Als Politikertochter in "Traffic" war sie drogensüchtig, als Jungpsychopathin in "Swimfan" ist sie nun eifersüchtig: Leicht zu haben ist die 20-jährige dort, aber nur schwer loszuwerden.
Vielleicht gilt das auch für ihre Zukunft in der Filmszene, die Christensen zunächst als Schauspielerin, später auch als Autorin, Produzentin und Regisseurin erobern will. Obwohl sie erst seit kurzem im Branchenbewusstsein einen Platz bezogen hat, nahm sie das renommierte US-Magazin "Vanity Fair" 2002 unter die vier Jungstars mit Perspektive auf.
Verantwortlich für diesen Logenplatz neben Thora Birch, Jena Malone und Scarlett Johansson war ihre erstaunliche Vorstellung als Freebase-Veteranin, die sich für Stoff ihrem Dealer als Luxustrophäe verkaufte: Sweet Caroline aus "Traffic" war für Erika eine Mission, verweigert sie sich doch selbst jedem Rausch, der künstlich erzeugt wird.
Sex sells
Nüchtern bleibt sie auch in der Einschätzung ihrer Leistung: "Traffic war für mich eine interessante Erfahrung. Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich zufrieden mit mir. Als man mich aber mit Komplimenten zu überschütten begann, schaute ich mir ihn ein zweites Mal an, fragte mich, was diese Leute wohl in mir gesehen hatten".
Hollywood jedenfalls erkannte in der 17-Jährigen ein früh gereiftes Früchtchen, das man gerade wegen der Putten-Backen, dem unschuldigen Tweety-Gesicht und dem Engelshaar als Alternativvamp aufbauen könnte. Sex sells - besonders in der Metropole, die visuelle Verführung schließlich zur Kunstform gemacht hat.
Böses Mädchen
Sowohl in "Groupies Forever" als auch in "Swimfan" hat Christensen engste Körperkontakte im Pool - mit fatalen Konsequenzen. Susan Sarandon kriegt in "Groupies" durch die triebhafte Tochter die nächste Hysteriefalte, ein Musterschüler mit keuscher rehäugiger Freundin in "Swimfan" den Schlüssel zum Paradies, dann aber auch zur Hölle.
"Es liegt in meiner Verantwortung als Schauspielerin, wenn ich dem Publikum etwas mitteile, das mir wichtig ist", beschreibt Christensen ihr Credo. In einigen ihrer Rollen war das vielleicht der Wunsch, Bad Girl zu sein, wenn man immer Good Girl gewesen ist.
Bühnen-Lolita
Der Engel ist in Seattle geboren und mit vier Jahre jüngeren Zwillingsbrüdern in den Vororten von Los Angeles aufgewachsen. Von Beginn an unterstützten die Eltern, überzeugte Scientologen, ihre Ambitionen als Performer. Mit 12 tanzte, sang und spielte das extrovertierte, selbstbewusste Mädchen bereits kalifornienweit in Kindertheatergruppen und auf Musicalbühnen.
Schon ein Jahr später folgte ihr Filmdebüt in "Beaver ist los", der Kinoversion des US-TV-Familienheiligtums "Leave It to Beaver". Seit ihrem Durchbruch mit "Traffic" hat Christensen klassische Teenkomödien gemieden, um nicht wie andere Jungstars verheizt zu werden.
Film ist Leben
Stattdessen war sie dramatisch in "Home Room" - als traumatisiertes Opfer eines School-Shootings - und charmant-komisch in "Britney's" als junge Gastronomin, die um den Erhalt ihrer Surfer-Kneipe kämpfen muss.
Demnächst erfüllt sich einen Traum mit der Hauptrolle der tragisch verliebten Catherine in der MTV-Musicaladaption des Herz-Schmerz-Klassikers "Stürmische Höhen". Dafür musste sie Opfer bringen, die das Kino nun kompensieren soll:
"Natürlich habe ich ein anderes Leben als die meisten geführt, aber nicht wirklich etwas vermisst. Vor ein paar Jahren fragte ich mich: 'Werde ich je eine High School-Abschlussparty besuchen? Vermutlich nicht!' Dann aber dachte ich: 'Okay, hole ich das eben in einem Film nach.' Und das ist seitdem meine Antwort auf alles."
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