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Biografie

Im Kino hat Sandrine Bonnaire alles gezeigt, im Leben wahrt sie ihre Geheimnisse.

15 Jahre nach "Die Verlobung des Monsieur Hire", in dem sie die Sehnsucht eines einsamen Voyeurs war, weckte Bonnaire in "Intime Fremde" das Begehren eines spröden Mannes. Sie vertraute einem Steuerberater persönliche Details an und baute erotische Spannung auf, bis der Bürokrat ausweglos in Liebe entflammte.

Auch in ihrem neuen Film "Kann das Liebe sein?" steht genau diese wieder im Mittelpunkt. Bonnaire versucht als Künstlerin Eva Vertrauen in ihrer neue Beziehung mit Geschäftsmann Lucas zu finden, bis sie erfährt, dass er ihr nachspioniert.

Sandrine reihte sich bald in die Rige der erfolgreichen französischen Frauen ein, die eine kometenhafte Karriere machten: Emmanuelle Béart, Juliette Binoche oder Sophie Marceau, in deren "La Boum II" die damals 15-jährige Sandrine als Statistin mitspielte: "Ich habe die Dreharbeiten in furchtbar schlechter Erinnerung. Damals habe ich mir gedacht: 'wenn das der Traum von Kino sein soll, dann ohne mich.'"

Auszeichnungen statt Diktat

Ein Jahr hielt dieser Vorsatz, dann begleitete das siebte von elf Kindern eines Flugzeugmotor-Monteurs zwei Schwestern zu einem Casting. Regisseur Maurice Pialat war von den Pariser Vorstadtgören beeindruckt, gab schließlich Sandrine die Rolle einer Teenagerin, die Sex als Fluchtchance aus der eigenen Realität entdeckte, in "Auf das, was wir lieben".

Eine Diva war geboren und Vaterfigur Pialat führte sie auch entsprechend ein. Am Bug eines Schiffs stand sie im weißen Kleid, nahm Kurs auf die Kamera, die sich in ihre Natürlichkeit verliebte. Bonnaire debütierte drei Jahre jünger als ihr Idol Brigitte Bardot und gewann auf Anhieb den César, Frankreichs wichtigsten Filmpreis. Damit hatte die miserable Schülerin eine Alternative zu den Optionen Sekretärin und Friseuse gefunden und führte bald ein Leben fern ihrer Wurzeln.

Genug von Freizügigkeit

Über ihre Mutter, die als Zeugin Jehovas ihre Kinder mit Untergangsangst infizierte, spricht sie wenig, über ihre freizügigen Darstellungen schon: "Den Mut von damals würde ich nie wieder aufbringen. Erotik ist etwas, was ich nur mit meinem Lebensgefährten teile. Aber unglaublich viele Regisseure weigern sich, eine Schauspielerin zu besetzen, die Nacktszenen ablehnt. So kann ich inzwischen gute Regisseure von Idioten unterscheiden."

Gute Regisseure fand die Autodidaktin. Sie spielte für Pialat ein Callgirl in "Der Bulle von Paris" und eine Mörderin in "Die Sonne Satans". Später entfremdete sie sich vom Mentor, versöhnte sich aber mit ihm vor seinem Tod. Als Landstreicherin in "Vogelfrei" zeigte sie alle Facetten zwischen unbeschwert und lebensmüde, und gewann erneut den César, wie auch zehn Jahre später für ihre Amok laufende Haushälterin in Claude Chabrols "Biester".

Inspirierendes Filmfest

In Claude Sautets "Einige Tage mit mir" verzauberte sie zwei Männer, in Jacques Rivettes Zweiteiler "Johanna die Jungfrau" starb sie für Frankreich. Im gleichen Jahr kam Tochter Jeanne (!) aus der Verbindung mit William Hurt zur Welt, den sie beim Dreh von "Confidences à un inconnu" lieben lernte.

Geheiratet hat sie den Beziehungssurfer nicht, wohl aber Guillaume Laurant, den Drehbuchautor von "Die fabelhafte Welt der Amélie" und "Mathilde - Eine große Liebe". Gefunkt hatte es bezeichnenderweise beim "Festival du Film Romantique", herausgekommen ist drei Jahre später Tochter Adele, die November 2004 geboren wurde.

Offen für Mainstream

Bonnaire, die spröde und streng wirken, aber auch strahlend leuchten kann, wurde vom Kunstkino umarmt, dreht aber bald mit "The Death Instinct" ein Mega-Projekt über Frankreichs Supergangster Jacques Mesrine.

"Ich finde diesen Snobismus, dass ein Film nur dann Qualität haben soll, wenn ihn nicht mehr als 50 Leute sehen, ziemlich unappetitlich", wischte sie ihre von der Presse angedichtete Kommerzparanoia vom Tisch.

"Ich könnte sehr unterhaltsame, leichtere, bunte Sachen machen", gestand sie unlängst. "Nur Blödsinn kann ich nicht drehen. Ich muss meine Würde bewahren."

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