Domingo eine Weihnachts-CD auf.

Herausragend ist Close in Bille Augusts Romanverfilmung "Das Geisterhaus" von Isabel Allende. Sie ist die Schwester des Patriarchen Jeremy Irons, Meryl Streeps Ehemann.

Außerdem brilliert sie als Vizepräsidentin Kathryn Bennett in "Air Force One" und als Cookies Nichte Camille: In Robert Altmans herrlicher Gesellschaftssatire "Cookie's Fortune - Aufruhr in Holly Springs" tarnt sie den Selbstmord ihrer Tante als Raubmord, um dem Ruf der Familie zu retten.

Bekannt ist, dass sich Glenn Close ungern von Filmrequisiten trennt. Neben ihrer Speisekammer hängt das Messer mit dem sie in "Eine Verhängnisvolle Affäre" ihren Geliebten umbringen wollte: "Es ist nur ein Pappmesser. Bei den Großaufnahmen, wenn ich zu nahe am Gesicht von Michael Douglas war, erlaubten sie mir nicht, ein echtes Messer zu haben."

Allein der pompösen Kleider wegen stimmte die Schauspielerin wahrscheinlich der Fortsetzung von "101 Dalmatiner" ("102 Dalmatiner") bereitwillig zu. Sie lässt sie sich gerne vertraglich zusichern: "Ich habe alle meine Kostüme von allen meinen Filmen bis hin zu der Jeans von "Der große Frust". Wenn ich jemals wieder da hineinpasse, werde ich im Nirvana sein."

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