"Sandra Sunshine": Ihre High School wählte sie zur Miss "Verschönert-dir-den-Tag", die Playboy-Leser zur Frau, mit der Mann am liebsten ein Date hätte, das Rote Kreuz nach dem 11. September für eine Millionenspende zur Frau mit Herz. Kumpel, Traumfrau, Charakter-Lady und Top-Schauspielerin: Alles das ist Sandra Bullock.
Ein "Star" ist sie trotzdem nicht: Welche Hollywood-Celebrity würde schon einen Einsatz als Moderatorin der Oscar-Verleihung ablehnen, weil sie "es nicht leiden kann, rote Teppiche entlangzuspazieren und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen."
Eitelkeit ist eben Sandys Sache nicht. In ihrem Haus im texanischen Austin hat sie außer im Badezimmer keinen einzigen Spiegel, nicht mal am Kleiderschrank. "Ich sehe mich ungern selbst", erklärt sie.
Geboren wurde Sandra Bullock in einem Vorort von Washington D.C., Vater John Bullock war Gesangslehrer, ihre Mutter Helga Meyer eine deutsche Opernsängerin.
Talent made in Germany
So verbrachte sie die ersten zwölf Jahre in Nürnberg, wo sie im Kinderchor der Oper sang, bevor sie an der East Carolina University Schauspiel studierte. Ihr Ziel: eine Karriere als Filmschauspielerin in Hollywood. Doch zunächst verschlug es Sandra Bullock nach New York. Dort jobbte sie als Kellnerin, Tänzerin in einem Gay Club und Hundefrisörin.
Nach Auftritten am Broadway und kleineren Fernsehrollen setzte dann 1993 Sandra Bullocks ungewöhnliche Hollywood-Karriere ein: Innerhalb von zwei Jahren verwandelte sich die sympathische Unbekannte in einen Kassenmagneten.
Tapetenwechsel
In "Spurlos" spielte sie 1993 höchst eindringlich die auf einer Autobahnraststätte verschwindende Ehefrau von Jeff Bridges, in dem SF-Actionfilm "Demolition Man" mimte sie die von der "perfekten" Zukunft gelangweilte Polizistin Lenina Huxley.
Damit war Sandra als Leading Lady im Action-Genre etabliert. Der grandiose Durchbruch kam folgerichtig in Jan De Bonts Highway-Spektakel "Speed" an der Seite von Keanu Reeves.
Zeit, das Genre zu wechseln, dachte sich Sandra und schmachtete Bill Pullman als hoffnungslos romantischer Single Lucy in "Während Du schliefst" an.
Miss Unantastbar
Dann legte sich 1995 "Das Netz" des Cyberterroristen Jack Devlin um Sandra, als sie als Angela Bennett schonungslos zeigte, was es bedeutet, der Existenz, ja sogar der gesamten Identität beraubt zu werden.
Ihre Popularität war inzwischen so groß, dass ihre Karriere kaum mehr Schaden nehmen konnte, weder durch mittelmäßige Filme wie die klischeelastige Trinkerstudie "28 Tage" und die recht eindimensionale Grisham-Verfilmung "Die Jury", noch durch echte Flops wie die bemühte romantische Komödie "Gestohlene Herzen".
Nur noch, wenn's passt
Einzig "Speed 2" hatte Kritiker seinerzeit dann doch von einem Karriereknick sprechen lassen. Sandra sieht es heute als Lernprozess: "Nie wieder werde ich in einem Film mitspielen, wenn das Drehbuch nicht nahezu perfekt für mich ist."
So ließ sie sich die Rolle der ungehobelten FBI-Agentin in "Miss Undercover" maßgerecht auf den Leib schneidern. Das Konzept ging perfekt auf, und so beglückte uns Sandra mit "Miss Undercover 2".
Für "28 Tage", der eher wegen des schwachen Drehbuchs floppte als wegen Sandras Spiel, quartierte sie sich zur Vorbereitung in eine Entziehungsanstalt ein. Für "Mord nach Plan" las sie haufenweise Abhandlungen über Morduntersuchungen und sah sich sämtliche verfügbaren Dokus über Kriminalfälle an. Das Resultat: Sandras bisher komplexeste Darstellung.
Balanceakt zwischen Komödie und Action
Es ist typisch für die vielseitige Sandra, dass sie auf einen derart schweren Film eine Komödie folgen lässt. "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya Schwestern" war der Überraschungs-Hit des US-Kinosommers 2002: Sandra spielt eine New Yorker Theaterautorin, die in ihren Memoiren kein gutes Haar an ihrer Mutter lässt. Die wiederum hat drei dicke Freundinnen, die Mutter und Tochter wieder zueinander führen wollen.
Nach so viel Frauendrama musste zwangsläufig eine Liebeskomödie folgen. Und wer käme da als Partner besser in Frage als der "King of Romantic Comedy" Hugh Grant: In "Ein Chef zum Verlieben" spielt Sandra eine neurotische Anwältin, die sich von ihrem Brötchengeber herumscheuchen lässt.
Wut und Liebe
In dem Episodenfilm " Crash" sieht sich Sandra als Ehefrau von Brendan Fraser in ihren ethnischen Vorurteilen bestätigt, als zwei schwarze Trickbetrüger ihr Auto klauen. Der Latino vom Schlüsseldienst bekommt dann die Wut des Ehepaars ab.
Aktuell gibt es für Sandra im Kino ein Wiedersehen mit Schauspielkollege Keanu Reeves. Nach ihrem Actionerfolg "Speed" versuchen sich die beiden nun in dem Drama "Das Haus am See". Aus der Brieffreundschaft zwischen einer Ärztin und einem Architekten wird Liebe, doch bald müssen die beiden erkennen, dass sie mehr als nur die geographische Entfernung trennt.
Sweets statt Scampi
Im wahren Leben ist Sandra das nette Mädchen von nebenan. "Ich bin wirklich eine gute Nachbarin", sagt sie. "Man trinkt Bier bei mir auf der Terrasse und Autogramme gibt's noch dazu..."
Wieso sie gerade in Texas lebt? "Ich arbeite in L.A und möchte auch noch ein Leben separat von meiner Arbeit haben." Also keine Nobelboutiquen, kein Glimmer und kein Glitzer? "Das Einzige, was ich wirklich gerne einkaufe, sind Sachen für mein Haus", sagt sie. "Vorhänge, Armaturen, Beschläge und Fliesen und sowas - danach bin ich wirklich verrückt."
Sei Juli 2005 braucht sie diese Einkaufstouren auch nicht mehr alleine zu machen. Auf einer großen Hochzeitsfeier gab Sandy US-Reality-TV-Star Jesse James das Ja-Wort. Die geladenen Gäste wurden von der Trauung völlig überrascht, sie glaubten auf der Geburtstagsfeier von Sandra zu sein. Typisch für Sandy, die es hasst im Mittelpunkt zu stehen.
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